Glasfaser für eine starke Region Brandenburg

Interview mit Dipl.-Wirtsch.-Ing. Stefan Tiemann, Geschäftsführer RFT babel Brandenburg GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Tiemann, Sie agieren mit RFT in einem sehr dynamischen Markt, sind aber gleichzeitig von politischen Rahmenbedingungen abhängig. Wie vereinbaren Sie das?

Stefan Tiemann: In der Telekommunikationsbranche sind zwölf Monate das, was in anderen Branchen fünf bis zehn Jahre sind. In unserer Branche, als Netzbetreiber oder Netzrichter speziell, kommt noch hinzu, dass die Glasfaser ein Medium ist, das klare Zukunftsinvestitionen bedeutet. Wenn wir heute den Boden aufreißen, investieren wir damit für die nächsten 10, 15 oder 20 Jahre. Denn: Die Technik kann man immer wieder austauschen, aber die Infrastruktur lässt sich nicht so leicht ersetzen.

Wirtschaftsforum: Es finden doch ständig Infrastrukturarbeiten statt. Gibt es hier keine innovativen Alternativen, zum Beispiel neue Verlegetechnologien?

Stefan Tiemann: Was die Verlegetechnik angeht, arbeitet man seit einigen Jahren mit dem sogenannten gesteuerten Vortrieb. Dann kann man verlegen, ohne die Oberfläche zu öffnen. Aber man muss gut überlegen, wo man das einsetzt. Wenn zum Beispiel große Gasleitungen liegen, wird kein Tiefbauer mit gesteuertem Vortrieb arbeiten. Dann muss man auf die offene Bauweise zurückgehen. Über die Beteiligten in der Politik ist es aber zudem auch nicht möglich, zu koordinieren, wer wann welche Straßen aufmacht, sodass man abgestimmt Maßnahmen planen und umsetzen kann. Hier muss die Politik eine Plattform schaffen und die Koordinierung dieser Baustellen vorantreiben. Was alternative Verlegemethoden angeht, haben wir die Möglichkeit mit dem Digi-Netz Gesetz, oberirdisch zu verlegen. Damit kommt man schneller zu den Haushalten, aber im innerstädtischen Bereich wird keine Behörde entsprechende Masten erlauben, das ist eher im suburbanen oder ländlichen Bereich möglich. Wir bei RFT haben uns für einen radikalen Schritt entschieden, wir werden unsere noch immer modernen und leistungsfähigen sogenannten HFC Netze überbauen. Das heißt, es bleibt im Boden und wir legen ein komplettes Glasfasernetz in die Gebäude und Wohnungen hinein. Dabei machen wir ausschließlich einen eigenwirtschaftlichen Aufbau, das heißt, wir arbeiten ohne Fördergelder.

Wirtschaftsforum: Wer sind Ihre Hauptkunden und welche Leistungen können diese konkret von RFT erwarten?

Stefan Tiemann: Wir richten uns zurzeit noch hauptsächlich an Privatkunden, denen wir TV, Internet und Telefonie anbieten – hier werden wir auch bis zum Jahresende das Thema IP-TV mit einem eigenen Produkt lancieren. Wir bedienen auch Business-Kunden, auf die wir in Zukunft stärker unseren Fokus legen wollen. Businesskunden bekommen von uns hochleistungsfähige Internet-Anschlüsse, Telefonanschlüsse, virtuelle Telefonanlagen und Standortvernetzung. Wir können, wenn die Standorte in unserem Bereich liegen, garantieren, dass die Unternehmensdaten niemals unser Netz verlassen. Das können die großen Anbieter nicht gewährleisten. Aber auch Plätze im Rechenzentrum oder Serverleistungen bieten wir an. Natürlich bleibt die Wohnungswirtschaft dabei weiterhin wichtig für uns.

Wirtschaftsforum: Sie sind zurzeit noch stark regional aufgestellt. Wie treiben Sie das Wachstum Ihres Unternehmens voran?

Stefan Tiemann: Wir treiben unser Wachstum über die Verdichtung der Städte voran, in denen wir bereits sind. Auch das Land Brandenburg hat noch einige White-Spots für uns. Wir können es uns langfristig auch vorstellen, in andere Bundesländer hineinzugehen – allerdings sehr vorsichtig. Denn, was uns von großen Carrierern unterscheidet, ist, dass wir vor Ort sind und regionalen Service bieten, mit eigenen Mitarbeitern. Diese Kundennähe wollen wir beibehalten und deshalb würden wir uns in einem nächsten Schritt zunächst auf Nachbar-Bundesländer konzentrieren.

Wirtschaftsforum: Welche Neuerungen gibt es in Ihrem Portfolio?

Stefan Tiemann: Im vergangenen Jahr haben wir ein Unternehmen übernommen, das Systemhaus AGILIScom, einen IT- und Kommunikationsdienstleister mit Know-how im Funkbereich. Im Businesskunden-Geschäft hatten wir bislang die Situation, dass wir sehr gute Internetverbindungen und eine sehr gute Standortvernetzung anbieten konnten oder einen Platz im Rechenzentrum. Wenn aber dann IT-Unterstützung gefordert wurde, mussten wir mit Partnern arbeiten. Jetzt können wir alles aus einer Hand anbieten.

Wirtschaftsforum: Innovation bekommt in letzter Zeit für den Unternehmenserfolg eine neue Bedeutung. Wie treiben Sie Innovationen voran?

Stefan Tiemann: Bei uns ist es oft der gesunde Menschenverstand, der Innovationen vorantreibt. Wir nehmen uns die Zeit, über Dinge nachzudenken. Dabei versetzen wir uns immer wieder in die Situation des Kunden. Wir gehen mit offenen Augen und Ohren durch die Welt, konzentrieren uns auf unsere Infrastruktur und bringen diese mit eigenen Mitteln voran. Deshalb gehen wir auch nicht in den geförderten Ausbau. Dieses würde bedeuten, dass wir unser Netz öffnen müssten. Beim eigenwirtschaftlichen Ausbau können wir selbst entscheiden, was wir tun. Wir möchten bei maximaler Sicherheit für Business- und Privatkunden das maximale Ergebnis kreieren. Das ist letztendlich auch das, was mein Team und mich antreibt.

Interview:

Manfred Brinkmann

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