Wenn Logistik zum ­Balanceakt wird

Interview mit Xaver Bosch, Geschäftsführer der Internationale Logistik Spedition Xaver Bosch GmbH

Der Weg des Unternehmens begann 1934 mit einem Pferdefuhrwerk. Xaver Boschs Großvater brachte landwirtschaftliche Produkte aus Buchdorf zum Wochenmarkt nach Augsburg – zunächst sogar per Motorrad. Was bescheiden begann, wuchs zu einem Speditionsbetrieb, der sich immer wieder neu erfand: Baustellenverkehr, Tankzüge, Italienfahrten, später deutschlandweite Transporte. „Die Firma hat sich immer wieder an die wirtschaftlichen Gegebenheiten und an den Markt angepasst“, sagt Geschäftsführer Xaver Bosch. Heute führt er gemeinsam mit seinem Bruder das Unternehmen in 3. Generation.
Der Weg des Unternehmens begann 1934 mit einem Pferdefuhrwerk. Xaver Boschs Großvater brachte landwirtschaftliche Produkte aus Buchdorf zum Wochenmarkt nach Augsburg – zunächst sogar per Motorrad. Was bescheiden begann, wuchs zu einem Speditionsbetrieb, der sich immer wieder neu erfand: Baustellenverkehr, Tankzüge, Italienfahrten, später deutschlandweite Transporte. „Die Firma hat sich immer wieder an die wirtschaftlichen Gegebenheiten und an den Markt angepasst“, sagt Geschäftsführer Xaver Bosch. Heute führt er gemeinsam mit seinem Bruder das Unternehmen in 3. Generation.

Mehr als reiner Transport

Rund 15 Beschäfigte zählt die Internationale Logistik Spedition Xaver Bosch GmbH heute – ein großer Teil der Verwaltung liegt nach wie vor in Familienhand. „Mein Wunsch war immer, dass der Betrieb in der Familie weitergeführt wird“, sagt Xaver Bosch. Mit Neffe und Nichten ist diese Perspektive greifbar nah. Inhaltlich hat sich das Unternehmen bewusst breiter aufgestellt: Neben dem Transport bietet es Lagerhaltung, Handling und Kommissionierung an. Eine Entscheidung, die sich ausgezahlt hat. „Als reiner Frachtführer haben wir in Europa keine Zukunft“, sagt Xaver Bosch rückblickend. Die Lagerlogistik habe dem Unternehmen wieder Stabilität gegeben. Heute liegt der Schwerpunkt auf Frische- und Kühltransporten sowie Pflanzenlogistik – mit starken regionalen Partnern wie der Molkerei Zott in Mertingen und Dehner Gartencenter.

Unter Druck auf der Straße

Die Lage der Branche bewertet Xaver Bosch differenziert. Hohe Dieselpreise seien derzeit nicht das drängendste Problem – sie werden bei wichtigen Kunden über Diesel-Floater aufgefangen, und knapper Laderaum ermöglicht höhere Frachtpreise. Schwerer wiegen die strukturellen Herausforderungen. Allen voran der Fahrermangel: „Ich könnte problemlos mehr Fahrzeuge einsetzen, wenn ich die Leute hätte.“ Lange Abwesenheiten, kaum planbare Freizeit, Parkplatznot und Zeitdruck schrecken den Nachwuchs ab. Besonders belastend sind die eng getakteten Lieferfenster im Lebensmittelhandel – schon ein Stau von 30 Minuten kann bedeuten, dass ein Lkw nicht mehr entladen wird. Xaver Bosch wünscht sich mehr Pragmatismus im Umgang mit den Sozialvorschriften: wichtig ja, aber die minutengenaue Anwendung führe oft zu unnötigen Härten, die weder Fahrern noch Unternehmen nützen. Hinzu kommt die angespannte Parkplatzsituation: Fahrer beginnen ihre Ruhezeit mitunter Stunden früher, weil sie später keinen sicheren Stellplatz mehr finden.
Auch der Palettentausch zehrt am Ergebnis. Wer beim Laden hochwertige Europaletten abgibt und beim Entladen nur beschädigte zurückerhält, verliert bares Geld. „Die Preisdifferenz zwischen einer 1A-Palette und einer Schrottpalette liegt bei 10 EUR“, erklärt Xaver Bosch. Bei 30 Paletten pro Lkw summiert sich das schnell auf 300 EUR Verlust pro Ladung. Der Auftrag bestehe längst nicht mehr nur darin, Ware von A nach B zu bringen, sondern darin, auf der gesamten Strecke wirtschaftlich zu denken.

