Vom Stall bis zur Wallbox – Energie intelligent nutzen

Interview mit Dipl.-Ing. Andreas Kulke, Gründer und Geschäftsführer der alcona Automation GmbH

„Ursprünglich kommen wir aus der Landwirtschaft“, erzählt Andreas Kulke. Der Impuls zur Gründung kam aus dem persönlichen Umfeld – ein befreundeter Landwirt bat ihn um eine Alarmanlage für seinen Schweinestall. Die Suche nach einer passenden Lösung verlief enttäuschend: „Es gab nichts Vernünftiges – das war der Startpunkt.“ Die erste alcona-Anlage alarmierte direkt per Telefon – damals ein echter Fortschritt. Die Landwirtschaftskammer war begeistert, die Firmengründung folgte.

Vom Schweinestall zur Ladesäule

Doch bei der Alarmtechnik blieb es nicht. „Ich habe gesehen, dass viele Geräte im Stall nebeneinander arbeiten, aber nicht miteinander kommunizieren. Das wollten wir ändern“, so Andreas Kulke. Daraus entstand ein durchgängiges System: Klimacomputer, Alarmanlagen, Frequenzumrichter – alles mit einheitlichem Bedienkonzept und vernetzbar. Parallel dazu erkannte das Unternehmen früh das Potenzial der Elektromobilität. Bereits 2018 begann alcona mit der Entwicklung eigener Ladestationen. Der Markteintritt gelang mit Rückenwind: „Unser Steuerberater lachte, als ich ihm unsere erste Wallbox zeigte – heute freut er sich mit uns über den Erfolg“, erinnert sich Andreas Kulke. Besonders erfolgreich ist alcona in der Zusammenarbeit mit Stadtwerken und Energieversorgern, die über Netzwerke deutschlandweit bestellen. Das Unternehmen positioniert sich bewusst im höherwertigen Segment – mit Sonderlösungen und individueller Optik. Ein Beispiel: Für den Malteser Hilfsdienst stattet alcona 750 Standorte mit rund 4.000 Ladepunkten aus – inklusive Planung und Installation. „Teilweise fahren wir mit dem Bagger bis zum Bodensee, weil die Kunden auf unsere Qualität setzen“, berichtet der Geschäftsführer.

Energiespeicher als drittes Standbein

Ein weiteres Wachstumsfeld erschloss sich mit der Energiekrise: Batteriespeicher. Der Hintergrund: Betreiber älterer Photovoltaikanlagen verlieren nach 20 Jahren ihre Einspeisevergütung. Damit wird es attraktiv, Strom direkt zu nutzen – etwa über Speicher. alcona entwickelte eine eigene Lösung, die drei Jahre Entwicklungszeit benötigte. „Das war unser bislang aufwendigstes Projekt – mit TÜV, VDE und vielen weiteren Zertifizierungen“, so Andreas Kulke. Die Lösung kombiniert PV-Anlagen mit einem dynamischen Strompreis-Management. Auf Basis von KI-Prognosen der Leipziger Strombörse wird die günstigste Zeit zur Stromaufnahme berechnet. „Das ist nicht nur nachhaltig, sondern auch wirtschaftlich interessant“, betont der Geschäftsführer.

Regional verwurzelt, digital vernetzt

Rund 20 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen – inklusive Auszubildender und externer Entwickler. Produktion, Entwicklung und Vertrieb finden komplett am Standort Beckum statt. „Wir versuchen, so viel wie möglich regional zu beschaffen – sogar unsere Platinen werden in Deutschland bestückt“, sagt Andreas Kulke.
Trotz des Erfolgs bleibt der Fachkräftemangel eine Herausforderung. Um als Arbeitgeber sichtbar zu bleiben, setzt alcona auf Social Media durch eine externe Agentur und gezielte TV-Kampagnen – zum Beispiel zur besten Sendezeit bei Bauer sucht Frau. „So erreichen wir unsere Zielgruppe direkt“, sagt der Geschäftsführer. alcona zeigt, wie sich ein Mittelständler erfolgreich neu aufstellt – mit technischer Kompetenz, einem Gespür für Märkte und einer klaren Vision. „Wir haben drei stabile Geschäftsbereiche. Wenn einer mal schwächelt, tragen die anderen das Unternehmen“, so Andreas Kulke.

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