Sammeln von Altkleidung kaum noch kostendeckend

Interview mit Nexhip Gjikolli, Geschäftsführer der Textil-Recycling Nord GmbH

Als zertifizierter Fachentsorgungsbetrieb leistet die Textil-Recycling Nord GmbH einen wesentlichen Beitrag zu einem nachhaltigen Wirtschaften. Das Sammeln, Sortieren und Verwerten von Kleidung und Schuhen bestimmt das Kerngeschäft des in Norddeutschland und Nordrhein-Westfalen tätigen, inhabergeführten Betriebes. „Wir stellen Container auf, sammeln Altkleider und Schuhe und führen diese anschließend einer weiteren Verwertung zu“, erklärt Geschäftsführer Nexhip Gjikolli. So wird die gesammelte Kleidung – je nach Zustand – weiterverkauft, zu anderen Produkten wie etwa Putzlappen verarbeitet oder thermisch verwertet. Neben dem Hauptsitz im niedersächsischen Himmelpforten unterhält Textil-Recycling Nord einen weiteren Standort im nordrhein-westfälischen Grevenbroich. Das Einzugsgebiet des Standortes Himmelpforten erstreckt sich auf Niedersachsen und Schleswig-Holstein sowie Hamburg und Bremen, von Grevenbroich aus werden Essen, Mönchengladbach, Krefeld sowie der Kreis Viersen bedient. Rund 3.600 Container betreut Textil-Recycling Nord, wobei Kommunen, Tankstellen und Supermärkte sowie private Grundeigentümer die Standorte für die Container zur Verfügung stellen. Gesellschafter Ramazan Kursun gründete die Textil-Recycling Nord GmbH 2003 und startete seinerzeit mit einem Lkw. 2007 übernahm Nexhip Gjikolli die Geschäftsführung. Mittlerweile ist die Flotte der Fahrzeuge auf rund 40 angewachsen, die Zahl der Mitarbeiter liegt bei 70. „Wir kennen und schätzen ei-nander“, beschreibt Nexhip Gjikolli die Atmosphäre im Team. „Ich begrüße jeden unserer Mitarbeiter mit Handschlag.“ 

Schwierige Zeiten

Um die Interessen des Unternehmens in einer Nischenbranche zu vertreten, engagiert sich das Unternehmen auch im Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse). „Vor der Coronazeit war die Lage in unserer Branche sehr angespannt, weil der Markt mit billigen Textilien aus Asien überschwemmt wurde“, erläutert der Geschäftsführer. „Diese minderwertige Kleidung bringt deutlich geringere Verkaufserlöse. Von 2021 bis 2023 gab es ein Hoch, da es zu wenig Ware auf dem Markt gab.“ Kompliziert wird die Lage für die Branche zusätzlich durch den seit dem 1. Januar 2025 geltenden EU-Beschluss zur Getrenntsammlungspflicht. Dieser Beschluss verbietet die Entsorgung gut erhaltener Alttextilien über die Restmülltonne. Da die Kosten des Sammelns, Sortierens und der Verwertung für ein Entsorgungsunternehmen wie Textil-Recycling Nord auf Dauer kaum kostendeckend sind, fordert Nexhip Gjikolli Konsequenzen von der Politik. „Ohne eine gesicherte Vergütung für die Sortierer wird das bisherige System kaum aufrechtzuerhalten sein“, lautet sein Fazit.

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