Umweltdaten aus der Tiefsee

Interview mit Onno Bliss, Geschäftsführer der K.U.M. Umwelt- und Meerestechnik Kiel GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Bliss, Ihr Unternehmen tritt als Spezialist für besondere Tiefen im Markt auf – denn Ihre Produkte kommen vornehmlich am Meeresgrund zum Einsatz. 

Onno Bliss: Unter dem Stichwort Oceaneering beschäftigen wir uns mit Ingenieurdienstleistungen, mit denen ozeanografische Sensoren offshore-tauglich gemacht werden. Wir stellen damit ein breites Spek-trum an Geräten zur Datenerhebung unter Wasser her, die bisher primär von wissenschaftlichen Instituten aus der Klima- oder Erdbebenforschung genutzt werden. 

Wirtschaftsforum: Wie funktioniert das genau? 

Onno Bliss: Unsere Devices werden mit dem Schiff am Zielort ausgebracht und zeichnen dort dann etwa zwei Jahre lang Daten auf. Danach können sie mithilfe eines akustischen Signals angepingt werden und tauchen da-raufhin wieder an die Oberfläche auf, wo sie schließlich geborgen werden. Diese Geräteträger können dabei mit verschiedensten Sensoriken bestückt werden, um eine Vielzahl von Daten zur Temperatur- und Strömungsmessung und zahlreiche weitere Kennzahlen in der Tiefsee zu erfassen. KUM verfügt über etliche Systeme zur Datenerhebung unter Wasser. Diese reichen von biologischen Probennehmern bis hin zu geophysikalischen Sensoren.

Wirtschaftsforum: Neben wissenschaftlichen Instituten richten Sie sich mit Ihrem Produktportfolio inzwischen auch verstärkt an Kunden aus der freien Wirtschaft – welche Wachstumssegmente haben Sie dabei genau im Blick? 

Onno Bliss: Ein wichtiges Anwendungsfeld sehen wir im Bereich Carbon Capture and Storage (CCS). Dabei wird CO2 in bestehende geologische Reservoirs gepresst, aus denen vormals Rohstoffe abgebaut worden waren. Dieser Vorgang muss natürlich feingliedrig überwacht werden, um mögliche Gefahrenquellen genau zu verstehen und im Zweifel schnell auf damit in Verbindung stehende Veränderungen der Ökosysteme reagieren zu können. In diesem diffizilen Environmental Monitoring liegt eine gewachsene Kernkompetenz unseres Unternehmens, die wir nun gerne auch in diesem Bereich einbringen. Darüber hinaus sehen wir im Infrastructure Security Monitoring ein wichtiges Anwendungsfeld für unser Oceaneering-Know-how, in dessen Rahmen unsere Geräte zur Überwachung kritischer Infrastruktur am Meeresboden, etwa von Pipelines oder Telekommunikationskabeln, eingesetzt werden können. 

Wirtschaftsforum: Mit welchen technologischen Innovationen beschäftigen Sie sich gerade? 

Onno Bliss: Derzeit entwickeln wir ein neues modulares Ocean-Bottom-Seismometer-System, das wir weitgehend spezifisch auf den Carbon-Capture-and-Storage-Markt ausrichten. Dabei handelt es sich um modular aufgebaute autonome Komponenten, die über drei Jahre hinweg selbstständig geophysikalische Daten aufzeichnen können: Diese Daten können dann entweder über akustische Modems an Bojen gesendet oder optisch ausgelesen werden, indem ein Unterwasserfahrzeug die entsprechenden Nodes voll automatisiert anfährt. Somit entfällt die kostspielige Bergung des entsprechenden Sensors. Sofern für das konkrete Einsatzfeld erforderlich, ist sogar ein Echtzeit-Monitoring möglich, indem über ein Unterseekabel periodisch Datenpakete zur Boje oder an Land gesendet werden, sodass keine Verzögerung zwischen der Aufzeichnung und der Verarbeitung der Daten mehr besteht. Durch den modularen Aufbau dieses Systems ist zudem eine größtmögliche Flexibilität bei seiner spezifischen Ausgestaltung gegeben. 

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt die KI inzwischen für Sie und Ihre Kunden? 

Onno Bliss: Ohne die künstliche Intelligenz könnten derart riesige Datenmengen überhaupt nicht verarbeitet werden. Deswegen haben sämtliche Anbieter, die mit diesen Daten im geophysikalischen Bereich arbeiten, auch entsprechende Cloud-Systeme entwickelt, um den enormen Informationsbestand von überall aus managen zu können – auch wir setzen an dieser Stelle auf schlagkräftige Partner. In unseren eigenen Lösungen setzen wir natürlich ebenfalls KI ein, insbesondere, um bereits unter Wasser gewisse Daten vorzufiltern, damit überhaupt nicht so große Datenmengen entstehen. So wollen wir eine schnellere und leichtere Verarbeitung ermöglichen. 

Wirtschaftsforum: Welche weitere Unternehmensentwicklung streben Sie für die nächsten Jahre an? 

Onno Bliss: Während unser Kerngeschäft bisher einen stark institutionellen Kundenstamm hat, können wir zunehmend Kunden aus der freien Wirtschaft erhalten. Trotzdem möchten wir mit unserem Monitoring-Measurement-and-Verification-Ansatz auch in weiteren Segmenten wachsen und konnten kürzlich unseren ersten Auftraggeber aus dem Carbon-Capture-and-Storage-Bereich gewinnen. Weitere Industriekunden sollen folgen. Um ebenso auch unsere technologische Weiterentwicklung mit gebührendem Nachdruck zu betreiben, sind wir derzeit auf der Suche nach Investoren, um mit den entsprechenden Mitteln unser F&E-Team zu vergrößern. Dabei bauen wir auf einem stabilen Geschäftsmodell in etablierten Märkten auf, um gleichzeitig agil wie ein Start-up-Unternehmen in die Zukunft zu gehen.

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