Warum dezentrale Energie die Antwort auf globale Risiken ist

Interview mit Justas Karaliunas, CEO der EnerPro GmbH

EnerPro feiert 2026 sein 50-jähriges Bestehen – und damit eine Entwicklung, die von traditioneller Motoreninstandhaltung bis hin zu komplexen Eigenkonstruktionen reicht. Ursprünglich auf Diesel­aggregate spezialisiert, erkannte man beim Unternehmen früh die Potenziale von Gasmotoren. „Wir waren vor 30 Jahren unter den Ersten, die konsequent auf Gas gesetzt haben“, sagt CEO Justas Karaliunas. Durch diese frühe Spezialisierung entstand eine umfassende technische Expertise, die heute zum größten Wettbewerbsvorteil gehört.

Vertikal integrierte Produktion

Während viele Wettbewerber erst spät ins Gasgeschäft einstiegen, entwickelte EnerPro eigene Motoren, Steuerungen und Softwarelösungen. Rund 80% jeder Anlage entstehen im eigenen Haus

– von Metallbau über Motortechnik und Softwarelogik bis zur Endmontage. „Wir haben keine Wissenslücken. Unsere Stärke ist, dass wir jedes Bauteil verstehen, entwickeln und optimieren können“, erklärt Justas Karaliunas.

Technologische Resilienz als strategische Antwort

Die aktuelle Weltlage fordert flexible, sichere Energieerzeugung. Stromausfälle wie jüngst in Berlin verdeutlichen, wie abhängig moderne Gesellschaften von stabilen Netzen sind. Für Justas Karaliunas steht fest: „Dezentrale Lösungen machen uns weniger angreifbar und erhöhen die Versorgungssicherheit erheblich.“ EnerPro liefert Anlagen für unterschiedliche Szenarien – vom klassischen Notstromaggregat über Inselbetriebe ohne Netzanschluss bis zur netzparallelen Strom- und Wärmeerzeugung. Kunden können überschüssige Energie verkaufen und gleichzeitig Wärme für Gebäude, Prozesse oder Kühlung nutzen. Kraft-Wärme-Kopplung und Flexibilität werden so wirtschaftlich attraktiv.

Neue Produkte für eine ­klimaneutrale Zukunft

Doch EnerPro denkt weiter. Das Unternehmen arbeitet derzeit an einem neuen Verbrennungskonzept, das CO2‑neutral läuft – ohne Wasserstoff und ohne dessen komplexe Infrastruktur. Details bleiben geheim, doch Justas Karaliunas verrät: „Wir entwickeln einen Motor, der mit einem weltweit verfügbaren flüssigen Kraftstoff arbeitet und klimaneutrale Energie ermöglicht.“ Die Markteinführung ist für Mitte dieses Jahres geplant, möglicherweise flankiert von einer internationalen Messepräsentation. Damit positioniert sich EnerPro als Entwickler sauberer Verbrennungstechnologien in einer Zeit, in der klassische Dieselaggregate zunehmend regulatorisch unter Druck geraten. Der Schritt trifft auf einen Markt, der Energieversorger, Industrie und Rechenzentren gleichermaßen beschäftigt.

Global präsent – aus einem ­kleinen deutschen Standort

Ob Australien, Südkorea, Indien, Südafrika oder Jamaika: EnerPro liefert weltweit. Dies gelingt durch ein engmaschiges Netzwerk aus Distributoren, die sowohl Vertrieb als auch Service gewährleisten. „Wir können nicht von Mendig aus die ganze Welt betreuen“, sagt Justas Karaliunas. Daher setzt das Unternehmen auf lokale Partner mit Schulung, Ersatzteillager und technischer Qualifikation. Die Anlagen werden überwiegend vor Ort in Betrieb genommen, oft mit zusätzlicher Operator-Schulung. Die Remote-Support-Möglichkeiten sind ebenfalls beachtlich – über 80% von Klärfällen lassen sich von Mendig aus online beheben. „Eine Anlage ist kein Fernseher, den man einfach einschaltet. Sie ist hoch automatisiert, aber es braucht Verständnis für den sicheren Betrieb“, fügt er hinzu.

Steigende Nachfrage und ­politische Hürden

Der Energiemarkt wächst dynamisch – insbesondere durch die Digitalisierung. „Der Energiebedarf von Rechenzentren explodiert. Die nächste Verdoppelung wird dreimal schneller erfolgen als die letzte“, analysiert Justas Karaliunas. Doch das Umfeld ist anspruchsvoll. Deutsche Hersteller stehen unter internationalem Kostendruck, bürokratischen Auflagen und strukturellen Hemmnissen. „Made in Germany hat weltweit einen guten Klang, aber es ist kein Kaufargument mehr, wenn der Preis nicht stimmt“, betont der CEO. Gleichzeitig erschwert ein überreguliertes Umfeld Innovationen. „Behörden können neue Technologien oft nicht einordnen. Wenn etwas nicht geregelt ist, heißt es: Es darf nicht gemacht werden. Das bremst unser Land aus“, warnt Justas Karaliunas.

Strategischer Fokus: Innovation, Effizienz und Marktpräsenz

EnerPro begegnet den aktuellen Marktverwerfungen mit einem klaren strategischen Dreiklang, der aus technologischer Weiterentwicklung, globaler Präsenz und hoher Anpassungsfähigkeit besteht. Das Unternehmen investiert gezielt in klimaneutrale Verbrennungssysteme, um – wie CEO Justas Karaliunas betont – „nicht nur auf veränderte Anforderungen zu reagieren, sondern sie aktiv mitzugestalten“.

Blick nach vorn

Justas Karaliunas bleibt trotz aller Herausforderungen optimistisch: „Wir leben dieses Geschäft. Wir kennen die Märkte, wir sprechen mit Kunden, wir entwickeln Lösungen.“ EnerPro steht für eine Energieversorgung, die technisch flexibel, global einsetzbar und zunehmend klimaneutral wird. In einer Welt im Wandel zeigt das Unternehmen, wie mittelständische Ingenieurskunst Chancen nutzt, die aus der Krise erwachsen – und wie technologische Unabhängigkeit zum Kern eines robusten Geschäftsmodells wird.

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