Jenseits der Blackbox: eine offene Plattform für digitale Aufklärung

Interview mit Lukas von Grebmer, Vice President Marketing and Growth der Maltego Technologies GmbH

Wirtschaftsforum: Herr von Grebmer, was ist die Kernkompetenz von Maltego und wie hat sich das Unternehmen entwickelt?

Lukas von Grebmer: Unsere Stärke liegt darin, komplexe Zusammenhänge in digitalen Datenlagen sichtbar zu machen – schnell, intuitiv und nachvollziehbar. Was einst als Tool für technische Sicherheitsprüfungen begann, hat sich zu einer Plattform entwickelt, die heute von tausenden führenden Organisationen genutzt wird, um fundierte Entscheidungen zu treffen – sei es in Behörden, Medien oder Wirtschaft.

Wirtschaftsforum: Wie sieht die Verbindung zwischen physischer und digitaler Sicherheit aus?

Lukas von Grebmer: Grenzen verschwimmen. Digitale Ereignisse haben heute reale Auswirkungen und umgekehrt. Zum Beispiel kann Hetze auf sozialen Medien in physische Gewalt münden. Unsere Plattform

unterstützt Entscheidungsträger dabei, Risiken frühzeitig zu erkennen, Kontexte zu verstehen und so präventiv zu handeln. Das gilt für den öffentlichen Raum genauso wie für den Schutz wirtschaftlicher Interessen.

Wirtschaftsforum: Wie nutzen Sie Technologien, um diese Gefahren zu identifizieren?

Lukas von Grebmer: Wir verfolgen einen europäisch geprägten Ansatz, der technologische Leistungsfähigkeit mit klaren ethischen Leitplanken verbindet. Dabei geht es nicht darum, alles technisch Mögliche umzusetzen, sondern darum, das Sinnvolle mit dem Notwendigen zu verbinden. Unser Ziel: Erkenntnisgewinn ohne Kontrollverlust, mit klarer Datenherkunft und Compliance.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt die Öffentlichkeit in Ihrer Arbeit?

Lukas von Grebmer: Transparenz ist der Kern dessen, was wir tun – denn für OSINT sind öffentlich zugängliche Informationen grundlegend. Damit ermöglicht Maltego es, digitale Spuren sichtbar zu machen und komplexe Zusammenhänge zu analysieren. So unterstützen wir auch investigative Recherchen – etwa von Bellingcat, das mit offenen Quellen weltweit Kriegsverbrechen, Menschenrechtsverletzungen und andere Missstände dokumentiert. Bellingcat wird von uns pro bono mit unserer Technologie unterstützt.

Wirtschaftsforum: Wie wichtig ist Vertrauen in der digitalen Welt?

Lukas von Grebmer: Vertrauen ist die Währung unserer Zeit. Ohne sie zerfällt gesellschaftlicher Zusammenhalt. Wir wollen dazu beitragen, dass Informationen nicht spalten, sondern Klarheit schaffen – ob in Ermittlungen, Berichterstattung oder Unternehmensentscheidungen.

Wirtschaftsforum: Welche He-rausforderungen sehen Sie in der Zukunft der digitalen Sicherheit?

Lukas von Grebmer: Technologie entwickelt sich rasant. Doch Geschwindigkeit ist nicht alles. Entscheidend ist die Fähigkeit, mit neuen Werkzeugen verantwortungsvoll umzugehen. Genau hier sehen wir unsere Aufgabe: Digitale Aufklärung zugänglich zu machen für diejenigen, die Verantwortung tragen.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt KI in Ihrer Strategie?

Lukas von Grebmer: Künstliche Intelligenz ist ein wichtiges Hilfsmittel, aber kein Selbstzweck. Wir setzen KI dort ein, wo sie den Menschen unterstützt, nicht ersetzt. Immer mit dem Ziel, Zusammenhänge schneller zu erkennen und Entscheidungen besser abzusichern.

Wirtschaftsforum: Gibt es neue Produkte oder Funktionen, die Maltego in naher Zukunft plant?

Lukas von Grebmer: Künstliche Intelligenz, Echtzeitdaten, modulare Plattformarchitektur, Maltego investiert kontinuierlich in zukunftsweisende Technologien. Dabei bleibt unser Anspruch klar: Komplexität reduzieren, Analyse beschleunigen und Vertrauen schaffen, in einem Umfeld, das täglich neue Fragen aufwirft.

Wirtschaftsforum: Was zeichnet Maltego im Vergleich zu anderen Anbietern aus?

Lukas von Grebmer: Unsere Plattform ist bereits heute modular aufgebaut und bewusst offen gestaltet. Das unterscheidet uns fundamental von vielen Mitbewerbern. Unsere Nutzer können eigene Datenquellen einbinden, individuelle Analyseprozesse gestalten und so flexibel auf sich wandelnde Anforderungen reagieren. Das ist keine geschlossene Blackbox, sondern ein Werkzeug, das sich anpassen lässt, für selbstbestimmtes Arbeiten und maximale Wirksamkeit. Eine grundlegende Version dieser Plattform bieten wir frei zugänglich als ‘Community Edition’ an, die von hunderttausenden Benutzern verwendet wird. Man merkt uns unsere Wurzeln an, in unseren Werten wie in unserer Haltung. Während viele Plattformen auf maximale Datensammlung setzen, steht bei uns die Analyse der relevanten Daten im Fokus. Wir wollen nicht alles wissen, wir wollen das Wesentliche sichtbar machen.

Wirtschaftsforum: Wie sieht die Zukunft von Maltego aus?

Lukas von Grebmer: Unsere Vision ist es, Maltego als das ­‘Betriebssystem’ für digitale Aufklärung zu etablieren, als Infrastruktur, auf der Organisationen ihre Aufklärungsarbeit aufbauen können. Dabei geht es nicht nur um Technologie, sondern auch um Souveränität: Wer die Zusammenhänge verstehen will, muss nicht von einzelnen Datenquellen oder abgeschlossenen Systemen abhängen. Mit Maltego schaffen wir eine offene, integrierbare Plattform, die mitwächst, sich anpasst und den Menschen als Entscheidungsträger in den Mittelpunkt stellt.

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