Prozesse für die Märkte von morgen

Interview mit Markus Mohr, Geschäftsführer der IPCO Germany GmbH

Die technologischen Wurzeln von IPCO reichen weit zurück: 1901 wurde das erste Stahlband entwickelt. 2018 entstand IPCO durch die Herauslösung von Sandvik Process Systems aus dem Sandvik-Konzern. Heute beschäftigt das Unternehmen rund 650 Mitarbeitende weltweit, davon etwa 150 in Deutschland. Markus Mohr selbst ist seit 27 Jahren im Unternehmen und seit knapp fünf Jahren in der Geschäftsführung tätig. In Fellbach liegt der Fokus auf dem Maschinen- und Anlagenbau. Eine zentrale Technologie ist der Pastillierprozess: Flüssige Produkte werden auf ein Stahlband aufgebracht, während des Transports gekühlt und dadurch verfestigt. Zum Einsatz kommt das Verfahren etwa bei Schokolade, Wäscheparfüm, Harzen, Schmelzklebern, Wachsen, Harnstoff oder Schwefel. „Wir liefern damit einen Prozess“, bringt Markus Mohr den Anspruch auf den Punkt. IPCO versteht sich dabei zunehmend als Prozessintegrator und Komplettanbieter – von vorgeschalteten Komponenten bis zu Installation und Inbetriebnahme. Ein wichtiger Wettbewerbsvorteil liegt in der

gemeinsamen Produktentwicklung. Im Productivity Center können Kunden Produkte im halbtechnischen Maßstab testen und bemustern. „Wir sind Entwicklungspartner“, sagt der Geschäftsführer. Hinzu kommen die weltweite Präsenz und eine große installierte Basis: Allein im Pastillierbereich sind rund 2.500 Systeme im Markt. 

Neue Nischen für nachhaltiges Wachstum

Neben dem etablierten Geschäft erschließt IPCO neue Anwendungsfelder. Im Energiesektor geht es unter anderem um Technologien für stationäre Speicher wie Feststoff- oder Iron-Flow-Batterien. Auch Recycling eröffnet Möglichkeiten. So werden bereits geschredderte Rotorblätter von Windkraftanlagen mit Bindemitteln zu Platten verpresst und damit einer neuen Nutzung zugeführt. Auch Digitalisierung spielt eine wachsende Rolle. IPCO prüft bewusst, wo KI tatsächlich Mehrwert bietet, etwa durch Effizienzsteigerungen, zusätzliche Services oder Predictive Maintenance. Gleichzeitig arbeitet das Unternehmen an energieeffizienteren Anlagen, beispielsweise durch hochwertige Isolierungen, effiziente Motoren und die Nutzung von Prozessabwärme. Für die kommenden Jahre ist die Richtung klar. „Wir brauchen neue Nischen“, betont Markus Mohr. Neben Energiespeicherung und Recycling soll besonders der Aftermarket wachsen. Viele IPCO-Anlagen sind seit Jahrzehnten in Betrieb und benötigen Ersatzteile, Modernisierungen und neue technische Lösungen. Gleichzeitig will das Unternehmen in weiteren Prozessen stärker als Komplettlösungsanbieter auftreten. So verbindet IPCO bewährtes Prozesswissen mit neuen Anwendungen – und schafft damit die Grundlage für weiteres Wachstum. 

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