Die Windschutzscheibe als Schlüssel moderner Fahrzeugtechnologie

Interview mit Christian Baum, Geschäftsführer der Saint-Gobain Sekurit Service Deutschland GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Baum, was genau macht die Saint-Gobain Sekurit Service Deutschland GmbH?

Christian Baum: Wir sind im freien Ersatzteilmarkt für Autoglas tätig und klar auf das B2B-Geschäft ausgerichtet. Unsere Kunden sind Autoglasbetriebe, Werkstätten und Partner im Independent Aftermarket – also Unternehmen, die Fahrzeugglas verbauen. Dabei liefern wir nicht nur Scheiben, sondern verstehen uns als Partner aller, die Autoglas verbauen, mit Produkten, Services, Trainings und digitalen Lösungen.

Wirtschaftsforum: Wie ist das Unternehmen entstanden?

Christian Baum: Unsere Wurzeln liegen in der Autoglas Hansa, einer von Saint-Gobain gegründeten Vertriebsgesellschaft für den Autoglasmarkt. Die Verbindung zum Konzern bestand also von Anfang an. Saint-Gobain selbst ist ein internationaler Industriekonzern mit französischen Wurzeln und Aktivitäten unter anderem in Bauchemie, Glas und Hochleistungswerkstoffen. Heute treten wir unter dem Namen Saint-Gobain Sekurit Service auf, um die Nähe zur Erstausrüstermarke Sekurit sichtbar zu machen. Als Marke nutzen wir den Namen bereits seit einigen Jahren; inzwischen ist er auch offiziell Teil unseres Unternehmensnamens.

Wirtschaftsforum: Wie ist Ihr Unternehmen organisatorisch aufgestellt, und welchen beruflichen Hintergrund bringen Sie in Ihre Rolle ein?

Christian Baum: In Deutschland beschäftigen wir rund 140 Mitarbeitende, in der von mir verantworteten Region Zentraleuropa – also DACH und die Tschechische Republik – etwa 200. Insgesamt ist Sekurit Service in Europa in mehr als 26 Ländern vertreten. Ich selbst komme aus dem Fahrzeugbau, habe Maschinenbau studiert und war viele Jahre in verschiedenen Funktionen im Konzern tätig, unter anderem international als Projektleiter und Key-Account-Manager sowie mehrere Jahre in Mexiko. Seit Februar 2023 verantworte ich die Region Zen­traleuropa.

Wirtschaftsforum: Woher kommen die Produkte, die Sie vertreiben?

Christian Baum: Wir verfügen über drei eigene Produktions­standorte speziell für unseren Geschäftsbereich – in Estland, Polen und Rumänien. Mehr als 80% der von uns vertriebenen Produkte stammen aus diesen Werken. Nur bei wenigen Spezialscheiben greifen wir auf Produktionskapazitäten aus dem OE-Bereich von Sekurit zurück. Insgesamt fertigen wir über 90% unserer Produkte in Europa, was viele Kunden sehr schätzen.

Wirtschaftsforum: Wie entwickelt sich der Autoglasmarkt derzeit?

Christian Baum: Der Markt wächst insgesamt relativ stabil. Die Zahl der Schäden steigt moderat mit dem Fahrzeugbestand. Gleichzeitig beobachten wir eine zunehmende Konsolidierung: Viele kleinere Betriebe finden keine Nachfolge und werden Teil größerer Strukturen oder Ketten. Versicherungen spielen dabei eine wichtige Rolle, weil Reparaturen häufig in Werkstattnetzwerke gelenkt werden. Dennoch bleiben freie Fachbetriebe wichtig – gerade weil sie bei Reparaturen oft kreative Lösungen finden und nicht sofort einen Austausch empfehlen.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielen Versicherungen konkret im Reparaturgeschäft?

Christian Baum: Eine sehr große. Häufig unterschreibt der Fahrzeughalter eine Abtretungserklärung, sodass die Werkstatt direkt mit der Versicherung abrechnen kann. Rechnungen müssen daher sehr präzise aufgebaut sein und alle Anforderungen erfüllen. Gerade freie Betriebe unterstützen wir dabei mit digitalen Lösungen.

Wirtschaftsforum: Was steckt hinter diesen digitalen Lösungen?

Christian Baum: Wir verfügen über eine eigene Softwareabteilung mit rund 15 Mitarbeitenden sowie ergänzend Datenmanagement-Kompetenzen. Dort entwickeln wir Systeme, mit denen Autoglasbetriebe ihre Abrechnung korrekt kalkulieren können. Die Software enthält beispielsweise Informationen zu Fahrzeugmodellen, passenden Scheiben, Arbeitszeiten, Klebern und weiteren benötigten Komponenten. So lassen sich Rechnungen transparent und nachvollziehbar erstellen.

Wirtschaftsforum: Welche technologischen Entwicklungen prägen Ihr Geschäft, und welche Themen werden künftig besonders wichtig?

Christian Baum: Die technische Komplexität nimmt deutlich zu. Fahrerassistenzsysteme und Head-up-Displays sind heute direkt mit der Windschutzscheibe verbunden und müssen nach einem Austausch korrekt kali­briert werden. Autoglasbetriebe benötigen daher neben handwerklichem Können auch technisches Know-how, weshalb wir stark in Schulungen und Trainings investieren. Gleichzeitig gewinnt Nachhaltigkeit an Bedeutung: Glas ist ein wertvoller Rohstoff, den wir möglichst im Kreislauf halten möchten. Deshalb unterstützen wir unsere Kunden technologisch und mit digitalen Lösungen bei den steigenden Anforderungen moderner Fahrzeuge.

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