„Solange gebaut wird, wird Stahl gebraucht“

Interview mit Thorsten Flasch, Geschäftsführer der WILLI KROHN Handelsgesellschaft mbH

Wirtschaftsforum: Herr Flasch, können Sie uns zu Beginn ein paar Eckpunkte zum Unternehmen nennen? WILLI KROHN hat ja eine lange Historie.

Thorsten Flasch: Das Unternehmen WILLI KROHN existiert, so weit ist es belegt, seit mindestens 130 Jahren. Wir sind ein klassischer Stahlhandel, der sich auf Betonstahlbearbeitung und Stahlbau spezialisiert hat. Durch den Umzug an unseren neuen Standort vor dreieinhalb Jahren konnten wir die Kapazitäten deutlich erhöhen und unseren Umsatz mehr als verdoppeln auf inzwischen rund 25 Millionen EUR. Wir beschäftigen 50 Mitarbeiter und sind regional in Schleswig-Holstein und Hamburg tätig. Unsere Kunden sind Bauunternehmer in den Bereichen klassischer Hochbau und Ingenieurbau.

Wirtschaftsforum: Corona hat die Bauindustrie kaum getroffen. Wie geht es Ihrer Branche im Moment?

Thorsten Flasch: Die Rohstoffpreise sind massiv gestiegen. Sie haben sich in etwa verdoppelt. Diese Steigerung konnten wir nur zum Teil an die Kunden weitergeben. Das Volumen ist bei uns aber ungebrochen hoch und sogar steigend, auch 2020 und 2021. Die Materialbeschaffung war das größte Problem, allerdings waren wir die ganze Zeit über lieferfähig.

Wirtschaftsforum: Welche Leistungen bieten Sie im Einzelnen an?

Thorsten Flasch: Neben dem Stahl- und Eisenhandel bieten wir auch den Einbau, den wir mit Nachunternehmern leisten, als Dienstleistung an. Der klassische Stahlbau und die Betonstahlbearbeitung, die bei uns rund 80% des Geschäfts ausmacht, beinhalten weitere Dienstleistungen wie Schweißen, Bohren oder Schneiden. Die Teile, die wir liefern, müssen dann nur noch montiert werden. In der Region sind wir der einzige Anbieter, der ein so breites Angebot aus einer Hand bietet.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt in Ihrem Geschäft das Thema Nachhaltigkeit?

Thorsten Flasch: Ein Trend ist das bei uns nicht. Der ‘grüne’, das heißt CO2-arm hergestellter Stahl, soll kommen. Aber recycelbar war Stahl schon immer. In der Regel wird er zu 100% wiederverwendet. Dass er somit vollständig wieder in den Wirtschaftskreislauf eingebracht werden kann, ist natürlich nachhaltig. Das war aber schon immer so.

Wirtschaftsforum: Wie schwer ist es für Sie, neue Mitarbeiter zu gewinnen?

Thorsten Flasch: Bisher haben wir immer Glück gehabt und konnten die Stellen besetzen. In fast allen Arbeitsbereichen bei uns können auch Quereinsteiger anfangen. Durch unser neu gebautes Gebäude bieten wir auch ein modernes und attraktives Arbeitsumfeld, in dem es Spaß macht zu arbeiten.

Wirtschaftsforum: Wie zukunftssicher ist Ihr Geschäft?

Thorsten Flasch: So lange, wie gebaut wird, wird auch Stahl benötigt. Eine Alternative für Betonstahl gibt es nicht. Bleibt das Bauen also interessant für Investoren, sehe ich für unser Geschäft keine Probleme. Ob aber tatsächlich so viel zusätzlicher Wohnraum benötigt wird, wie immer kommuniziert wird, da bin ich mir nicht sicher.

Wirtschaftsforum: WILLI KROHN hat in diesem Jahr ein weiteres Unternehmen gekauft. Was war der Grund?

Thorsten Flasch: Richtig, wir, genauer gesagt, die WK Holding, haben das Unternehmen Stender Brennschneidtechnik gekauft, von dem ich ebenfalls Gesellschafter und Geschäftsführer bin. Den Betrieb kannten wir schon über 30 Jahre und haben nun eine Nachfolgesituation genutzt. Das Unternehmen hat ähnliche Strukturen wie WILLI KROHN. Die Intention war, uns breiter aufzustellen und möglicherweise dadurch auch neue Kunden zu gewinnen.

Wirtschaftsforum: Welche Pläne haben Sie für WILLI KROHN in der Zukunft?

Thorsten Flasch: Unser Ziel ist, das Volumen und die Marktanteile auszubauen, soweit es der Markt noch hergibt. Aktuell ist hier noch viel Potenzial. Uns regional auszubreiten, ist wenig sinnvoll, da die Transportkosten zu hoch sind.

Wirtschaftsforum: Wenn Sie einen Wunsch an die Politiker unseres Landes richten dürften, welcher wäre das?

Thorsten Flasch: Ich würde mir von ihnen eine stabile Politik wünschen, die den Mittelstand stützt.

Wirtschaftsforum: Verraten Sie uns zum Schluss noch, was Sie persönlich bei Ihrer Arbeit am meisten motiviert?

Thorsten Flasch: Meine größte Motivation ist, für meine Mitarbeiter einen guten und sicheren Arbeitsplatz zu schaffen. Das Unternehmen muss Geld verdienen, um weiter investieren zu können, deshalb ist mein Antrieb natürlich auch, es zu stärken und größer zu machen. Für mich persönlich war aber nie das Geld die Motivation.

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