Visionäre Kunststofflösungen

Interview mit Martin Hierl, Geschäftsführer der TR PLAST GmbH

Seit seiner Gründung 1962 hat sich TR PLAST von einem kleinen Kunststoffverarbeiter zu einem führenden Akteur der Branche in Deutschland und Europa entwickelt und sich dabei kontinuierlich neue Geschäftszweige erschlossen. Einen Meilenstein setzte Geschäftsführer Martin Hierl, der das Unternehmen 1998 im Zuge eines Management-Buy-out übernahm. „Als ich 1993 ins Unternehmen kam, waren wir 18 Mitarbeitende. Bei der Übernahme waren es 30 bis 35. Heute sind es über 300“, erzählt Martin Hierl. Mit einem Umsatz von 37 Millionen EUR gehört TR PLAST zu den Top 10% der deutschen Moulding-Branche, die einen Markt von 70 Milliarden EUR umfasst. Der Erfolg basiert auf klarer Strategie, digitalem Fortschritt und Nachhaltigkeit.

Innovation und Teamgeist

TR PLAST ist ein europäischer Konzern mit drei Standorten. Der Hauptsitz in Neumarkt konzentriert sich auf Innovationen, Pilotprojekte und Kleinserien. „Neumarkt ist unser Herzstück. Hier entstehen neue Technologien, die wir nach erfolgreicher Erprobung an die Standorte in Thüringen und Rumänien übergeben“, erklärt Martin Hierl. Diese Aufteilung kombiniert Technologieführerschaft mit Kosteneffizienz. Die Werte „frisch, flexibel, freundlich“ prägen die Unternehmenskultur.

TR PLAST setzt auf eine engagierte Belegschaft und fördert den Nachwuchs. Sohn Paul Hierl ist seit 2024 im Bereich Business Development tätig und wird künftig eine größere Rolle übernehmen. Auch Martin Hierls Ehefrau ist im Unternehmen aktiv. „Unser Ziel ist es, die Werte des Familienunternehmens in die nächste Generation zu tragen“, betont Martin Hierl. „Wir müssen uns auf Tugenden und Fleiß besinnen. Das war und bleibt unser Schlüssel zum Erfolg“, sagt der Geschäftsführer.

Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Innovation

TR PLAST treibt die Digitalisierung stark voran. 2023 investierte das Unternehmen 750.000 EUR, um alle 70 Produktionsmaschinen digital zu vernetzen. Die Vernetzung ermöglicht die Echtzeitüberwachung von Stillständen und Produktionszeiten und steigert so Effizienz und Transparenz. „Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug, um Kosten- und Technologieführerschaft zu sichern“, betont Martin Hierl. Eine eigene IT-Abteilung arbeitet an einer Roadmap mit diversen KI-Projekten für die Prozessoptimierung und Qualitätssicherung. Auf dem Erreichen von Nachhaltigkeitszielen liegt ein weiterer Schwerpunkt. In den letzten drei Jahren hat TR PLAST den internen Abfall um 50% reduziert und deckt 25% seines Strombedarfs durch Photovoltaikanlagen. Bereits seit über einem Jahrzehnt setzt das Unternehmen Recyclingmaterialien wie Recompounds ein. „Nachhaltigkeit ist keine Option, sondern Verpflichtung“, erklärt Martin Hierl. Zertifizierungen wie ISO 50001 und die bald abgeschlossene ISO 14001 untermauern diesen Ansatz. Das Leistungsspektrum reicht vom Prototypenbau bis zur Serienfertigung. Dabei kommen modernste CAD-Technologien, 3D-Druck und Finite-Elemente-Berechnungen (FIM) ebenso zum Einsatz wie Werkzeugbau, Montage und Veredelung. „Wir begleiten unsere Kunden von der Idee bis zur fertigen Lösung“, sagt Martin Hierl.

Marktlage und Zukunftsvisionen

Die letzten Jahre waren von großen Herausforderungen geprägt. Während der Coronapandemie führten geschlossene Kundenbetriebe zu Kurzarbeit. Doch die breite Aufstellung hinsichtlich Kunden, Technologien und Wissen erlaubte dynamische Anpassungen. „Unsere Flexibilität hat uns durch diese Zeit getragen“, sagt Martin Hierl. Der Ukrainekrieg brachte zusätzliche Probleme für das energie- und rohstoffintensive Unternehmen. „Unsere Kostenstrukturen passten oft nicht mehr und wir mussten zeitweise kostendefizitär produzieren“, erinnert sich Martin Hierl. „Doch durch intensive Gespräche mit Kunden haben wir Lösungen gefunden.“ Diese Erfahrungen stärken die TR PLAST GmbH, die auf langfristige Partnerschaften und nachhaltige Strategien setzt. Die aktuelle Marktlage bietet Chancen und Herausforderungen. „Das Preisniveau liegt leicht über dem von 2019, aber die Lohnkosten sind gestiegen“, erklärt Martin Hierl. „Im Seriengeschäft sinken Stückzahlen bei Automotive, Konsum und Elektronik, was Anpassungen erfordert.“ Gleichzeitig läuft das Neugeschäft gut, angetrieben durch Projekte und Technologien, die auf Fachmessen wie der Fakuma vorgestellt werden. „Die Fakuma 2024 war ein voller Erfolg: Wir konnten 20 hochwertige Kontakte knüpfen“, berichtet Martin Hierl. Mit einer Exportrate von 57% ist TR PLAST auf internationalen Märkten etabliert. 80% der Kunden sind deutsche Firmen mit globaler Ausrichtung. „40% unseres Umsatzes generieren wir im Automobilsektor, mit Lösungen für Trucks, Baumaschinen und Pkw. Der Einstieg in die E-Mobilität begann für uns mit dem Einsatz von Recompounds im BMW i3“, sagt Martin Hierl. Für die Zukunft hat TR PLAST ehrgeizige Ziele. Bis 2028 soll der Umsatz auf 40 Millionen EUR steigen. Neben Digitalisierung und Effizienz bleibt die Unternehmenskultur ein wichtiger Fokus. „Unser Spirit – frisch, flexibel, freundlich – bleibt der Kern unseres Erfolgs. Ich bin überzeugt, dass unser Team die nächste Phase erfolgreich gestalten wird“, sagt Martin Hierl abschließend.

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