„Wir gestalten Gärten mit Charakter“

Interview mit Michael Grimm, Geschäftsführer der GRIMM garten gestalten GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Grimm, Ihr Unternehmen blickt auf eine beachtliche Geschichte zurück. Wie hat alles begonnen?

Michael Grimm: Gegründet haben mein Bruder und ich die Firma 1983 – damals noch mit einem breiten Fokus, sowohl auf Privatkunden als auch Bauträger. Bereits wenige Jahre später stellten wir den ersten Mitarbeiter ein. 1992 ergab sich dann die Chance, das Unternehmen zu übernehmen, in dem wir beide ausgebildet worden waren. Ab diesem Zeitpunkt konzentrierten wir uns vollständig auf den Privatkundenbereich – eine Entscheidung, die bis heute die Grundlage unseres Erfolgs bildet.

Wirtschaftsforum: Was war in Ihrer Entwicklung ein besonders prägender Schritt?

Michael Grimm: Bereits Anfang der 1990er-Jahre waren wir unter den Ersten, die im Garten- und Landschaftsbau CAD-Zeichnungen einsetzten – inklusive großformatiger Plottertechnik. Das war damals revolutionär. Heute arbeiten wir hybrid: Während Grundrisse weiterhin mit CAD entstehen, setzen wir bei Ansichten bewusst auf Freihandzeichnungen. Diese transportieren Emotionen – und genau darum geht es in der Gartengestaltung. Kunden entscheiden oft über ein Projekt, wenn sie sich in einer Zeichnung wiederfinden.

Wirtschaftsforum: Sie sind auch über Deutschland hinaus bekannt. Wie kam es zur Gründung in der Schweiz?

Michael Grimm: Unser Standort liegt nur 2 km von der Grenze entfernt. Um unser Wirkungsgebiet zu vergrößern, gründeten wir 2006 ein eigenständiges Unternehmen in Frauenfeld. Dort sind heute neun Mitarbeiter tätig – mit derselben Philosophie und Fokus auf den Privatkundenmarkt. Viele Prozesse wie Marketing oder Website werden zentral von Deutschland aus gesteuert, aber vor Ort agieren wir eigenständig und rechtskonform nach Schweizer Standards.

Wirtschaftsforum: Was unterscheidet GRIMM von anderen Landschafts- und Gartenbaubetrieben?

Michael Grimm: Neben der Planung und dem Bau von Gärten und Pools haben wir ein besonderes Augenmerk auf die Pflanze gelegt. Seit über zehn Jahren bieten wir die Ausbildung zum zertifizierten Pflanzengestalter an. Ziel ist, die emotionale Wirkung von Pflanzen gezielt einzusetzen – für ganzjährige Blühbilder und stimmige Pflanzensoziologie. Ein Quadratmeter kann bei uns aus bis zu fünf verschiedenen Stauden bestehen, die sich optimal ergänzen. Dieses Wissen hebt uns klar vom Wettbewerb ab.

Wirtschaftsforum: Sie setzen also auch stark auf Weiterbildung?

Michael Grimm: Absolut. Unsere Mitarbeiter nehmen an einer zweijährigen Fortbildung teil – mit acht Modulen und abschließender Projektarbeit. Die Ausbildung haben wir gemeinsam mit einem emeritierten Professor entwickelt. Vier unserer Mitarbeiter haben sie bereits absolviert. Unser Ziel ist es, dieses Know-how an die nächste Generation weiterzugeben. Wer heute schon an Morgen denkt, sorgt dafür, dass die Qualität bleibt, auch wenn erfahrene Kräfte in Rente gehen.

Wirtschaftsforum: Wie gehen Sie mit dem Thema Fachkräftemangel um?

Michael Grimm: Im Gegensatz zu vielen anderen Betrieben haben wir derzeit keine Nachwuchssorgen – im Gegenteil. Durch unseren Ruf in der Branche erhalten wir gezielt Initiativbewerbungen, sogar von Meistern. Unsere Arbeit spricht sich herum. Jüngstes Beispiel: Ein ehemaliger Mitarbeiter im Baustoffhandel kam auf uns zu, weil er Teil unseres Teams sein wollte – jetzt ist er Bauleiter. Wir versuchen, unsere Werte zu leben: Bodenständigkeit, Qualität, Individualität.

Wirtschaftsforum: Pflege ist ein wachsender Markt für Ihr Unternehmen – sowohl im Privatgarten als auch im kommunalen Bereich. Wie sind Sie hier aufgestellt?

Michael Grimm: Aktuell betreuen wir rund 300 Gärten regelmäßig – nicht nur mit klassischen Tätigkeiten wie Rasenmähen oder Heckenschnitt, sondern durch gezielte Eingriffe zur Blütenverlängerung, Staudenpflege und saisonalen Steuerung. Dabei arbeiten wir eng mit unseren Kunden zusammen – von punktueller Unterstützung bis hin zur Vollpflege. Ergänzend dazu übernehmen wir auch die professionelle Baumpflege und -kontrolle für Kommunen. Gerade in Zeiten des Klimawandels ist fundiertes Wissen über Standortanforderungen und Artenwahl essenziell – ein Bereich, in dem wir gezielt unsere Fachkompetenz einbringen.

Wirtschaftsforum: Und wie sieht Ihre Vision für die Zukunft aus?

Michael Grimm: Ich bin davon überzeugt, dass Kooperation der Schlüssel ist. Kleine Betriebe können sich bestimmte Strukturen wie Buchhaltung oder Marketing nicht mehr allein leisten. Eine Zusammenarbeit im Hintergrund – etwa mit anderen Gartenbaubetrieben oder auch Handwerks­partnern aus Elektro und Sanitär – wäre sinnvoll. Außen bleiben die Unternehmen unabhängig, intern teilen sie Ressourcen. Zudem möchten wir unsere Vorreiterrolle im Bereich nachhaltiger und biodiverser Gartengestaltung weiter ausbauen – mit echter Pflanzenkenntnis, nicht nur mit schönen Worten.

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