Förderung als Motor für Wachstum und Zukunft in Niedersachsen

Interview mit Michael Kiesewetter, Vorstandsvorsitzender der Investitions- und Förderbank Niedersachsen (NBank)

Wirtschaftsforum: Herr Kiesewetter, wie hat sich die NBank zu ihrer heutigen Bedeutung in der niedersächsischen Förderlandschaft entwickelt?

Michael Kiesewetter: Wir sind 2004 als reine Wirtschaftsförderbank gestartet und wurden 2008 in eine Anstalt öffentlichen Rechts überführt. Seitdem hat sich die NBank zu einem umfassenden Förderinstitut entwickelt: Wir unterstützen Unternehmen, Kommunen, Privatpersonen und Institutionen – mit Zuschüssen, Bürgschaften, Darlehen und Beteiligungskapital. Heute beschäftigen wir über rund 720 Mitarbeitende, verwalten eine Bilanzsumme von 6,7 Milliarden EUR und bewegen jährlich rund 1,7 Milliarden EUR an Fördervolumen. Die vergangenen Jahre waren dabei von Krisen geprägt. Statt nur Impulse für Wachstum und Innovation zu setzen, mussten wir schnell und wirksam helfen: in der Coronapandemie, während der Energiekrise, nach dem Angriff auf die Ukraine und bei mehreren Hochwasserereignissen. Diese Ausnahmesituationen haben uns belastbar gemacht und gezeigt, welche Kraft eine Förderbank entwickeln kann, wenn sie gebraucht wird.

Wirtschaftsforum: Wo liegen heute die Förderschwerpunkte der NBank?

Michael Kiesewetter: Unsere Schwerpunkte liegen in Digitalisierung, Energieeffizienz, nachhaltiger Infrastruktur und bezahlbarem Wohnraum. Über die Hälfte der Menschen in Niedersachsen hat Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein. Wir fördern daher gezielt Projekte, die die Mitte der Gesellschaft entlasten. Stark gewachsen ist auch die kommunale Infrastruktur mit rund 400 Millionen EUR Neugeschäft jährlich – von Schulen über Rathäuser bis zu Feuerwehrhäusern. Ebenso wichtig ist die Qualifizierung: Mit Programmen wie dem Aufstiegs-BAföG und Weiterbildungsförderungen bereiten wir Menschen auf die Arbeitswelt von morgen vor. Start-ups begleiten wir von der Idee bis zur Wachstumsphase – mit Gründungsstipendien, Hightech-Inkubatoren und über unsere Beteiligungsgesellschaft NBank Capital, die Eigenkapital bereitstellt.

Wirtschaftsforum: Viele Unternehmer empfinden den Weg zur Förderung als kompliziert.

Michael Kiesewetter: Das ist nachvollziehbar. Der Förder­dschungel ist real – allein bei uns gibt es über 100 Programme, dazu kommen die von Bund und EU. Wir arbeiten mit Beratungsstellen im ganzen Land, mit Kammern und Wirtschaftsförderern zusammen und bieten online einen Förderfinder für erste Orientierung. Auch regional sind wir mit Büros vertreten – nah an den Menschen und Unternehmen im Land. Bürokratie bleibt dennoch eine Herausforderung: Die Auflagen stammen aus EU- oder Bundesvorgaben, wir versuchen sie so verständlich und praktikabel wie möglich zu gestalten.

Wirtschaftsforum: Niedersachsen steht vor großen strukturellen Veränderungen – welche Rolle spielt die NBank dabei?

Michael Kiesewetter: Wir verstehen uns als Scharnier zwischen Wirtschaft und Politik. Wir hören zu, wo Herausforderungen liegen, und übersetzen politische Ziele in wirksame Förderinstrumente. Entscheidend für die kommenden Jahre sind unsere drei Ds: Dekarbonisierung, Demografie und Digitalisierung. Die damit verbundene Transformation verlangt enorme Investitionen, die wir mit intelligenten Finanzierungsmodellen begleiten wollen. Statt reiner Zuschüsse setzen wir stärker auf Darlehen, um öffentliche Mittel zu hebeln und nachhaltiger einzusetzen. Eine geplante Eigenkapitalerhöhung soll unsere Wirkung zusätzlich stärken. Niedersachsen braucht eine leistungsfähige, wettbewerbsneutrale Förderbank, die Energiewende, Mobilitätswende und Digitalisierung finanziell unterstützt – und dabei eng mit den Hausbanken vor Ort zusammenarbeitet.

Wirtschaftsforum: Wie schätzen Sie die wirtschaftliche Perspektive für Niedersachsen ein?

Michael Kiesewetter: Konjunkturell sind wir aktuell in einer schwierigen Phase, aber ich sehe eine Bodenbildung. Die Zukunft entscheidet sich weniger in Konjunkturzyklen als in der Frage, wie gut wir die Transformation meistern. Niedersachsen hat große Chancen – mit seiner industriellen Basis, der Forschungslandschaft und seiner Innovationskraft. Wichtig ist, dass wir Bürokratie abbauen, Prozesse vereinfachen und uns stärker europäisch vernetzen. Dann können wir Wachstum, Nachhaltigkeit und Lebensqualität in Einklang bringen.

Wirtschaftsforum: Was motiviert Sie persönlich, diese Themen so engagiert voranzutreiben?

Michael Kiesewetter: Ganz einfach: Wir sehen täglich, dass unsere Arbeit etwas bewirkt. Wenn ein junges Unternehmen durch unsere Förderung wachsen kann, wenn eine Familie bezahlbaren Wohnraum findet oder ein Handwerksbetrieb eine Krise übersteht – dann wissen wir, dass unsere Arbeit Sinn hat. Wir müssen keine Eigenkapitalrendite maximieren, sondern können echten gesellschaftlichen Mehrwert schaffen. Das treibt mich und mein Team an – wir fördern Niedersachsen, und das mit Überzeugung.

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