Spirituosen im Wandel

Interview mit Carola Scivetti, Trade Marketing Manager der Fratelli Francoli S.p.A.

Wirtschaftsforum: Frau Scivetti, die Wurzeln des Unternehmens Fratelli Francoli reichen weit zurück. Welche Bedeutung hat diese Tradition für Ihr heutiges Geschäftsmodell?

Carola Scivetti: Unsere Geschichte beginnt bereits im Jahr 1875, als die Familie Francoli im Piemont begann, sich mit der Destillation von Trester zu beschäftigen. Damals war Grappa vor allem ein regionales Produkt, eng verbunden mit der Weinproduktion der Region. Über Generationen hinweg entwickelte die Familie ihr handwerkliches Wissen weiter und legte damit den Grundstein für das heutige Unternehmen. Mit der Zeit entwickelte sich aus der ursprünglichen Destillerie eine Unternehmensgruppe, die heute mehrere Marken und Produktlinien umfasst und international tätig ist.

Wirtschaftsforum: Welche Produkte stehen aktuell im Mittelpunkt Ihres Portfolios?

Carola Scivetti: Ein zentraler Bestandteil unseres Angebots sind natürlich unsere Grappa-Spezialitäten, die eng mit der italienischen Weintradition verbunden sind. Ein Beispiel dafür ist der Grappa Limousin Invecchiata, der in Limousin-Eichenfässern reift und damit besonders komplexe Aromen entwickelt. Solche gereiften Grappas stehen für unsere handwerkliche Brenntradition und zeigen, wie viel Charakter ein Destillat durch Zeit und Fasslagerung gewinnen kann. Darüber hinaus umfasst unser Portfolio eine Vielzahl von Likören und Spirituosen, die sowohl klassische italienische Genusskultur als auch moderne Trends aufgreifen. Ein weiteres wichtiges Segment ist Limoncello. Gerade auf dem deutschen Markt beobachten wir eine steigende Nachfrage nach Zitronenlikören, die häufig als Aperitif oder als Basis für Cocktails verwendet werden. Mit unserem Millegrazie Limoncello Aperitivo haben wir daher ein Produkt entwickelt, das mit einem Alkoholgehalt von 16% speziell für Spritz-Varianten konzipiert wurde. Unser Ziel ist es, traditionelle italienische Aromen mit modernen Konsumgewohnheiten zu verbinden und damit neue Zielgruppen anzusprechen.

Wirtschaftsforum: Welche Bedeutung haben internationale Märkte für Ihr Unternehmen?

Carola Scivetti: Der Export ist für uns ein zentraler Bestandteil der Unternehmensstrategie. Unsere Produkte sind heute in verschiedenen Ländern präsent, darunter Frankreich, Deutschland, Belgien, Österreich, Neuseeland und China. Gerade Deutschland ist für uns ein wichtiger Markt, in dem wir über einen Vertriebspartner vertreten sind. Internationale Märkte eröffnen uns große Chancen, gleichzeitig stellen sie hohe Anforderungen an Markenführung und Vertrieb.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit in einem traditionellen Spirituosenunternehmen?

Carola Scivetti: Nachhaltigkeit spielt für uns eine sehr wichtige Rolle, gerade weil unsere Arbeit so eng mit landwirtschaftlichen Rohstoffen und der Weinproduktion verbunden ist. Als Destillerie arbeiten wir mit Trester, also einem Nebenprodukt der Weinherstellung, und sehen es als unsere Verantwortung, diese Ressourcen möglichst effizient zu nutzen. Deshalb legen wir großen Wert auf einen schonenden Umgang mit Rohstoffen sowie auf Produktionsprozesse, die Energie und Ressourcen sparen.

Wirtschaftsforum: Bei welchen Gelegenheiten treten Sie mit Kunden und Partnern in Kontakt?

Carola Scivetti: Ein sehr wichtiger Treffpunkt für uns sind internationale Fachmessen und Branchenveranstaltungen, beispielsweise Wine Paris, ProWein in Düsseldorf oder Tirreno C.T. in Carrara. Diese Veranstaltungen sind für uns nicht nur eine Präsentationsplattform für unsere Produkte, sondern auch eine wertvolle Gelegenheit, Trends im Markt frühzeitig zu erkennen und uns mit Händlern, Gastronomen und Vertriebspartnern aus verschiedenen Ländern auszutauschen.

Wirtschaftsforum: Wie entwickelt sich der Spirituosenmarkt aktuell?

Carola Scivetti: Wir beobachten eine zunehmende Nachfrage nach authentischen und hochwertigen Produkten. Konsumenten interessieren sich stärker für Herkunft, Produktionsweise und Qualität. Gleichzeitig wächst der Einfluss der Cocktail- und Bar-Szene, die innovative Anwendungen für klassische Spirituosen entwickelt. Darüber hinaus sehen wir einen klaren Trend zu Getränken mit geringerem Alkoholgehalt oder sogar alkoholfreien Alternativen. Viele Konsumenten achten stärker auf einen bewussten Genuss und möchten zwar weiterhin Aperitif- und Cocktailmomente erleben, dabei aber weniger Alkohol konsumieren. Für uns als Destillerie bedeutet das, unser Portfolio entsprechend weiterzuentwickeln und Produkte anzubieten, die sowohl klassische Spirituosenkultur als auch neue Konsumgewohnheiten widerspiegeln. Gerade im Bereich Aperitifgetränke entstehen dadurch spannende Möglichkeiten, etwa mit leichteren Likören oder Produkten, die sich gut für Spritz-Varianten und moderne Cocktailkonzepte eignen.

Wirtschaftsforum: Welche Ziele hat Fratelli Francoli für die kommenden Jahre?

Carola Scivetti: Unser Ziel ist es, unsere internationale Präsenz weiter auszubauen und gleichzeitig die Werte eines familiengeführten Unternehmens zu bewahren. Wir möchten weiterhin hochwertige Produkte entwickeln, neue Märkte erschließen und unsere Marken weltweit stärker positionieren. Dabei bleibt unsere Philosophie unverändert: Qualität, Authentizität und Innovation miteinander zu verbinden.

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