Von der Hageldelle zum Global Player

Interview mit Michael Grebe, Mitglied der Geschäftsleitung der Car Solutions International GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Grebe, wie hat sich Ihr Unternehmen seit der Gründung entwickelt?

Michael Grebe: Wir sind 2013 als klassischer Hagelschaden-Dienstleister für Versicherer, Schadensteuerer und Fahrzeughersteller gestartet – zunächst ausschließlich in Deutschland. Sehr schnell wurde uns jedoch klar, dass wir uns unabhängiger von der Saisonalität der Unwetterschäden aufstellen mussten. Deshalb konzentrierten wir uns verstärkt auf Fahrzeughersteller wie Mercedes-Benz, BMW oder Volkswagen, deren Fahrzeuge auf großen Sammelplätzen weltweit ebenfalls durch Hagel beschädigt werden können.
Die Pandemie hat unsere Entwicklung deutlich geprägt: Internationale Projekte waren plötzlich nicht mehr umsetzbar, weil unsere Teams nicht mehr reisen konnten. Deshalb gründeten wir in mehreren Ländern eigene Gesellschaften, die heute personalintensive Dienstleistungen direkt in den Werken der Hersteller übernehmen.

So verantworten wir beispielsweise von unserem Standort im mexikanischen Puebla aus die komplette Teileversorgung für den amerikanischen Markt. Dort sind innerhalb von drei Jahren rund 400 Arbeitsplätze entstanden. Heute sind wir mit eigenen Gesellschaften in Deutschland, Japan, den USA, Mexiko, den Beneluxstaaten, Australien und Saudi-Arabien sowie Dubai vertreten und haben uns vom reinen Hageldienstleister zu einem ganzheitlichen Partner für die Schadenabwicklung bei Massenschäden entwickelt.

Wirtschaftsforum: Die vergangenen Jahre waren von Krisen geprägt. Wie hat sich das auf Ihr Geschäft ausgewirkt?

Michael Grebe: Sehr stark. Durch den Halbleitermangel infolge der Pandemie ging die Fahrzeugproduktion deutlich zurück – insbesondere bei Kleinwagen, die wir als Ersatzfahrzeuge für unsere Kunden benötigen. Gleichzeitig stiegen die Kosten für Lackmaterialien, Ersatzmobilität und Personal erheblich. Da wir mit Versicherern meist Dreijahresverträge schließen, waren diese Preissteigerungen dort nicht berücksichtigt. Deshalb mussten wir unsere Prozesse durch Digitalisierung und Automatisierung deutlich effizienter gestalten und gleichzeitig eng mit unseren Kunden zusammenarbeiten, um gemeinsam Lösungen für die veränderte Kostensituation zu finden.
Auch der Fachkräftemangel bei Sachverständigen hat unsere Entwicklung begünstigt. Immer mehr Versicherer lagern diese Leistungen vollständig an spezialisierte Partner wie uns aus.

Wirtschaftsforum: Wie groß ist die Car Solutions International heute?

Michael Grebe: International beschäftigen wir innerhalb der CSI-Holding-Gruppe rund 500 festangestellte Mitarbeitende. Hinzu kommen projektbezogen Partner und Subunternehmer. Bei größeren Schadenereignissen können kurzfristig weitere 150 bis 750 Hagelschadenspezialisten zum Einsatz kommen. In Deutschland beschäftigt die Car Solutions International GmbH derzeit knapp 50 Mitarbeitende, nach 80 im Vorjahr. Hintergrund ist, dass die Unwetterereignisse nach dem sehr schadenreichen Jahr 2023 in den vergangenen beiden Jahren deutlich zurückgegangen sind.

Wirtschaftsforum: Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern am Markt?

Michael Grebe: Zum einen unsere Kapazität. Wir sind der einzige Anbieter, der große Schadenvolumen bundesweit vollständig abwickeln kann – von der Einzelbesichtigung über eigene Sammelcenter bis hin zur Reparatur- und Ersatzwagenlogistik einschließlich der kompletten Schadensteuerung.
Zum anderen zeichnet uns unser hoher Digitalisierungsgrad aus. Früher stand ein Sachverständiger mit Zettel und Papier vor dem beschädigten Fahrzeug. Heute fährt der Kunde durch einen Hagelscanner, der den Schaden innerhalb von Sekunden automatisiert erfasst und dieser mithilfe unserer App und KI vorkalkuliert. Dadurch kann sich der Sachverständige im Kundengespräch ganz auf die Beratung konzentrieren. Dieses Verfahren haben wir gemeinsam mit der Allianz als Pilotprojekt entwickelt und inzwischen bundesweit bei allen Versicherern eingeführt. Auch im Backoffice, bei der Rechnungsprüfung und im Controlling setzen wir heute erfolgreich auf KI-gestützte Prozesse. Trotz aller Automatisierung bleibt der Mensch für uns jedoch der entscheidende Erfolgsfaktor – sowohl der geschädigte Kunde als auch der Sachverständige vor Ort.

Wirtschaftsforum: Der Fachkräftemangel ist branchenweit ein Thema. Was schätzen Ihre Mitarbeiter an Ihnen als Arbeitgeber?

Michael Grebe: Vor allem unsere Wertschätzung. Wir leben den Grundsatz „Family First“ und unterstützen unsere Mitarbeitenden unter anderem mit Wellpass, betrieblicher Altersvorsorge sowie – je nach Tätigkeit – mit E-Bike-Leasing oder einem Firmenfahrzeug. Uns ist wichtig, auf die persönliche Situation jedes Einzelnen einzugehen, gerade weil viele unserer Mitarbeitenden weltweit unterwegs sind, während andere ihren Sommerurlaub genießen. Dadurch ist über die Jahre ein starker Zusammenhalt entstanden, der unser Unternehmen bis heute prägt.

Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie das Unternehmen mittel- bis langfristig?

Michael Grebe: Wir wollen unsere Marktposition weiter ausbauen, unser Unternehmen breiter aufstellen und gesundes, planbares Wachstum erzielen. Aktuell expandieren wir insbesondere in Japan, Saudi-Arabien und Dubai, um unsere Abhängigkeit von wetterbedingten Schäden weiter zu reduzieren und unsere Position im Herstellergeschäft auszubauen. Ergänzend schaffen wir mit drei eigenen Lack- und Karosseriebetrieben in Deutschland eine zusätzliche wirtschaftliche Basis.
Am Ende geht es jedoch immer um den Menschen – um den geschädigten Kunden, den Ansprechpartner beim Versicherer und unsere eigenen Mitarbeitenden. Trotz aller Digitalisierung und Automatisierung sind sie der wichtigste Erfolgsfaktor unseres Unternehmens.

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