Vom Druck- zum Digitalisierungs­experten

Interview mit Armin Bäbler, CEO der Faigle AG

Wirtschaftsforum: Herr Bäbler, in den letzten Jahren hat sich die Faigle AG konsequent vom Anbieter von Managed Print Solutions zum Experten für die Digitalisierung von Geschäftsprozessen weiterentwickelt – wie kam es zu diesem Wandel?

Armin Bäbler: Wir vertreiben auch weiterhin Geräte, mit denen beim Kunden vor Ort Dokumente ausgedruckt oder eingescannt werden können, beziehungsweise bieten wir entsprechende Möglichkeiten an, um diese Aufgaben an uns outzusourcen: Dann drucken und verpacken wir die Dokumente in unserem eigenen Center und übergeben sie anschließend der Post. So können wir den Maschinenpark und die Kosten stets betriebswirtschaftlich optimal an die Anforderungen unserer Kunden anpassen.

Wirtschaftsforum: Wo kommt in diesem Kontext die Digitalisierungskompetenz von Faigle ins Spiel?

Armin Bäbler: Wenn ein Dokument gescannt wird, stellt dieser Schritt oft den Eingangspunkt eines Digitalisierungsprozesses dar. Mit unseren KI-basierten Lösungen sind wir inzwischen etwa in der Lage, die entsprechenden Daten des gegenständlichen Dokuments mit einer sehr hohen Treffsicherheit auszulesen und sie dann in die jeweiligen Geschäftsprozesse zu überführen – das klassische Beispiel ist etwa die Eingangspost, deren Erfassung wir gerne für unsere Kunden übernehmen, beziehungsweise wofür wir entsprechende Geräte vertreiben. Der große Wandel in den Unternehmen liegt nun darin, dass die einzelnen Prozesse vielfach nicht mehr wie früher initial von einem Dokument ausgelöst werden, sondern idealerweise aus sich heraus anlaufen. Tritt beispielsweise ein neuer Mitarbeitender in das Unternehmen ein, wird dieser Prozess nun oftmals vollständig digital und nicht mehr primär dokumentenbasiert abgebildet. Unser Team verfügt über ein umfassendes Know-how, um unsere Kunden bei derartigen Fragestellungen zielgerichtet zu unterstützen.

Wirtschaftsforum: Viele Unternehmen möchten möglichst schnell papierlos werden – liegt darin letzten Endes eine Bedrohung Ihres Geschäftsmodells?

Armin Bäbler: Tatsächlich reduziert sich das Papiervolumen zunehmend – aber völlig papierlos werden die meisten Unternehmen zumindest in absehbarer Zeit nicht werden. Wir erleben eher, dass wirklich nur noch das ausgedruckt wird, was auch tatsächlich physisch auf Papier benötigt wird. Als erfahrener Anbieter mit einer exzellenten Servicequalität werden wir weiterhin Geräte zur Verfügung stellen, die diese Anforderungen verlässlich erfüllen. Gleichzeitig gestalten wir den Shift hin zum Experten für die Digitalisierung von Geschäftsprozessen sehr bewusst und sehen in diesem Segment eine besonders interessante Zukunft für unser Unternehmen.

Wirtschaftsforum: Musste sich damit auch das Know-how von Faigle verändern?

Armin Bäbler: Selbstverständlich haben sich unsere Mitarbeitenden vor diesem Hintergrund vom Geräteverkauf hin zur fachlich versierten Unterstützung bei Digitalisierungsprozessen weiterentwickelt. Mittlerweile können wir auf ein starkes Team setzen, das entsprechendes Optimierungspotenzial bei unseren Kunden auf Basis seiner gewachsenen Sachkenntnis erkennt und dafür nachhaltige Konzepte bereithält. Gleichzeitig setzt Faigle auf ein eigenes Forschungs- und Entwicklungsteam, das völlig neue Lösungen für vorhandene Herausforderungen erarbeitet: So waren wir beispielsweise lange Zeit mit den verfügbaren Scanning-Engines unzufrieden – nun können wir auf Basis unserer Eigenentwicklung aber hervorragende Ergebnisse beim Auslesen von Dokumentendaten erzielen. Gleiches gilt für kanalübergreifende Printvorgänge: Wird uns ein Dokument übergeben, können wir inzwischen automatisiert entscheiden, in welcher Form es idealerweise ausgegeben werden soll – etwa als E-Rechnung, im Wege eines sicheren PDF-Versands oder eben physisch als Papierausdruck.

Wirtschaftsforum: Wie blicken Sie derweil auf die branchenweiten Veränderungen in Ihrem Segment?

Armin Bäbler: Das klassische Druckergeschäft ist inzwischen nicht mehr von allgemeinem Wachstum geprägt, sondern zunehmend ein Verdrängungsmarkt geworden, in dem nur die Wettbewerber überleben werden, die sinnvolle Zusatzangebote formulieren können. Im Zuge dieser Marktkonsolidierung werden wir perspektivisch auch weitere Mitbewerber übernehmen und unser Portfolio noch erweitern, um unsere Kunden noch umfassender bei der Digitalisierung begleiten zu können.

Wirtschaftsforum: Welche Marktposition strebt Faigle dabei langfristig an?

Armin Bäbler: Als klassisches Schweizer mittelständisches Unternehmen ist uns klar, dass wir einen Preiskampf nie gewinnen werden, sondern nur durch eine verlässlich hohe Qualität überzeugen können. Im klassischen Druckergeschäft hatten wir das Glück, nie einem internationalen Wettbewerb ausgesetzt gewesen zu sein, da die entsprechenden Anlagen eben hier in der Schweiz stehen und somit auch vor Ort betreut werden müssen. Im Digitalisierungsgeschäft ist das nun anders – weshalb wir hier durch ein noch umfassenderes Qualitätsversprechen punkten. Dabei haben wir klar das Ziel vor Augen, uns als Anbieter zu eta­blieren, der das gesamte Dokumentenmanagement für den Kunden in einem übergreifenden Prozess abbilden kann. Das ist die Zukunft!

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