Eine Behandlung aus einem Guss

Interview mit Prof. Dr. med. Martin Kriegmair, Geschäftsführer der Medical Team Clinic GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Prof. Dr. Kriegmair, in Ihrer urologischen Klinik in München-Planegg wollen Sie den Patienten mit all seinen Bedürfnissen konsequent in den Mittelpunkt Ihres Handelns stellen und gleichzeitig eine interdisziplinäre Therapie auf höchstem Niveau anbieten – wie umfassend fällt Ihr Behandlungsspektrum dabei aus? 

Prof. Dr. Martin Kriegmair: Grundsätzlich bilden wir in unserer Klinik die gesamte Bandbreite der urologischen Versorgung ab, damit unsere Patienten im Rahmen ihrer Therapie nicht ständig die Einrichtung wechseln oder zu verschiedenen Ärzten geschickt werden müssen, sondern eine Behandlung aus einem Guss erhalten. Im Bereich der Uroonkologie sind wir eines von wenigen Zentren in ganz Deutschland, das von der Deutschen Krebsgesellschaft für alle vier Entitäten unseres Fachgebiets – Tumoren der Prostata, Harnblase, Niere und Hoden – zertifiziert sind. Zusätzlich zur operativen Versorgung können in unserem Hause dabei auch alle prä- und postoperativ anfallenden adjuvanten Chemo- und Immuntherapien erfolgen. 

Wirtschaftsforum: Und jenseits des onkologischen Behandlungsspektrums? 

Prof. Dr. Martin Kriegmair: Ein weiterer Schwerpunkt unserer Klinik liegt in der rekonstruktiven Urologie, in deren Rahmen wir vielfältige angeborene Anomalien im Bereich der ableitenden Harnwege wie etwa Harnröhrenverengungen behandeln. In den letzten Jahren haben wir uns zudem eine umfangreiche Expertise in der Transgender-Chirurgie, vor allem bei der Transformation von Menschen mit äußerlich weiblichen Geschlechtsmerkmalen zu männlichen, aufgebaut. Darüber hinaus engagieren wir uns auch in der Beckenbodenchirurgie beziehungsweise bei der Versorgung von harninkontinenten älteren Patienten. 

Wirtschaftsforum: Wie gelingt es Ihnen, dieses breite Spektrum in all seiner Komplexität abzubilden? 

Prof. Dr. Martin Kriegmair: Wir setzen auf ein bewährtes Department-System, in dem sich dezidierte Abteilungen ganz auf ihr Fachgebiet konzentrieren können und gleichzeitig über verschiedene Teams hinweg das ideale Behandlungskonzept für den jeweiligen Patienten abgestimmt wird: So beschäftigt sich eine unserer Oberärztinnen beispielsweise nahezu ausschließlich mit medikamentöser Tumortherapie, während in unserem Transgender-Team auch ein plastischer Chirurg sowie eine Gynäkologin beschäftigt sind. So können wir sicherstellen, dass wir in allen Bereichen stets die höchste Qualität erreichen – gerade bei neuen und innovativen Therapieansätzen. 

Wirtschaftsforum: Worin bestand die letzte besonders bedeutsame Innovation in Ihrer Klinik? 

Prof. Dr. Martin Kriegmair: Wir haben zwei DaVinci-Robotersysteme in Betrieb, die von einem Team aus fünf schwerpunktmäßig ausgebildeten Operateuren bedient werden: Zusammen führen sie mit diesen Geräten circa 800 Eingriffe pro Jahr durch, wodurch wir eine sehr große Expertise und Erfahrung haben. Die Anschaffung dieses Instrumentariums war zwar sehr kostenintensiv, aber im Grunde alternativlos – denn seine Vorteile für den Patienten liegen auf der Hand. So ließen sich die Hospitalisierungszeiten bei zahlreichen Eingriffen deutlich verkürzen, während bestimmte Operationen wie die Entfernung kleinerer Nierentumoren damit bisweilen sogar ambulant möglich sind. 

Wirtschaftsforum: Vor welchen organisationalen Veränderungen steht Ihre Klinik heute? 

Prof. Dr. Martin Kriegmair: Auch unser Haus muss sich auf die zunehmende Ambulantisierung der Medizin einstellen, die in den nächsten Jahren weiter forciert werden wird: Dazu planen wir bereits die Errichtung eines Erweiterungsbaus für ein ambulantes OP-Zentrum und werden auch unsere Medizinischen Versorgungszentren in nächster Zeit weiter ausbauen und intensivieren.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt der zunehmend intensive Kostendruck im Gesundheitswesen für Ihre Klinik? 

Prof. Dr. Martin Kriegmair: In den 25 Jahren unseres Bestehens sind wir noch nie in die Lage gekommen, rote Zahlen schreiben zu müssen, sondern konnten uns immer über positive Jahresabschlüsse freuen – das steht auch nicht im Widerspruch zu einer patientenzentrierten und optimalen medizinischen Versorgung, sondern ist vielmehr eine unabdingbare Voraussetzung dafür. Denn hinter unserer Klinik stehen keine öffentlich-rechtlichen Träger, sondern ausschließlich private Inhaber, die im Falle einer wirtschaftlichen Schieflage einspringen würden. Die Vorteile dieser Klinikstruktur bekommen auch unsere Patienten zu spüren: Denn wir können wesentlich schneller entscheiden, in welche neuen Geräte und Verfahren wir investieren wollen, als eine Universitätsklinik – und dies betrifft letztendlich auch personelle Entscheidungen: Schließlich besteht unser gesamtes Führungspersonal ausschließlich aus Ärzten, die weiterhin tagtäglich in intensivem Patientenkontakt stehen. 

Wirtschaftsforum: Wie blicken Sie auf die politischen Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen?

Prof. Dr. Martin Kriegmair: Es gibt durchaus einige Fehlanreize, die beseitigt werden sollten: Beispielsweise muss ein erheblicher Anteil der erzielten Honorare an die Krankenkassen bezahlt werden, wenn das vereinbarte Kontingent überschritten wird und mehr Patienten versorgt werden als vorgeschrieben. Das ist angesichts langer Wartezeiten auf operative Eingriffe und der bestehenden Herausforderung des demografischen Wandels nicht sinnvoll. Die Patienten sind heute meist so gut über ihre Behandler und Zentren informiert, dass sie verlässlich eine mündige Entscheidung treffen können, in wessen Hände sie sich begeben. Genau das sollten wir auch nachhaltig unterstützen!

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