„Man braucht einen langen Atem“

Interview mit Oliver Kayser, Prokurist der SAB WindTeam GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Kayser, von der grünen Wiese bis zum Repowering hat sich SAB WindTeam bereits in über 200 Projekten engagiert – worauf liegt dabei Ihr Fokus? 

Oliver Kayser: Wir treten gern gleichermaßen als Projektierer und Betreiber auf, entwickeln also ganz bewusst Windparks für den eigenen Bestand und betreiben diese dann mitunter mehr als zwei Jahrzehnte – das war als Projektentwickler lange ein starkes Unterscheidungsmerkmal. Diese langfristige Orientierung ermöglicht uns eine enge und verlässliche Zusammenarbeit mit allen Stakeholdern: von den finanzierenden Banken über die Flächeneigentümer bis hin zu den Anwohnern und den zuständigen Verwaltungsorganen. Der kritische Erfolgsfaktor ist dabei der Zugriff auf windhöffige Flächen – da braucht man einen langen Atem, denn von der Flächensicherung über die Eignungsprüfung bis hin zur Abarbeitung aller naturschutzrechtlichen Sachverhalte können bis zur Genehmigung und Realisierung mitunter viele Jahre vergehen. 
 

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt dabei auch das Thema Bürgerbeteiligung? 

Oliver Kayser: Gegen bis zu 250 m hohe Bauwerke regt sich natürlich bisweilen Widerstand – dessen sind wir uns bewusst. Umso wichtiger ist eine enge Absprache mit den Kommunen vor Ort, samt einer möglichen Abtretung eines Teils der erzielten Wertschöpfung, der sich dann im Haushalt der jeweiligen Gemeinde bemerkbar macht. Auch für eine direkte Bürgerbeteiligung gibt es diverse sinnvolle Modelle, die wir gern nutzen. Ein gewichtiges Argument, das in diesem Kontext für SAB WindTeam spricht, liegt dabei in unserer langfristigen Orientierung: Unser Ziel besteht nicht darin, schnell einen Windpark zu errichten und ihn dann gewinnbringend an ein Versorgungswerk oder gar an eine amerikanische Fondsgesellschaft zu verkaufen – vielmehr möchten wir das Projekt über seinen gesamten jahrzehntelangen Lebenszyklus begleiten und übernehmen dafür dann auch die Verantwortung vor Ort. Wenn irgendwann einmal ein Problem auftreten sollte, stehen wir als Ansprechpartner mit kurzen Wegen zur Verfügung. Wir sehen uns damit dezidiert als Teil einer lokalen nachhaltigen Wertschöpfung und agieren nicht allein nach engen Renditegesichtspunkten. So können wir auch das Vertrauen der Menschen vor Ort gewinnen. 
 

Wirtschaftsforum: Die Genehmigungsprozesse gelten weiterhin als langwierig. 

Oliver Kayser: Auch an dieser Stelle hat sich in den letzten Jahren sicherlich einiges getan. Trotzdem müssen immer noch Dutzende physische Aktenordner zu Behörden gefahren werden. Gleichzeitig steigt mit zunehmender Komplexität der Sachverhalte auch in den Ämtern das benötigte Spezialwissen, was ebenfalls zu Engpässen führt. Und nicht zuletzt können in Deutschland stets nur sehr eng gefasste Zulassungen für ganz bestimmte Anlagen eingeholt werden, die dann de facto herstellerabhängig sind – was natürlich wiederum unsere Verhandlungsposition in der Beschaffung schwächt. In Frankreich, wo wir ebenfalls tätig sind, werden stattdessen weitreichendere Mantelgenehmigungen erteilt; die dadurch ermöglichten schlankeren Kostenstrukturen können sich dann auch in attraktiveren Strompreisen niederschlagen. 

Wirtschaftsforum: Wie ist es aus Ihrer Sicht insgesamt um die Energiewende in Deutschland bestellt? 

Oliver Kayser: Ich glaube, wir erleben gerade den letzten Abwehrkampf der fossilen Energieträger, der sich in manchmal abenteuerlichen Ideen wie venezolanischen Förderrechten oder der Neuerrichtung von Gaskraftwerken in Deutschland äußert. Doch den meisten Ländern ist inzwischen klar, dass man sich durch die Elektrifizierung nicht nur aus unguten Abhängigkeiten befreien kann, sondern dass sie auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten klar überzeugt – von den Auswirkungen auf das Klima ganz zu schweigen. Der massive Aufschwung der Batteriespeicher sorgt als letztes Puzzleteil im Ökosystem der erneuerbaren Energien dann auch für eine bessere Planbarkeit, als das bisher möglich war. 
 

Wirtschaftsforum: Wie möchte sich SAB WindTeam für die Zukunft aufstellen?

