„Offen sein für Energie-Alternativen“

Interview mit Lucas Smajek, Geschäftsführer der Adolf ROTH GmbH & Co. KG

Wirtschaftsforum: Herr Smajek, erzählen Sie uns doch zunächst, wie die Geschichte Ihres Familienunternehmens bisher verlaufen ist.

Lucas Smajek: Die Firma wurde 1949 von meinem Urgroßvater gegründet und von meinem Großvater weiter aufgebaut. In den 2010er-Jahren hat meine Mutter Christiane Roth das Unternehmen als alleinige Gesellschafterin übernommen und erfolgreich in die neue Zeit geführt. Meine Schwester ist vor circa fünf Jahren in das Unternehmen eingestiegen; sie ist hauptsächlich für alle personellen und organisatorischen Themen verantwortlich. Ich bin seit 2,5 Jahren dabei und leite gemeinsam mit meiner Mutter das operative Geschäft des Unternehmens.

Wirtschaftsforum: Wie verlief die Entwicklung des Unternehmens in der jüngeren Vergangenheit?

Lucas Smajek: Der Markt hat sich in den vergangenen zehn Jahren konsolidiert und wird jetzt von den großen Anbietern dominiert. Wir sind mitgewachsen. Eine wichtige Entscheidung war, in den 1990er-Jahren in Gießen einen Gleisanschluss zu legen und die Kesselwagenversorgung aufzubauen. Wir waren auch eines der ersten Unternehmen, die in Deutschland sogenannte Geister-Tankstellen eröffnet haben, also solche, die vollautomatisch laufen und 24 Stunden geöffnet sind. 2012 beziehungsweise 2015 sind wir in das Strom- und Erdgasgeschäft eingestiegen und haben hier ein breites Portfolio aufgebaut. Das war in den letzten Jahren sehr hilfreich. Von Gießen aus expandieren wir bundesweit. Wir beschäftigen mittlerweile 750 Mitarbeiter. Wichtig ist uns, weiterhin unsere Identität als Mittelständler mit Familienwerten zu wahren.

Wirtschaftsforum: Gerade im Bereich Energie war in den vergangenen Jahren viel in Bewegung. Wie ist die Marktsituation heute?

Lucas Smajek: In den letzten Jahren war kein Jahr wie das andere. Die Zeit der Krisen hat die Sensibilität von Jung und Alt in Bezug auf Energie erhöht. Das Heizöl hat eine Renaissance erlebt. Die Preisentwicklung, die Energiewende, das Thema CO2-Emissionen – all das macht die Branche gerade spannend. Jeder weiß, dass wir in Zukunft einen bunten Energiemix brauchen, aber niemand weiß genau, wie der aussehen soll. Und niemand traut sich, viel Geld für wegweisende Investitionen in die Hand zu nehmen. Ein Beispiel ist Wasserstoff. Er könnte die Zukunft für den Schwertransport sein. Doch dann wurden alle Förderungen gestoppt und die Investitionen blieben aufgrund der fehlenden wirtschaftlichen Perspektive aus. Wir sehen aktuell, dass sich selbst bei der Elektrothematik die Geister scheiden.

Wirtschaftsforum: Wie sehen Sie die Rolle von ROTH Energie auf dem Markt?

Lucas Smajek: Aufgrund unserer Größe und Logistik spielen wir eine wichtige Rolle im Mittelstand. Hamburg mit seinem Hafen gilt als Zentrum für alle Ölhändler, Im mittelhessischen Raum sind wir infrastrukturell gut gelegen und ein interessanter Partner für viele Firmen, die vom Norden in den Süden wollen. Wir versuchen, die Regionalitätskarte zu spielen, mit einer dezentralen Organisation, die es uns ermöglicht, nah beim Kunden zu sein. Im Unterschied zu vielen Konzernen sind wir auch der verlängerte Arm zum Endkunden.

Wirtschaftsforum: Das Thema Nachhaltigkeit dominiert die gesamte Energiebranche. Wie sehen Ihre Aktivitäten in Bezug auf Produkte und Ihr Unternehmen aus?

Lucas Smajek: Bei den Produkten liegt unser Fokus hier auf HVO 100. Die Infrastruktur ist in weiten Teilen schon vorbereitet. Eine wichtige Rolle spielt dabei unsere Flexibilität durch unseren eigenen Fuhrpark und unsere eigenen Läger. Wir können die Versorgung über Straße, Wasser und Schiene gewährleisten. Elektro ist natürlich weiterhin ein wichtiges Thema. Wir hatten auch schon mit Wasserstoffprojekten begonnen, aber dann fielen die Förderungen weg. Themen wie Bio-Heizöl und Bio-Diesel sind für uns bisher eher marginal, werden aber im Zuge der CSRD-Richtlinie ab 2026 auch eine Rolle spielen, wenn der Markt dafür da ist. Einen Teil unseres Fuhrparks von rund 400 Fahrzeugen haben wir bereits auf HVO 100 umgestellt.

Wirtschaftsforum: Welche Alleinstellungsmerkmale hat ROTH Energie im Wettbewerb?

