„Wir sind sehr auf Augenhöhe!“

Interview mit Stephan Westerdick, geschäftsführender Gesellschafter der Unirez Informations-Technologie GmbH

1967 begann die Geschichte der Unirez GmbH in einer Zeit, als Computer noch ganze Räume füllten und Daten nicht digital übertragen wurden. Das Unternehmen entstand als Ausgründung eines Möbelunternehmens aus Lemgo und spezialisierte sich früh auf elektronische Lohn- und Gehaltsabrechnung. „Unirez wurde 1967 als EDV-Unternehmen gegründet“, erzählt Geschäftsführer Stephan Westerdick. In einer Zeit ohne Standardsoftware und eigene Rechenkapazitäten für mittelständische Firmen war das Geschäftsmodell fast revolutionär: Mehrere Unternehmen nutzten gemeinsam die teuren Rechenanlagen, um Personaldaten elektronisch verarbeiten zu lassen. Die damalige Technik wirkt aus heutiger Sicht fast archaisch, bildete aber die Grundlage für ein Unternehmen, das sich über Jahrzehnte konsequent weiterentwickelte. Ende der 1990er-Jahre übernahm Stephan Westerdick die Firma, nachdem er bereits seit 1993 im Unternehmen tätig gewesen war. Aus dem klassischen Rechenzentrum entwickelte sich schrittweise ein moderner IT-Dienstleister mit heute 52 Beschäftigten und rund 9 Millionen EUR Jahresumsatz. Heute liegt der Fokus auf zwei Geschäftsfeldern: Personalmanagement und ERP-Lösungen für kleine und mittelständische Unternehmen.

Zwei Tätigkeitsfelder

Der Bereich Personalwesen macht heute rund die Hälfte des Umsatzes aus. Aus der früheren Lohnabrechnung wurde ein umfassendes digitales Personalmanagement mit Mitarbeiterportalen, Bewerbermanagement, Seminarverwaltung und mobilen Anwendungen. „Unsere Kunden beziehen ihre Software, ihre Prozesse, aber auch ihre Beratungslösung aus der Cloud“, sagt Stephan Westerdick. Beschäftigte können heute per Smartphone Arbeitszeiten erfassen, Reisekosten abrechnen oder Dokumente digital abrufen. Für viele mittelständische Unternehmen sei das deutlich effizienter als selbst komplexe IT-Strukturen aufzubauen und zu betreiben. Die zweite große Säule bildet SAP Business One, eine ERP-Lösung für kleine und mittelständische Unternehmen. Dort werden Einkauf, Verkauf, Lagerverwaltung, Rechnungswesen oder Webshop-Anbindungen

zentral gesteuert. Die Kundenstruktur reicht vom klassischen Produktionsbetrieb bis hin zu Spezialunternehmen aus Medizin, Handel oder Logistik. „Es ist ein ERP-System“, erklärt der geschäftsführende Gesellschafter. „Das heißt, wir bilden die kompletten Geschäftsprozesse dort ab.“ Während der HR-Bereich heute nahezu vollständig cloudbasiert arbeitet, verläuft die Entwicklung im ERP-Umfeld langsamer. Viele kleinere Unternehmen setzen dort weiterhin auf eigene Serverstrukturen und klassische Lizenzmodelle. Langfristig sieht Stephan Westerdick jedoch auch in diesem Bereich eine klare Entwicklung in Richtung Rechenzen­trum und Cloud-Betrieb.

Persönliche Betreuung
Der eigentliche Wettbewerbsvorteil liegt für den Geschäftsführer nicht allein in der eingesetzten Technik, sondern vor allem in der Unternehmenskultur und Kundennähe. Unirez versteht sich bewusst als mittelständischer Partner für mittelständische Unternehmen. Große Konzerne würden häufig mit standardisierten Prozessen und strikten Strukturen arbeiten, während man in Detmold bewusst auf persönliche Betreuung setze. „Wir sind sehr auf Augenhöhe“, beschreibt Stephan Westerdick die Zusammenarbeit mit den Kunden. Viele Personalabteilungen stünden heute unter enormem Druck. Gleichzeitig verschwinde mit dem Generationenwechsel viel Fachwissen aus den Unternehmen. Deshalb gehe es zunehmend nicht mehr nur um technische Lösungen, sondern auch um Prozessberatung und praktische Unterstützung. 
Intern setzt Unirez auf flache Hierarchien und offene Kommunikation. Regelmäßige Teamrunden, Workshops und gemeinsame Veranstaltungen gehören zum Alltag. Mitarbeitende sollen eigene Ideen einbringen und Verantwortung übernehmen. „Mehr Autonomie in die einzelnen Bereiche reinzubringen ist für mich viel spannender“, verdeutlicht der Gesellschafter. Besonders stolz ist er auf die selbstständige Arbeit der Teams. Stephan Westerdick versteht sich heute weniger als klassischer Chef, sondern eher als Begleiter und Sparringspartner.

Belastung für Unternehmen

Trotz technologischer Dynamik blickt Stephan Westerdick mit Sorge auf die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. Als Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer Lippe erlebt er die Stimmung im regionalen Mittelstand unmittelbar. Hohe Energiekosten, zunehmende Bürokratie und politische Unsicherheit belasteten viele Unternehmen massiv. „Wir betrachten mit großer Sorge die aktuelle bundesweite Entwicklung, aber auch hier in unserer Region“, sagt er. Gerade Regionen wie Lippe müssten zunehmend darum kämpfen, Fachkräfte zu gewinnen und langfristig zu halten. Zwar stehe die IT-Branche vergleichsweise stabil da, doch auch dort seien Insolvenzen, Investitionszurückhaltung und wirtschaftliche Unsicherheit längst spürbar. Für die Zukunft setzt Unirez dennoch auf einen kontrollierten Wachstumskurs. Statt schneller Expansion verfolgt das Unternehmen einen behutsamen Ausbau. Neue Mitarbeitende sollen langsam integriert werden, ohne die bestehende Unternehmenskultur zu gefährden. Gleichzeitig soll die klassische Technikberatung stärker in Richtung Fach- und Prozessberatung weiterentwickelt werden. Laut Stephan Westerdick wird KI viele Prozesse erweitern und vereinfachen, sei aber nur der nächste Schritt einer langen technologischen Entwicklung. Entscheidend bleibe nicht die Technik selbst, sondern der Nutzen für die Menschen, die mit ihr arbeiten.

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