„Der letzte Rendite-Euro interessiert uns nicht“

Interview mit John Frederik Dresselmann, Geschäftsführer der Reinhold Pohl GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Dresselmann, die Reinhold Pohl GmbH blickt auf eine lange Geschichte zurück. Wie begann alles?

John Frederik Dresselmann: Die Wurzeln reichen bis 1963 zurück. Mein Großvater Reinhold Pohl kam nach dem Krieg aus Ostpreußen ins Ruhrgebiet. Gemeinsam mit seinem Bruder machte er sich selbstständig. Beide waren handwerklich begabt und fanden ihren Weg in eine damals sehr spezielle Nische: Schornsteinsanierung und Schornsteinabbruch. Im Ruhrgebiet rauchten damals noch überall die Schlote. Daraus entstand die Grundlage unseres heutigen Unternehmens.

Wirtschaftsforum: Wie entwickelte sich das Unternehmen weiter?

John Frederik Dresselmann: Mein Vater brachte später eine starke kaufmännische Komponente ein. Er erkannte früh, dass man mehr sein muss als ein Subunternehmer. Besonders prägend war die Entwicklung einer patentierten Abbruchbühne, mit der schweres Gerät in große Höhen gebracht werden konnte. Das verschaffte uns damals einen enormen Wettbewerbsvorteil. Gleichzeitig entstand daraus die Grundlage für die heutige Unternehmensgruppe.

Wirtschaftsforum: Was bietet die Reinhold Pohl GmbH heute ihren Kunden?

John Frederik Dresselmann: Der Markt hat sich stark verändert. Früher spielte der Abbruch eine große Rolle. Heute machen Instandhaltungsarbeiten mehr als 90% unseres Geschäfts aus. Wir sanieren Mauerwerk und Stahlbeton, führen Bautenschutzmaßnahmen durch, erneuern Beschichtungen und sorgen dafür, dass industrielle Schornsteine möglichst lange erhalten bleiben. Der Fokus liegt ganz klar auf dem Substanzerhalt.

Wirtschaftsforum: Wer sind Ihre Kunden?

John Frederik Dresselmann: Ausschließlich Industriebetriebe. Unsere Kunden kommen vor allem aus der Stahl-, Energie- und Chemieindustrie. Wir sind bundesweit tätig und arbeiten zudem intensiv in den Niederlanden. Dort erzielen wir inzwischen mehr als 60% unseres Geschäfts. Das liegt auch daran, dass es dort keinen vergleichbaren Spezialbetrieb gibt.

Wirtschaftsforum: Was schätzen Ihre Kunden besonders?

John Frederik Dresselmann: Langfristigkeit. Wir sind ein Familienunternehmen in der 3. Generation und denken nicht in Quartalen. Der letzte Rendite-Euro interessiert uns nicht. Uns geht es darum, über Jahrzehnte vertrauensvolle Beziehungen aufzubauen. Viele Kunden begleiten uns bereits seit der Zeit meines Großvaters. Dazu kommen transparente Preise und ein sehr hoher Qualitätsanspruch. Wir haben beispielsweise Beschichtungen im Einsatz, die nach 21 Jahren noch funktionieren.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielen Digitalisierung und Innovation?

John Frederik Dresselmann: Eine größere, als man vielleicht vermuten würde. Wir arbeiten weitgehend papierlos, nutzen eigene digitale Lösungen und setzen inzwischen modernste Vermessungsdrohnen ein. Dadurch erhalten wir präzise 3-D-Modelle von Bauwerken und können Schäden deutlich genauer erfassen. Das verbessert die Qualität unserer Arbeit erheblich.

Wirtschaftsforum: Nachhaltigkeit ist heute ein viel diskutiertes Thema. Wie verstehen Sie diesen Begriff?

John Frederik Dresselmann: Für mich hat Nachhaltigkeit drei Dimensionen: die ökologische, die ökonomische und die soziale. Oft wird nur über Umweltaspekte gesprochen. Wir legen großen Wert auf langfristige Arbeitsplätze, auf Weiterbildung und auf stabile Partnerschaften mit Kunden und Lieferanten. Gleichzeitig verwenden wir Materialien und Systeme mit möglichst langen Lebenszyklen. Nachhaltigkeit bedeutet für mich, Ressourcen in jeder Hinsicht verantwortungsvoll einzusetzen.

Wirtschaftsforum: Sie haben im Gespräch auch Ihre Tochtergesellschaft IMG erwähnt.

John Frederik Dresselmann: Ja, darauf bin ich besonders stolz. Die IMG hat sich in den vergangenen Jahren stark entwickelt und investiert in moderne Lasertechnologie zur Oberflächenreinigung. Damit reduzieren wir die entstehenden Abfallstoffe um rund 95% gegenüber herkömmlichen Verfahren. Gleichzeitig werden die Belastungen für die Mitarbeiter deutlich geringer. Das ist für mich ein sehr gutes Beispiel dafür, wie Innovation und Nachhaltigkeit zusammenwirken können.

Wirtschaftsforum: Welche Ziele haben Sie für die kommenden Jahre?

John Frederik Dresselmann: Wir möchten unsere Präsenz in Deutschland weiter ausbauen und insbesondere im Osten und Süden stärker vertreten sein. Außerdem wollen wir technische Lösungen entwickeln, die unsere Mitarbeiter entlasten und Prozesse effizienter machen. Und ganz persönlich wünsche ich mir natürlich, dass die nächste Generation ebenfalls Freude daran hat, diese besondere Unternehmensgeschichte weiterzuführen.

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