„Unsere Produkte sind exotisch und hochkomplex!“

Interview mit Dr. Sandro Silverio, Geschäftsführer der GAPI Technische Produkte GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Dr. Silverio, seit vielen Jahren hat sich die GAPI Technische Produkte GmbH auf die Herstellung von Bauteilen aus Torlon spezialisiert – welche Produkte fertigen Sie daraus? 

Dr. Sandro Silverio: Grundsätzlich treten wir als Komponentenhersteller auf Basis von Hochleistungskunststoffen wie Polyamidimid auf, das unter dem Markennamen Torlon® bekannt ist. Im Kern engagieren wir uns dabei in drei Produktbereichen und fertigen Dichtungsringe, Lager und Anlaufscheiben. Im Hinblick auf die Materialien und das Design sind unsere Produkte recht exotisch – in der damit einhergehenden Komplexität liegt auch ein wichtiger Wettbewerbsvorteil unseres Unternehmens. 

Wirtschaftsforum: Worin liegen dabei die zentralen technischen Herausforderungen? 

Dr. Sandro Silverio: Diese Materialien im Rahmen von Spritzgussprozessen zu verarbeiten, ist unheimlich schwierig: Dazu muss man das Material mit deutlich über 2.000 bar in die entsprechenden Werkzeuge spritzen – hierfür setzen wir speziell entwickelte Maschinen ein, die diesen Anforderungen standhalten, und betreiben auch unseren eigenen Werkzeugbau. Schon bevor man das Granulat überhaupt einspritzen kann, muss es mühevoll gesondert aufbereitet werden, wozu ein sehr spezifisches Know-how erforderlich ist. Nach dem Einspritzen müssen die Teile dann getempert werden und gehen dabei vom thermoplastischen in einen duroplastischen Zustand über. Diesen Aufwand sieht man den Produkten am Ende nicht unbedingt an – doch er ist beträchtlich, wie auch unsere Kunden wissen.

Wirtschaftsforum: In welchen Segmenten kommen Ihre Produkte schließlich zum Einsatz? 

Dr. Sandro Silverio: Grundsätzlich überall dort, wo hohe Temperaturen herrschen und hohe Kräfte ausgeübt werden – beispielsweise in Getrieben von Kraftfahrzeugen, sodass wir stark an die Automobilindustrie angebunden sind. Unsere Materialien werden zudem immer stärker als mögliche Alternative für PTFE (Polytetrafluorethylen, oft bekannt unter dem Markennamen Teflon®) sowie für Anwendungsfelder angesehen, in denen bisher PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) enthaltende Produktlösungen zum Einsatz kommen, die man aus der Produktion immer weiter zurückdrängen möchte: Das ist natürlich vielfach politisch motiviert, und ein völliges PFAS-Verbot halte ich weder für geboten noch für umsetzbar – das wäre weitgehend gleichbedeutend mit der völligen Deindustrialisierung Europas. Trotzdem sehen wir in diesem Segment, soweit auf PFAS-haltige Produktlösungen tatsächlich verzichtet werden kann, attraktive Wachstumschancen für unsere Produkte. 

Wirtschaftsforum: Welche Marktpositionierung strebt Ihr Unternehmen dabei an? 

Dr. Sandro Silverio: Als relativ kleines Familienunternehmen mit circa 75 Mitarbeitern gehören wir der GAPI-Gruppe an, die insgesamt etwa 800 Menschen beschäftigt. Eine wichtige Besonderheit im Hinblick auf unseren Auftritt im Markt liegt wahrscheinlich in dem Vertrauen, das große Fahrzeug-OEMs und ebenso bekannte europäische wie amerikanische Tier-1-Zulieferer, die wir mit unseren Produktlösungen direkt beliefern, in uns setzen. Wir haben insgesamt nur wenige Kunden, doch diese erhalten von uns hoch spezialisierte und komplexe Produkte. Eine ausnahmslos hohe Qualität und unbedingte Zuverlässigkeit sind für uns dabei natürlich selbstverständlich. 

Wirtschaftsforum: Welche Wachstumsmöglichkeiten sehen Sie vor diesem Hintergrund für die Zukunft? 

Dr. Sandro Silverio: Unser Ziel ist es, unsere Materialien noch in anderen Bereichen einzusetzen, wo eine hohe Temperaturbeständigkeit benötigt wird: etwa bei Thermoanwendungen, die immer mehr an Bedeutung gewinnen, oder im Kontext der Batterieherstellung. Gerade in der Militärtechnik und bei landwirtschaftlichen Anlagen sehen wir deshalb interessante Marktchancen, wo wir als Spezialist für Komponenten aus Hochleistungswerkstoffen auftreten wollen: Denn vieles, was man dort derzeit mit Zusatzstoffen zu erreichen versucht, ließe sich mit unseren Materialien wahrscheinlich zielgerichteter umsetzen. 

Wirtschaftsforum: Wie blicken Sie derweil auf die aktuelle Marktlage? 

Dr. Sandro Silverio: Wir haben vor vier Jahren eine Strategie erarbeitet, die wir seitdem konsequent umsetzen. Dabei haben wir vielfältige Entwicklungen wahrscheinlich etwas anders bewertet als manche Großkonzerne oder andere Marktteilnehmer – so gingen wir schon damals davon aus, dass sich die Elektrifizierung wahrscheinlich deutlich langsamer vollziehen würde, als damals vielfach geplant war. So ist es dann auch gekommen. 

Wirtschaftsforum: Woher stammte diese Weitsicht? 

Dr. Sandro Silverio: Wir sehen uns die Zahlen und Fakten sehr genau an und handeln auf deren Basis anschließend streng rational und eben nicht ideologisch. Wahrscheinlich sind wir gerade dank diesem nüchternen Blick heute sehr erfolgreich und können mit Optimismus in die Zukunft gehen – trotz aller Unsicherheiten, die im Markt bestehen, auf die wir jedoch im Zweifel flexibel reagieren können.

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