Das verbindende Element

Interview mit Simon Reuter, Geschäftsführer der Robos GmbH & Co. KG

Wirtschaftsforum: Herr Reuter, Robos ist seit fast 60 Jahren in der Druckbranche aktiv. Welche Meilensteine hat das Unternehmen in dieser Zeit erreicht?

Simon Reuter: Ein technischer Meilenstein war sicherlich der Einstieg Anfang der 2000er-Jahre in den Digitaldruck. Die technischen Möglichkeiten haben uns neue Produkte und völlig neue Kundenkreise erschlossen. Mein persönlicher Meilenstein der jüngeren Vergangenheit war die Umstrukturierung unseres Unternehmens sowie die Zusammenlegung unserer Standorte 2018 in unserem Neubau in Kornwestheim.

Wirtschaftsforum: Warum ist Ihr Unternehmen mehr als ein Etikettenhersteller?

Simon Reuter: Weil wir uns zunehmend als Problemlöser sehen und positionieren. Das Produkt herzustellen und Standardlösungen bieten zu können ist wichtig. Jedoch spielen bei unseren Kunden oftmals die Materialauswahl, Materialkombinationen oder Kombinationen unterschiedlicher Drucktechniken eine wichtige Rolle, um überhaupt eine Lösung zu finden. Häufig kommen unsere Kunden mit sehr komplexen Spezifikationen – und darauf gibt es selten einfache Antworten beziehungsweise standardisierte Lösungen.

Wirtschaftsforum: Wie schaffen Sie es, mit ihren Produktkennzeichnungen den Verkaufserfolg positiv zu beeinflussen?

Simon Reuter: Im Konsumgüterbereich ist es nachgewiesen, dass eine Produktverpackung mit ansprechenden und auffälligen Designelementen verkaufsfördernd ist. Unsere Aufgabe ist es, die Designideen unserer Kunden mit den heutigen drucktechnischen Möglichkeiten umzusetzen. Dies können wir zum Beispiel mit brillanten Farben, hochwertigen Materialien und haptischen Elementen wie Strukturlacken leisten. Aber auch im technischen Bereich bieten wir dem Endkunden die Möglichkeit, die Echtheit eines gekauften Produktes online zu überprüfen. Dies funktioniert zum Beispiel bei serialisierten Typenschildern, die mit QR-Codes kombiniert werden.

Wirtschaftsforum: Welche neuen Möglichkeiten ergeben sich mit modernen Druckverfahren wie dem Digitaldruck?

Simon Reuter: Der Digitaldruck holt in vielen Bereichen gegenüber den konventionellen Druckverfahren immer mehr auf. Vor zwei Jahren war es undenkbar, im Digitaldruck silber zu drucken. Dies ist nun möglich, mit erstaunlichen Effekten. Ebenso sieht es mit Spezialtinten aus, die nur unter Schwarzlicht sichtbar werden. Dies ermöglicht zum Beispiel den Einsatz des Digitaldrucks im Bereich der Sicherheitskennzeichnung. Ebenso wird auch die Beständigkeit der heutigen Digitaldrucktinten immer besser, wodurch nun auch langfristige technische Anwendungen im Digitaldruck realisiert werden können.

Wirtschaftsforum: Welche aktuellen Themen und Veränderungen spielen sich dieser Tage in Ihrer Branche ab, was beschäftigt Sie zurzeit und welche Wege werden Sie deshalb in nächster Zukunft einschlagen? Wie wird die Zukunft des Druckens aus Ihrer Sicht aussehen?

Simon Reuter: Wie überall spielt auch in unserer Branche und unserem Unternehmen das Thema Digitalisierung eine große Rolle. Wir arbeiten daran, innerbetriebliche Prozesse und Abläufe zu digitalisieren, wenn es einen Mehrwert für uns und unsere Kunden hat. Konkret bedeutet dies zum Beispiel, das Datenhandling immer weiter zu automatisieren. Die Daten sollen möglichst automatisiert auf Fehler überprüft, vom Kunden online freigegeben, für die jeweilige Maschine vorbereitet und letztendlich auch an der richtigen Maschine zur Verfügung gestellt werden.

Auf der anderen Seite sehen wir aber auch eine Digitalisierung im Produktbereich. Das Internet der Dinge zielt auf die Vernetzung von Gegenständen mit dem Internet ab. Hier können wir zukünftig als Etikettendruckerei mit sogenannten ‘smart labels’ eine wichtige Rolle spielen. Diese intelligenten Etiketten sind Hybridprodukte, indem sie einerseits klassisch im Kundendesign gestaltet und gedruckt werden, andererseits aber auch Sender-Empfänger-Systeme in sich tragen, worüber eine Verbindung zwischen einem realen Produkt und virtuellen Anwendungen möglich ist. Somit werden Etiketten durch die beschriebenen technischen Entwicklungen nicht mehr nur zum optischen Informationstransport, sondern mehr und mehr zum verbindenden Element analoger Produkte und digitaler Marketing- und Serviceleistungen. Anwendungsbeispiele finden sich etwa im Bereich der Warenidentifikation, deren thermischer Überwachung und Lokalisierung sowie nicht zuletzt ihrer Authentifikation.

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