Bauprojekte für Menschen und Medizin

Interview mit Karsten Felsner, Geschäftsführer der Felsner Consult GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Felsner, Sie haben Felsner Consult 2015 gegründet – wie kam es dazu?

Karsten Felsner: Ich war zuvor bei einem mittelständischen Projektsteuerungsunternehmen im Krankenhausbau tätig, das später von einem großen Konzern übernommen wurde. Für mich als pragmatischen Projektsteuerer war diese Konzernwelt zu starr. Gleichzeitig gab es Bauherren, die mit uns weiterarbeiten wollten. Also habe ich den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt.

Wirtschaftsforum: Welche Projekte haben Sie besonders geprägt?

Karsten Felsner: Das Bettenhochhaus der Charité war unser Startpunkt – sozusagen unser Gesellenstück. Danach folgte der Neubau der Zentralen Medizinischen Funktionen in Rostock, wo wir ein ins Stocken geratenes Projekt wieder auf Kurs bringen konnten. Solche Erfahrungen haben uns in der Branche bekannt gemacht: Wir gelten als diejenigen, die Projekte anpacken, die in eine schwierige Lage geraten sind. Dieses

Vertrauen verdanken wir nicht zuletzt einem starken Netzwerk – viele Auftraggeber kommen später erneut auf uns zu, weil sie wissen, dass wir Pro­bleme lösen können.

Wirtschaftsforum: Was unterscheidet Ihre Arbeitsweise von der großer Projektsteuerer?

Karsten Felsner: Wir sind pragmatisch und lösungsorientiert. Große Unternehmen arbeiten sehr formal, mit viel Dokumentation und Prozessschritten. Das hat seine Berechtigung, aber wir gehen direkter vor. Wenn auf der Baustelle etwas schiefläuft, reden wir sofort mit allen Beteiligten – Bauherr, Architekt, Handwerker. Wir suchen gemeinsam Lösungen statt Schuldige. Diese direkte Kommunikation spart Zeit und schafft Vertrauen.

Wirtschaftsforum: Der Krankenhausbau gilt als besonders komplex. Was sind die größten Herausforderungen?

Karsten Felsner: Drei Punkte stechen heraus: Erstens sind viele Bauherren chronisch unterbesetzt. Große Kliniken haben schlicht zu wenig eigene Ressourcen, um solche Projekte zu stemmen. Zweitens ist die technische Komplexität enorm, von der Gebäudeautomation über die Medizintechnik bis zum Brandschutz. Drittens ist die Nutzersteuerung herausfordernd: In einem Krankenhaus reden Sie nicht mit einem Entscheider, sondern mit Dutzenden – Ärzten, Pflegeleitungen, Technikern. Alle haben berechtigte Ansprüche, die koordiniert werden müssen. Diese Vielschichtigkeit macht den Krankenhausbau einzigartig und spannend.

Wirtschaftsforum: Welche Leistungen deckt Felsner Consult ab?

Karsten Felsner: Wir gliedern unsere Arbeit in vier Bereiche: Projektmanagement, Nutzerprojektmanagement, Risikomanagement und Inbetriebnahmemanagement. Gerade der letzte Punkt ist im Krankenhausbau essenziell. Wenn ein Neubau technisch fertig ist, dauert es oft noch Monate, bis die Systeme stabil laufen. Diese Phase begleiten wir intensiv, damit am Ende alles funktioniert – vom OP bis zur Lüftungsanlage.

Wirtschaftsforum: Wie schätzen Sie die aktuelle Marktsituation ein?

Karsten Felsner: Wir blicken optimistisch in die Zukunft. Durch die Reformen im Gesundheitswesen entstehen große bauliche Veränderungen – Kliniken werden zusammengelegt, spezialisiert oder neu strukturiert. Das wird in den nächsten Jahren enorme Bauvolumina nach sich ziehen.

Wirtschaftsforum: Sie gelten als sehr digital aufgestellt – fast schon ungewöhnlich in der Baubranche.

Karsten Felsner: Das stimmt. Wir arbeiten heute fast ausschließlich papierlos. Früher standen unsere Flure voller Aktenordner, heute läuft alles digital über Plattformen und Aufgabenmanagement-Tools. Selbst öffentliche Auftraggeber wie die Berliner Senatsverwaltung arbeiten inzwischen mit solchen Systemen. Das spart Zeit, macht Abläufe transparent und sorgt dafür, dass unsere Ingenieure sich auf das Wesentliche konzentrieren können – nämlich das Projekt selbst.

Wirtschaftsforum: Wie gelingt es Ihnen, gute Mitarbeitende zu gewinnen und zu halten?

Karsten Felsner: Das ist tatsächlich die größte Herausforderung. Wir setzen auf Eigengewächse – junge Leute, die schon als Studierende bei uns anfangen und dann Schritt für Schritt Verantwortung übernehmen. Das funktioniert hervorragend. Unsere Unternehmenskultur spielt dabei eine große Rolle: Wir sind offen, kollegial und unterstützen uns gegenseitig. Bei uns hilft man einander, ohne dass jemand etwas anweisen muss. Dazu kommen Dinge wie unsere jährliche Büroreise. Zuletzt waren wir mit dem gesamten Team in Paris. Solche Erlebnisse schaffen Verbundenheit.

Wirtschaftsforum: Was wünschen Sie sich für die Zukunft Ihres Unternehmens und der Branche?

Karsten Felsner: Für uns selbst wünsche ich mir Stabilität statt Wachstum um jeden Preis. Eine Größe von rund 20 Mitarbeitenden passt perfekt – wir sind beweglich, effizient und nah dran an den Projekten. Für die Branche wünsche ich mir mehr Entbürokratisierung. Wenn wir wieder einfacher und schneller bauen könnten, wäre das ein Gewinn für alle – gerade im Gesundheitswesen, wo jeder Tag zählt.

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