Wasser schützen, Werte bewahren

Interview mit Sabine Wille, Geschäftsführerin der Abscheidetechnik Wille GmbH und Karoline Eckhoff, Geschäftsführerin der SWW

Wirtschaftsforum: Frau Wille, Ihr Unternehmen ist buchstäblich klein gestartet. Wie erinnern Sie sich an die Anfangszeit?

Sabine Wille: Mein Mann Wolfgang kam eines Tages nach Hause und sagte: „Ich habe mir das überlegt. Wir machen uns selbstständig.“ Unsere Kinder waren damals noch klein, wir lebten in einer Dreieinhalbzimmerwohnung – und ich hielt ihn zunächst für ziemlich verrückt. Aber er hat es gemacht, und das war gut so. Wir starteten mit einem ehemaligen Postauto, so klein, wie es nur ging. Die Schreibmaschine stand im Keller, denn für einen Computer reichte das Geld noch nicht.

Wirtschaftsforum: Wie wurde aus diesem kleinen Anfang ein bundesweit gefragter Spezialbetrieb?

Sabine Wille: Manchmal braucht es neben harter Arbeit auch eine glückliche Fügung. Unser damaliges Auto war schwarzgelb lackiert. Auf der Autobahn fiel es einem Unternehmer auf, weil er BVB-Fan war.

Er fand unsere Telefonnummer und rief uns an. Daraus entstanden zunächst Probebaustellen und schließlich eine Zusammenarbeit, die über 20 Jahre Bestand hatte. Wäre das Auto weiß gewesen, wäre die Geschichte vielleicht anders verlaufen.

Wirtschaftsforum: Welche Haltung hat Sie auf diesem Weg begleitet?

Sabine Wille: Wir arbeiten für unsere Kunden und für die Umwelt – fair, ehrlich und geradlinig. Wir wollen niemandem etwas verkaufen, das er nicht braucht. Unser Grundsatz ist ganz einfach: Wir behandeln andere so, wie wir selbst behandelt werden möchten. Vielleicht verdienen wir dadurch an der einen oder anderen Stelle weniger. Dafür können wir abends in den Spiegel schauen. Dass diese Haltung bekannt ist und geschätzt wird, macht uns stolz.

Wirtschaftsforum: Frau Eckhoff, Sie gehören zur nächsten Generation. War Ihr Weg in das Unternehmen vorgezeichnet?

Karoline Eckhoff: Nicht vollständig, aber im Herzen war mir früh klar, dass ich diesen Weg gehen möchte. Als Kind fand ich spannend, was mein Vater machte. Ich erinnere mich noch daran, wie er einmal aus einem Schacht kam und ich dachte: Das möchte ich später auch machen. Heute bin ich froh, überwiegend oberirdisch zu arbeiten – enge Räume liegen mir weniger. Fachlich habe ich meinen Weg aber sehr bewusst gewählt: über das Fachabitur und eine Ausbildung zur Laborassistentin bis zum Studium der Umwelt-, Energie- und Gebäudetechnik mit Schwerpunkt Abwasser.

Wirtschaftsforum: Eines Ihrer wichtigsten Projekte heißt „Umbau statt Neubau“. Was ist die Idee dahinter?

Karoline Eckhoff: Abscheideranlagen werden teilweise vorschnell für nicht mehr sanierbar erklärt. Dann wird abgerissen, Boden ausgehoben, Beton entsorgt und neu gebaut. Das verursacht hohe Kosten und belastet die Umwelt. Wir schauen genauer hin und fragen: Was können wir erhalten? Mit selbst entwickelten Bauteilen und viel technischer Planung können wir Anlagen vergrößern oder an neue Anforderungen anpassen. So wird aus einem Neubau, der möglicherweise 50.000 EUR oder mehr kostet, unter Umständen ein Umbau für einen Bruchteil der Summe.

Sabine Wille: Dafür waren viel Normenarbeit und, wie wir sagen, eine Menge Hirnschmalz nötig. Aber genau das macht uns aus: Wir geben uns nicht mit der erstbesten Lösung zufrieden.

Wirtschaftsforum: Was entwickeln Sie derzeit weiter?

Karoline Eckhoff: Innovation ist bei uns ein Dauerthema. Wir entwickeln eigene Ersatzteile und testen neue Koaleszenzfiltermaterialien. Entscheidend ist für uns nicht nur, ob etwas unter Laborbedingungen funktioniert, sondern auch, ob es sich im harten Arbeitsalltag bewährt. Auch bei der Digitalisierung gehen wir pragmatisch vor. Unsere Prüfer arbeiten bereits mit Tablets. Bei Sanierungsarbeiten mit Harzen, Masken und ständigem Handschuhwechsel wäre digitale Technik dagegen häufig eher hinderlich. Wir digitalisieren dort, wo es wirklich sinnvoll ist.

Wirtschaftsforum: Bei Ihnen spielt die Familie eine ungewöhnlich große Rolle.

Sabine Wille: Wir stehen Rücken an Rücken, und jeder schaut in eine andere Himmelsrichtung. Mein Mann Wolfgang verantwortet den technischen Bereich, unser Sohn Maximilian die IT, Karoline den Ingenieur- und Sachverständigenbereich und ich kümmere mich um Geschäftsführung, Buchhaltung und Kunden. Aber wir wissen auch jeden Tag: Ohne unser Team sind wir nichts. Unsere Mitarbeitenden denken mit, übernehmen Verantwortung und finden draußen Lösungen, die man am Schreibtisch nicht planen kann. Zum Team gehören übrigens auch unsere Bürohunde Harry und Lotti. Beide sind bei den Mitarbeitenden und vielen langjährigen Geschäftspartnern gleichermaßen beliebt und sorgen im Arbeitsalltag für entspannte Momente.

Wirtschaftsforum: Was motiviert Sie persönlich?

Karoline Eckhoff: Zu sehen, dass unsere Arbeit Wirkung hat. Wir helfen kleinen Betrieben ebenso wie großen Konzernen, ihre Abwasserqualität zu sichern und Mittel für weitere Umweltinvestitionen freizusetzen. Dabei ist für uns jeder Kunde gleich wichtig.

Sabine Wille: Wasser ist Leben – und Wasser ist unser Beruf. Deshalb unterstützen wir auch Wasserprojekte und den Bau von Brunnen. Wir haben in Deutschland eine sehr hohe Wasserqualität. Dazu einen kleinen Beitrag leisten zu dürfen, erfüllt uns mit Dankbarkeit und Stolz.

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