Lucas Smajek: Mit der Kombination aus persönlicher Beratung und der logistischen Aufstellung können wir unseren Kunden Vorteile verschaffen. Dazu haben wir eine hohe Preistransparenz. Unser Ziel ist nicht, der Günstigste zu sein, sondern mit dem Gesamtpaket zu überzeugen. Deshalb bieten wir auch individuelle Serviceleistungen im Baukastensystem an.

Wirtschaftsforum: Worauf wird Ihr Fokus in den nächsten Jahren liegen?

Lucas Smajek: Im Bereich erneuerbare Energien wollen wir weiter vorankommen, insbesondere mit HVO 100. Bei Strom und Gas sehe ich Wachstumspotenzial. Ich freue mich jedenfalls auf die weitere Entwicklung des Unternehmens in der zurzeit vielleicht spannendsten Branche überhaupt.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

Der Airbag für Lithium-Ionen-Batterien

Interview mit Philipp Helmle, Geschäftsführer der LogBATT GmbH

Der Airbag für Lithium-Ionen-Batterien

Die Sicherheitsanforderungen an den Transport von Batterien für die Elektromobilität und ähnliche Anwendungsfelder sind immens: Seit 2017 entwickelt LogBATT aus dem Neckartal hierfür zielgerichtete Produkte für den gesamten Batterie­lebenszyklus von…

Schnell reagieren können

Interview mit Steven Herpichböhm, CTO der Gramß GmbH Kunststoffverarbeitung

Schnell reagieren können

Wie wird aus einem kleinen Familienbetrieb ein hochmoderner Kunststoffspezialist mit 150 Maschinen? Steven ­Herpichböhm, CTO der Gramß GmbH in Spechtsbrunn bei Sonneberg, kennt die Antwort. Im Interview spricht er über…

Software für den Praxisalltag

Interview mit Fabian Gundlach, Geschäftsführer der ergosoft GmbH

Software für den Praxisalltag

Aus einer Abrechnungssoftware für Psychotherapeuten ist bei ergosoft über drei Jahrzehnte eine umfassende Lösung für den Praxisalltag entstanden. Geschäftsführer Fabian Gundlach setzt auf Spezialisierung, engen Kundenkontakt und neue Technologien wie…

Spannendes aus der Region Landkreis Gießen

Verpackungstechnologie: Innovation nach Maß

Interview mit Holger Merz, CEO der MERZ Verpackungsmaschinen GmbH

Verpackungstechnologie: Innovation nach Maß

Seit der Gründung durch Eckhard Merz im Jahr 1971 steht die MERZ Verpackungsmaschinen GmbH in Lich für technische Präzision und maßgeschneiderte Verpackungslösungen. CEO Holger Merz führt das Familienunternehmen heute in…

Hoffnungsträger und Impulsgeber

Interview mit Dr. Charles Mamisch, Geschäftsführer der MedTec Medizintechnik GmbH

Hoffnungsträger und Impulsgeber

Osteoporose und Arthrose sind degenerative Erkrankungen, die im Alter zunehmen. Angesichts des demografischen Wandels werden präventive Maßnahmen, die Knochenschwund und Gelenkabnutzung verlangsamen, immer wichtiger. Die MedTec Medizintechnik GmbH hat mit…

Einfach schnell durchstarten

Interview mit Georg Weiß, CEO von Quivo

Einfach schnell durchstarten

Es ist das Bindeglied zwischen Onlineshop und Endkunde und spielt deshalb im E-Commerce eine zentrale Rolle – das Fulfillment. Damit sämtliche Prozesse – Lagerung, Kommissionierung, Verpackung, Versand und Retourenabwicklung, aber…

Das könnte Sie auch interessieren

„A Better Way“ in eine grünere Zukunft

Interview mit Tobias Ziereis, Sales Director der AB Energy Deutschland GmbH

„A Better Way“ in eine grünere Zukunft

Mit einem jährlichen Auftragsvolumen von insgesamt über 800 Millionen EUR hat sich das aus Italien stammende Unternehmen AB Energy eine nachhaltige Expertise in der Kraft-Wärme-Kopplung sowie im Biomethanbereich aufgebaut und…

„Große Transformationen passieren nicht über Nacht!“

Interview mit Christian Arnold, Geschäftsführer der Energiekonzepte Deutschland GmbH

„Große Transformationen passieren nicht über Nacht!“

Die Energiekonzepte Deutschland GmbH, gegründet 2018 im Umfeld des letzten Solarbooms, entwickelt sich derzeit vom Lieferanten von Solarmodulen und Wärmepumpen zum holistischen Energieversorger weiter. CEO Christian Arnold erklärte im Interview…

Die Digitalisierer der Energiewirtschaft

Interview mit Stefan Baasner, CEO der m2g-Consult GmbH

Die Digitalisierer der Energiewirtschaft

Die m2g-Consult GmbH aus Berlin blickt inzwischen auf über zehn Jahre Erfahrung im Smart Energy-Segment zurück: Ihre Projekte beschränken sich dabei nicht nur auf die technologische Transformation ihrer Kunden aus…

TOP