Oliver Kayser: Mit ersten Projekten in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern wollen wir auch regional weiter wachsen und zusätzlich unser Leistungsspektrum weiter ausdifferenzieren, etwa durch die punktuelle Erbringung von Dienstleistungen für Drittfirmen. Gleichermaßen wollen wir uns so als unabhängiger Stromproduzent positionieren, um durch diesen breiten Fokus auch unternehmerisch weiter an Resilienz zu gewinnen. Perspektivisch können wir uns vorstellen, unseren Strom auch direkt an Industriekunden in direkter räumlicher Umgebung zu vertreiben – was bisher jedoch leider zu oft an den regulatorischen Rahmenbedingungen scheitert.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

Der Airbag für Lithium-Ionen-Batterien

Interview mit Philipp Helmle, Geschäftsführer der LogBATT GmbH

Der Airbag für Lithium-Ionen-Batterien

Die Sicherheitsanforderungen an den Transport von Batterien für die Elektromobilität und ähnliche Anwendungsfelder sind immens: Seit 2017 entwickelt LogBATT aus dem Neckartal hierfür zielgerichtete Produkte für den gesamten Batterie­lebenszyklus von…

„Die ESA sagte uns, was wir machen, sei unmöglich!“

Interview mit Tom Segert, Mitgründer und CEO der Berlin Space Technologies GmbH

„Die ESA sagte uns, was wir machen, sei unmöglich!“

Kaum ein Unternehmen dürfte derart komplex zu gründen und zu skalieren sein wie ein Satellitenhersteller: Tom Segert und seine Partner haben es dennoch getan – mit beachtlichen Erfolgen, die sich…

Software für den Praxisalltag

Interview mit Fabian Gundlach, Geschäftsführer der ergosoft GmbH

Software für den Praxisalltag

Aus einer Abrechnungssoftware für Psychotherapeuten ist bei ergosoft über drei Jahrzehnte eine umfassende Lösung für den Praxisalltag entstanden. Geschäftsführer Fabian Gundlach setzt auf Spezialisierung, engen Kundenkontakt und neue Technologien wie…

Spannendes aus der Region Kreis Steinburg

Energie aus der Region

Interview mit Arne Möbest, Geschäftsführer der Cimbergy GmbH & Co. KG

Energie aus der Region

Wind- und Solarprojekte verändern nicht nur die Energieversorgung, sondern auch Regionen. Die Cimbergy GmbH & Co. KG aus Husum entwickelt und begleitet Bürgerenergieprojekte mit dem Ziel, Wertschöpfung, Verantwortung und Mitgestaltung…

Seele statt Standard

Interview mit Niels Battenfeld, Geschäftsführer der Lieblingsplatz Hotels Betriebs- und Managementgesellschaft mbH

Seele statt Standard

Wie sieht ein Hotel aus, das kein Hotel ist und zu einer Hotelkette gehört, die keine Hotelkette ist? Für Niels Battenfeld ist die Antwort klar: Wie ein Wohnzimmer, wie…

„Wir wollen mit dem Kunden  verdienen, nicht an ihm!“

Interview mit Jörg Wiechmann, Vorstandsvorsitzender der TOP Vermögensverwaltung AG

„Wir wollen mit dem Kunden verdienen, nicht an ihm!“

Seit über 30 Jahren steht die TOP Vermögensverwaltung mit ihren drei Aktien- und Anleihefonds für ein nachhaltiges, aktives Asset Management. Ziel: den Anlegern insbesondere in Krisenzeiten ein sicheres Gefühl geben.…

Das könnte Sie auch interessieren

„Die ESA sagte uns, was wir machen, sei unmöglich!“

Interview mit Tom Segert, Mitgründer und CEO der Berlin Space Technologies GmbH

„Die ESA sagte uns, was wir machen, sei unmöglich!“

Kaum ein Unternehmen dürfte derart komplex zu gründen und zu skalieren sein wie ein Satellitenhersteller: Tom Segert und seine Partner haben es dennoch getan – mit beachtlichen Erfolgen, die sich…

Schnell reagieren können

Interview mit Steven Herpichböhm, CTO der Gramß GmbH Kunststoffverarbeitung

Schnell reagieren können

Wie wird aus einem kleinen Familienbetrieb ein hochmoderner Kunststoffspezialist mit 150 Maschinen? Steven ­Herpichböhm, CTO der Gramß GmbH in Spechtsbrunn bei Sonneberg, kennt die Antwort. Im Interview spricht er über…

Software für den Praxisalltag

Interview mit Fabian Gundlach, Geschäftsführer der ergosoft GmbH

Software für den Praxisalltag

Aus einer Abrechnungssoftware für Psychotherapeuten ist bei ergosoft über drei Jahrzehnte eine umfassende Lösung für den Praxisalltag entstanden. Geschäftsführer Fabian Gundlach setzt auf Spezialisierung, engen Kundenkontakt und neue Technologien wie…

TOP