Lasergravur mit digitalem Workflow

Interview mit Andreas Penz, CEO und Alexander Jauker, Head of Strategic Marketing der Trotec Laser GmbH

Trotec gilt international als starker Partner für Anlagen in den Bereichen der Lasergravur, des großformatigen Laserschneidens und der Laserbeschriftung. Während die Lasergravierer für die Personalisierung von Produkten, unter anderem in der Werbetechnik, an Schulen und Hochschulen eingesetzt werden, richtet man sich mit den großformatigen Laserschneideanlagen vor allem an den Druckereibereich.

Die Laserbeschrifter werden vor allem in der Industrie eingesetzt, zum Beispiel für Metallbauteile in Fertigungsanlagen, die mit Seriennummern und Barcodes versehen werden. „Traceability, also die Rückverfolgbarkeit von Produkten, ist ein Megatrend“, erklärt CEO Andreas Penz. „Hierfür braucht man ent-sprechende Beschriftungen und Kennzeichnungen.“

Auf der Referenzliste von Trotec steht das Who-is-Who deutscher und internationaler Hochschulen, wie zum Beispiel die TU München oder Eindhoven, die Bauhaus Universität oder die Cambridge University. Aber auch Großdruckereien, die Schweizer Uhrenindustrie oder der Architekturmodellbau von Norman Foster gehören zum Kundenkreis.

Laser als erste Stufe der Digitalisierung

„Die Grundidee unseres Geschäftes war damals die Herstellung von Stempeltextplatten“, so Andreas Penz. „Der Einsatz von Lasern war eine revolutionäre Idee und legte den Grundstein für die Digitalisierung des kleinen Stempelmachers. Wir waren technologisch am Markt immer weit vorne und haben zum Beispiel den schnellsten Lasergravierer am Markt eingeführt – auch bei der Schildergravur ist Geschwindigkeit ein wichtiges Thema. Deshalb hat die Software-Entwicklung schon früh einen hohen Stellenwert bei uns gehabt. Heute ist Digitalisierung ein technologiegetriebener Megatrend. Es geht um die Vernetzung von bekannten Systemen und Komponenten zu neuen Lösungen. Unsere Kunden verkaufen ihre Produkte zunehmend über das Internet, das heißt, sie brauchen einen digitalen Workflow. Wir sehen uns als Partner unserer Kunden, der Lösungen anbietet und damit ist es unsere Aufgabe, sie dabei zu unterstützen, vom Auftrag bis zur Durchführung, einen voll digitalen Prozess anzubieten. So haben wir uns im Laufe der Jahre von einem Maschinenbauer zu einem Software-Unternehmen entwickelt.“

Potenzial in Asien und neuen Marktsegmenten

Aktuell sind die USA und Deutschland die wichtigsten Märkte für Trotec. In den vergangenen Jahren hat Asien zunehmend an Bedeutung gewonnen. „Asien wächst überproportional und hier vor allem China“, so Andreas Penz. „Wir haben deshalb damit begonnen, dort unsere eigene Fertigung auf- und auszubauen, um für den asiatischen Markt eigene Produkte zu entwickeln und dort unsere Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Letztendlich sichern wir so gleichzeitig auch unser Geschäft in Europa – indem wir uns dem Mitbewerb dort direkt stellen, noch flexibler werden und in manchen Bereichen auch die Technologieführerschaft weiter ausbauen. Wir haben ein innovatives Team an Board und sind zuversichtlich, dass uns das auch gelingt.“

Auch in neuen Marktsegmenten, unter anderem im Bereich der Micro-Businesses, der gewerblichen Kleinunternehmen, will Trotec in den kommenden Jahren verstärkt Fuß fassen. In den Bereichen Hochgeschwindigkeitsschneiden und Etiketten sieht Alexander Jauker vielversprechende Perspektiven, ebenso im Laser-Schneiden von gedruckten Materialen.

„Wir werden uns stärker in den kleingewerblichen Bereich bewegen“, erklärt er. „Hier geht es zum Beispiel um Künstler, die ihre Produkte mit Lasern verfeinern. Da in Kernbereichen der typischen Schildermacher global der Nachwuchs für die Lehrberufe fehlt, müssen die Maschinen so einfach wie möglich zu bedienen sein.“

Neben der Einfachheit der Maschinen und technischen Hilfsmittel, die Mehrwert beim Kunden schaffen, will Trotec auch dem wachsenden Community-Gedanken Rechnung tragen und eine Plattform anbieten, die den Austausch von Informationen, Tipps und Tricks ermöglicht.

Vereinfachung durch Digitalisierung

„Dies ist eine große Herausforderung, aber auch eine sehr große Chance“, erklärt er weiter. „Es gehört viel Überzeugungsarbeit dazu und wir müssen uns als Technologieführer positionieren. Hier geht es nicht um die Entwicklung von immer mehr Superfunktionen, sondern um Simplicity – um Einfachheit, die wertgeschätzt wird. Es bringt nichts, Top-Geräte zu bauen, die niemand versteht und niemand bedienen kann. Auch für uns bedeutet diese Marktveränderung einen echten Kulturwandel. Noch vor 20 Jahren war es wichtig, immer exzellenter zu werden und in immer mehr Nischen zu gehen, speziellere Lösungen anzubieten. Jetzt muss Lasertechnik immer mehr auch verwendbar für ungelernte Fachkräfte werden, damit die Technik gewinnbringend für den Kunden eingesetzt werden kann. Inzwischen haben wir einen Paradigmenwechsel vollzogen.“

Dass dieser Paradigmenwechsel so erfolgreich ist, führen Andreas Penz und Alexander Jauker nicht zuletzt auf die klare Wertekultur und die Führungsleitlinien von Trotec zurück. „Wir sind ein Hidden Champion“, so Andreas Penz. „Unsere heutige Eigentümerfamilie hat das Unternehmen 1912 gegründet, unsere Werte geprägt und stützt diese bis heute. Diese Leidenschaft überträgt sich auch auf unser globales Team und ist ein wichtiger Faktor unseres Erfolges.“

Interview:

Manfred Brinkmann

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