Die Digitalisierer der Energiewirtschaft

Interview mit Stefan Baasner, CEO der m2g-Consult GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Baasner, m2g-Consult sieht sich als Digitalisierer der Energiewirtschaft und will dabei als starker Partner für Smart Metering und Smart Energy auftreten – an welcher Stelle unterstützen Sie Ihre Kunden dabei genau?

Stefan Baasner: Das intelligente Messwesen ist gewissermaßen der Maschinenraum der Energieinfrastruktur. Dort gibt es mehrere elementare Bausteine, die dafür sorgen sollen, dass die Infrastruktur durch die Einspeisung der erneuerbaren Energien nicht überlastet wird. Dazu muss wiederum eine bessere Verteilung im Netz gewährleistet werden – durch intelligente Messsysteme sowie darauf basierende Software- und KI-Anwendungen. m2g-Consult fällt die Aufgabe zu, die Energieversorger bei der Umsetzung der dazu erforderlichen Lösungen konsequent zu unterstützen. Grundsätzlich holen wir unsere Kunden dort ab, wo sie stehen – unsere konkreten Leistungen fallen deshalb je nach Größe des konkreten Players und abhängig von seinen spezifischen Anforderungen durchaus unterschiedlich aus. 

Wirtschaftsforum: Worin bestehen bei diesen Projekten die zen­tralen Herausforderungen? 

Stefan Baasner: Meist treffen wir bei unseren Kunden auf Prozesse, die bereits seit vielen Jahrzehnten etabliert sind und trotz des fundamentalen Wandels in der Energiewirtschaft nicht tiefgreifend hinterfragt wurden. Die Rahmenbedingungen der neuen Energiewelt, in der die Energieflüsse nicht mehr starr von oben nach unten verlaufen, verlangen jedoch vielfältige und entsprechend tiefgreifende Anpassungen. Diese Muster aufzubrechen und unsere Partner zielführend auf diesen Weg zu bringen, ist stets die zentrale Grundlage für den späteren Projekterfolg. 

Wirtschaftsforum: Steht bei Ihrer täglichen Arbeit eher der technologische Wandel oder ein organisatorisches Change Management im Vordergrund? 

Stefan Baasner: Im ersten Step geht es praktisch immer vornehmlich um die Technologie – doch mit zunehmendem Verständnis rückt die Einbindung der Organisation und der Menschen dahinter immer stärker in den Fokus. Vielfach bestehen dabei auch gewisse Befürchtungen um das eigene Fortwirken, weil man oftmals nicht so recht einschätzen kann, ob man mit seinem Set-up von gestern morgen noch gebraucht werden wird. In diesem Kontext hat sich auch m2g-Consult als Unternehmen stark weiterentwickelt: Wir sind vor elf Jahren mit einem sehr fachspezifischen Fokus an den Start gegangen. Irgendwann kamen aber immer mehr Kunden auf uns zu, die mit der technischen Einrichtung vollends zufrieden waren, sich dann aber unseren Rat gewünscht haben, um diesen Wandel auch in der Breite der Belegschaft umzusetzen. Mit diesen Impulsen sind wir mitgewachsen und bieten heute unter anderem umfangreiche Schulungen an. 

Wirtschaftsforum: Wie wird sich m2g-Consult in der Zukunft verändern? 

Stefan Baasner: In der Vergangenheit waren wir noch stark damit beschäftigt, die Basisinfrastruktur in den Markt zu bringen – vergleichbar mit einem Smartphone-Lieferanten, der zunächst einmal die erforderliche Hardware bereitstellen muss. Eigentlich wollen wir aber – um in diesem Bild zu bleiben – einen App Store mit vielen spannenden Anwendungen etablieren, die alle nahtlos miteinander interagieren und so einen wichtigen Mehrwert stiften können. Somit wird sich m2g-Consult perspektivisch ein Stück weit von der Basisarbeit wegbewegen und sich stärker auf Dienstleistungen im Wege der Systemsteuerung fokussieren. Dazu beschäftigen wir uns mit vielfältigen Themen, um das Wissen der Vergangenheit mit den Trends der Zukunft zu verknüpfen. 

Wirtschaftsforum: Worauf liegt dabei Ihr Fokus?

Stefan Baasner: Wir sind überzeugt, dass Themen wie bidirektionales Laden, Energy Sharing und eine gemeinschaftliche Gebäudeversorgung in den nächsten Jahren deutlich an Relevanz gewinnen werden, wenn das Netz immer stärker dezentral aufgebaut sein wird. Das setzt wiederum tiefgreifende Veränderungen bei der Messung und Steuerung voraus, wozu wir passende Dienstleistungen bereithalten wollen. Als Unternehmen hat m2g-Consult dabei weiterhin den Anspruch, als Meinungsführer in unseren Themenfeldern aufzutreten und als ausgewiesener Spezialist wahrgenommen zu werden, der stets erster Ansprechpartner bleiben kann – mit klarem technischen Know-how, aber gleichermaßen mit dem menschlichen ‘Salz in der Suppe’, das auch in Zukunft unersetzlich bleiben und eher weiter an Relevanz gewinnen wird. 

Wirtschaftsforum: Wie wird die Energiesteuerung der Zukunft aus Ihrer Sicht aussehen? 

Stefan Baasner: Ich glaube, dass viele Prozesse weitgehend autark ablaufen werden. Wo heute noch Menschen eingreifen, werden sie in Zukunft bestenfalls die Systeme überwachen und vielleicht gar nicht mehr in jedem Detail nachvollziehen können, welche Vorgänge genau ablaufen, weil die Komplexität deutlich zunehmen dürfte – genauso wie die Anzahl der Marktakteure, die bestimmte Aufgaben und Rollen übernehmen. Gleichzeitig wird der Energiehunger der Systeme exponentiell steigen, und die Energieverfügbarkeit wird mit hoher Wahrscheinlichkeit der größte Engpassfaktor in der Zukunft sein. Nicht alle Technologien, die theoretisch möglich sind, wird man somit auch tatsächlich umsetzen können. 

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