Zukunft braucht Infrastruktur

Auch zur Energiewende hat Xaver Bosch eine klare Haltung: grundsätzlich offen, aber realistisch. Im aktuellen Einsatzprofil – mehrere Tage unterwegs, wechselnde Strecken, enge Termine – sei der E-Lkw noch keine praktikable Lösung. Es fehle an Ladeinfrastruktur, Stellplätzen mit Ladepunkten und vor allem an Planungssicherheit. „In unserem Bereich ist nach heutigem Stand der E-Lkw keine Alternative.“ Grundsätzlich sei das Unternehmen bereit zu investieren – aber nur dann, wenn die Rahmenbedingungen es erlauben und die Technologie den Anforderungen des Fernverkehrs wirklich gewachsen ist. Im Nahverkehr könne die Technologie bereits funktionieren – im Fern- und Verteilverkehr brauche es noch deutliche Fortschritte, sowohl bei der Reichweite als auch bei der Ladeinfrastruktur entlang der Routen.

Trotz aller Widrigkeiten blickt Xaver Bosch nach vorn. Der Markt habe sich nach schwierigen Jahren etwas reguliert, viele Billiganbieter seien verschwunden, zuverlässige Kapazitäten wieder gefragt. Die Strategie bleibt klar: flexibel bleiben, nah am Kunden arbeiten, die eigene Leistung über den reinen Transport hinaus stärken. Es ist eine Haltung, die das Unternehmen seit 1934 trägt – und die es bis heute wettbewerbsfähig hält. „Ich glaube schon, dass wir eine Zukunft im deutschen Transportgewerbe haben“, sagt Xaver Bosch – und das klingt nicht nach Zweckoptimismus, sondern nach begründeter Überzeugung.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Transport & Logistik

Mit Wurzeln und Werten

Interview mit Julia Schmitt Jonas, Mitglied der Geschäftsleitung der Schmitt Logistik GmbH

Mit Wurzeln und Werten

Ein familiengeführtes Logistik- und Speditionsunternehmen in 4. Generation verbindet langjährige Erfahrung mit dem Blick nach vorn. Tief in der Region verwurzelt, kennt es die Bedürfnisse der Kunden ebenso gut wie…

Mit Effizienz und Copacking zum starken Logistikpartner

Interview mit Sebastian Waldmann, Geschäftsführer der Logistikcenter Hückelhoven GmbH & Co. KG

Mit Effizienz und Copacking zum starken Logistikpartner

Saisonale Aktionsware muss pünktlich im Handel stehen, Lagerprozesse müssen reibungslos funktionieren und kurzfristige Kundenanforderungen zuverlässig erfüllt werden. Genau darauf hat sich die Logistik-Center Hückelhoven GmbH & Co. KG spezialisiert. Geschäftsführer…

Spannendes aus der Region

„Mein Rat an Camper? Hinterlasst höchstens eine Reifenspur!“

Interview mit Stefan Christner, Geschäftsführer der bimobil – von Liebe GmbH

„Mein Rat an Camper? Hinterlasst höchstens eine Reifenspur!“

Seit fast einem halben Jahrhundert steht bimobil für langlebige und hochwertige Reisemobile – in einem Markt, der in den letzten Jahren einen enormen Boom erlebt hat. Warum die ursprüngliche Idee…

Schnell reagieren können

Interview mit Steven Herpichböhm, CTO der Gramß GmbH Kunststoffverarbeitung

Schnell reagieren können

Wie wird aus einem kleinen Familienbetrieb ein hochmoderner Kunststoffspezialist mit 150 Maschinen? Steven ­Herpichböhm, CTO der Gramß GmbH in Spechtsbrunn bei Sonneberg, kennt die Antwort. Im Interview spricht er über…

„Wir sind mit erstklassigem Personal gesegnet!“

Interview mit Mira Steinhoff-Busch, Geschäftsführerin der Kranken- und Intensivpflegedienst LebensLuft GmbH

„Wir sind mit erstklassigem Personal gesegnet!“

Gemeinsam für Menschen da zu sein: ein Anspruch, der unter den engen Rahmenbedingungen des Pflegealltags häufig auf der Strecke bleibt. Der Kranken- und Intensivpflegedienst LebensLuft, der sich auf die Betreuung…

Das könnte Sie auch interessieren

Gar nicht abgehoben

Interview mit Armin Schikowsky, geschäftsführender Gesellschafter der AST Air Sea Truck International GmbH

Gar nicht abgehoben

Gegründet wurde die AST Air Sea Truck International GmbH 1983 in Frankfurt von Dieter Seubert, Armin Schikowsky, Ulrike Lukas-Rother und Franz Georg Bär. Als kleines, innovatives Unternehmen ist die Spedition…

Speedition mit Weitblick

Interview mit Michael Lukasser, Geschäftsführer der Tirolia Spedition Ges.m.b.H.

Speedition mit Weitblick

Die Tirolia Spedition Ges.m.b.H. in Ebbs hat neben den Waren, die sie transportiert, schon einiges mehr auf den Weg gebracht. Sie ist eben eine etwas andere 'Speedition'. Nein, dies ist…

Individuell und all-in-one

Interview mit Alexander Hewel, Managing Partner der Kellergroup

Individuell und all-in-one

Etwas zu bewegen – und zwar durchaus im übertragenen Sinn – ist seit über 80 Jahren Leitgedanke der Kellergroup aus Ditzingen vor den Toren Stuttgarts. Das mittelständische Familienunternehmen ist Spedition…

TOP