Effiziente Energie aus der Grafschaft Bentheim

Interview mit Uwe Mennebäck, Director Sales und Markus Grevinga, Director Engineering sowie Daniel Schraad, Site Director der STEMMANN-TECHNIK GmbH

Wirtschaftsforum: STEMMANN ist ein Unternehmen mit einer über 100-jährigen Geschichte, das immer am Puls der Zeit gearbeitet hat. Gibt es einen roten Faden und besondere Meilensteine in der Geschichte?

Uwe Mennebäck: Bei STEMMANN ging es immer darum, Energie und Daten für ortsveränderliche Verbraucher zu übertragen. Das heißt, es geht um die Bahntechnik mit den Stromabnehmern, aber auch um Produkte wie Kabeltrommeln, Kabelmanagementsysteme, Schleifleitungen oder Schleifringübertrager.

Daniel Schraad: STEMMANN wurde ursprünglich in Luxemburg gegründet und ist seit den 1950er-Jahren in Schüttorf beheimatet, wo wir von idealen Standortbedingungen für eine moderne Fertigung profitieren. 2014 wurden wir Teil des US-amerikanischen Wabtec-Konzerns. Heute bedienen wir verschiedene Produktlinien; im Bahnbereich Power Collection zum Beispiel Dritte-Schiene-Stromabnehmer oder Dachstromabnehmer. Bei den Industrieanwendungen Charging & Power Transfer reagieren wir flexibel auf Kundenwünsche und bringen Produkte auf den Markt, die für eine CO2-Reduktion sorgen. Es ist unser wichtigstes Standbein auf einem sehr dynamischen, stark wachsenden Markt. Wir sprechen hier über Produkte wie ShoreCONNECT, mit dem Kreuzfahrtschiffe während der Liegezeit im Hafen mit Landstrom versorgt werden, oder das Ladesystem FerryCHARGER, ein vollautomatisches, elektrisches Schiffanschlusssystem, mit dem Schiffsbatterien in kürzester Zeit bis zur Abfahrt der Fähre geladen werden können. Es sind Produkte wie diese, die über Jahre entwickelt wurden und das Unternehmen groß gemacht haben.

Wirtschaftsforum: STEMMANN ist international aktiv. Wie sieht die Aufstellung aus?

Daniel Schraad: In Schüttorf sind um die 400 Mitarbeiter tätig, außerdem können wir auf das Wabtec-Netzwerk für beispielsweise unseren weltweiten Service zurückgreifen.

Markus Grevinga: Durch Wabtec ergeben sich unterschiedliche Bereiche, Kunden und Regionen, die wir bedienen. In unserer Produktlinie Charging & Power Transfer sind wir global aufgestellt und kooperieren mit Werken in Indien, Polen, China, Frankreich und den USA. Im Konzern werden unter anderem dieselelektrifizierte oder auch batteriebetriebene Lokomotiven hergestellt. Insgesamt produzieren wir unterschiedlichste Komponenten, die in einer Bahn zu finden sind; Türen, Bremsen, Schalteranlagen und vieles mehr. An unserem Standort in Schüttorf liegt der Fokus auf dem Indus­triemarkt. In unserem Center of Excellence verfügen wir über das entsprechende Know-How für die Entwicklung innovativer Anlagen sowie hoch qualifizierte Servicetechniker.

Wirtschaftsforum: Gibt es bestimmte Herausforderungen, denen sich STEMMANN aktuell stellt?

Daniel Schraad: Unser Standort befindet sich momentan im Transformationsprozess hin zu einem Engineering- und Produktionsbereich für kundenspezifische Anwendungen. Als bisherig Verantwortlicher für den Bereich Quality kann ich sagen, dass wir dauerhaft versuchen, dem Unternehmen neue Impulse zu geben, dass wir jedes Problem, jede Reklamation ernst nehmen und versuchen, Produkte zu verbessern und die Qualität zu steigern. Wir nennen dieses Vorgehen ‘Return of Experience’. Oft geht es um konkrete Produktverbesserungen, oft auch um weitreichendere Ansätze wie die Suche nach neuen Lieferanten oder Prozessveränderungen. In der permanenten Optimierung liegt für uns eine Hauptverantwortung. Hier spielen vor allem die Erfahrungen und Impulse unserer Mitarbeitenden eine wichtige Rolle.

Markus Grevinga: Die Komplexität hat zwar in vielen Bereichen zugenommen, auch in der Kommunikation, auf der anderen Seite gibt es unsere verbindenden Wabtec-Werte, die als großes Team standortunabhängig gelebt werden. Dieser Austausch hilft, die Produkte zu optimieren und noch besser auf Kundenbedürfnisse einzugehen.

Uwe Mennebäck: Vor dem Hintergrund der Elektrifizierung arbeiten wir konsequent daran, mit unseren Produkten eine nachhaltigere Zukunft zu gestalten. Der Offshore-Bereich spielt in diesem Zusammenhang eine zentrale Rolle. Auch wenn wir hier noch am Anfang stehen, beschäftigen wir uns intensiv mit den Marktbedürfnissen von morgen. Der Energiebedarf steigt konstant, deshalb sehen wir hier großes Potenzial. Solange der politische Wille da und Planungssicherheit gegeben ist, sind wir mit unseren Produkten hervorragend aufgestellt, um den CO2-Fußabdruck zu reduzieren.

Wirtschaftsforum: Gab es in der Vergangenheit ein Rezept für den Erfolg, das auch künftig von Bedeutung sein wird?

Markus Grevinga: Der Grund für den Erfolg sind die Kollegen, die ein Gefühl für den Markt haben, Probleme der Kunden ernst nehmen und gern die Extrameile gehen, um qualitativ anspruchsvolle Lösungen zu erarbeiten und Produkte zu ermöglichen, die andere nicht ermöglichen.

Daniel Schraad: Wir setzen für die Zukunft weiterhin auf unser internes Talentmanagement. Das beginnt bereits mit der Ausbildung in unserem Unternehmen. Wir nehmen unsere Verantwortung als traditioneller Ausbildungsbetrieb in der Region sehr ernst. Uns ist da­rüber hinaus auch eine enge Kooperation mit Hochschulen wichtig. Wir möchten junge Talente bereits früh auf ihrem Fach- und Karriereweg begleiten und langfristig an unser Unternehmen binden.

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