Mediterraner Genuss

Interview mit Louis Weber, Geschäftsführer der HW Foods GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Weber, Sie haben HW Foods 2020 gegründet, unmittelbar zu Beginn der Pandemie. Wie war der Start?

Louis Weber: Ich habe die Firma im April 2020 gegründet. Die Spezialisierung auf griechische und zypriotische Molkereiprodukte hat familiäre Wurzeln: Mein Großvater, mein Vater und mein Onkel haben dieses Segment schon in den 1980er-Jahren aufgebaut, einschließlich einer eigenen Fabrik in Griechenland. Als unsere griechischen Partner nach dem Verkauf des Unternehmens auf mich zukamen, entstand die Idee zu HW Foods. Die Pandemie machte den Start zwar schwierig, aber die späteren Engpässe im Lebensmittelbereich führten dazu, dass wir mit verlässlichen Mengen schnell Abnehmer gewinnen konnten.

Wirtschaftsforum: Einer Ihrer ersten großen Kunden war Aldi. Wie kam es dazu?

Louis Weber: Wir konnten in der Ausschreibung im Jahr 2020 erste kleinere Mengen platzieren. Unser Partner LA FARM zählt zu den größten Feta-Herstellern Griechenlands und hatte auch während der Engpässe stabile Mengen. Das war ein großer Vorteil. Sechs Monate später erhielten wir deutlich größere Volumina, weil andere Lieferanten nicht liefern konnten. Kurz danach kam Kaufland hinzu. So ist das Geschäft rasch gewachsen.

Wirtschaftsforum: Heute zählen Lidl und Aldi zu Ihren wichtigsten Partnern. Welche Rolle spielen diese Beziehungen für Ihr Unternehmen?

Louis Weber: Eine sehr große. Rund 95% unseres Umsatzes entfallen auf Eigenmarken. Unsere jährlichen Ausschreibungen bei Aldi und Lidl entscheiden daher maßgeblich über unsere Volumina. Bei Lidl führen wir heute das größte Geschäft. Dieses wurde ursprünglich bereits durch unseren Partner LA FARM betrieben und später auf uns übertragen. Das Vertrauen der Einkäuferseite spielt dabei eine wichtige Rolle; der Name Weber ist im Bereich griechischer Molkereiprodukte vielen bekannt. 2025 konnten wir bei Aldi und Lidl die Mengen steigern. Trotz fallender Preise erreichen wir dadurch in diesem Jahr erstmals mehr als 100 Millionen EUR Umsatz. Insgesamt liefern wir dieses Jahr circa 16.000 t Käse aus.

Wirtschaftsforum: Welche He­rausforderungen erwarten Sie im kommenden Jahr?

Louis Weber: Der Markt ist schwierig. In Griechenland gab es eine Tierseuche, wodurch die Milchmenge zurückgeht und die Preise steigen. Zugleich fallen die Kuhmilchpreise. Das macht den Hirtenkäse, das Konkurrenzprodukt, günstiger, was Druck auf den Feta ausübt. Falls wir den Umsatz halten können, wäre das bereits ein Erfolg.

Wirtschaftsforum: Welche internen Schwerpunkte setzen Sie derzeit?

Louis Weber: Wir setzen vor allem auf Automatisierung. Angesichts der hohen Auftragsmengen wäre eine rein manuelle Bearbeitung nicht realistisch. Wir setzen stark auf EDI, arbeiten an weiteren Anbindungen und erwarten, dass KI-Funktionen sich bald stärker in unseren Systemen wiederfinden. Sie erhöhen die Effizienz und reduzieren Fehlerquoten.

Wirtschaftsforum: Wie gelingt es Ihnen, qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen?

Louis Weber: Wir hatten Glück – einige Kollegen kannte ich noch aus der früheren Firma, andere sind durch Bewerbungen zu uns gekommen. Entscheidender als spezifische Vorerfahrung ist die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und auch über den eigenen Aufgabenbereich hinauszudenken. Unser Team ist leistungsstark und belastbar. Ohne diese Struktur hätten wir die Entwicklung dieses Jahres nicht bewältigt.

Wirtschaftsforum: Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Erfolgsfaktoren von HW Foods?

Louis Weber: Zuverlässige Partner, hohe Qualität und ein schlanker, kosteneffizienter Aufbau. Wir müssen für unsere Kunden Mengen und Qualität gewährleisten können. Leere Regale sind für Händler inakzeptabel. Deshalb kalkulieren wir Ausschreibungen eher vorsichtig und setzen auf Stabilität statt auf Maximierung um jeden Preis.

Wirtschaftsforum: Wo möchten Sie HW Foods in fünf Jahren sehen?

Louis Weber: Wenn wir die heutige Größe stabil halten, wäre das für mich bereits ein großer Erfolg. Unser Geschäft hängt stark von Ausschreibungen ab. Deshalb rechne ich nicht mit dauerhaft exponentiellem Wachstum. Ein bis zwei kleinere neue Kunden pro Jahr wären ein realistischer und guter Weg. Wichtig ist, dass wir in den Segmenten bleiben, die wir fachlich beherrschen.

Wirtschaftsforum: Was treibt Sie persönlich an?

Louis Weber: Ich bin im Familienunternehmen groß geworden, und dieses Unternehmertum prägt mich. HW Foods ist mein eigenes Projekt, aufgebaut aus eigener Kraft und mit Unterstützung meiner Familie. Zu sehen, wie wir mit einem kleinen Team die größten Händler Europas beliefern und dass in vielen Ländern unsere Produkte im Regal stehen, motiviert mich jeden Tag.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

Software für den Praxisalltag

Interview mit Fabian Gundlach, Geschäftsführer der ergosoft GmbH

Software für den Praxisalltag

Aus einer Abrechnungssoftware für Psychotherapeuten ist bei ergosoft über drei Jahrzehnte eine umfassende Lösung für den Praxisalltag entstanden. Geschäftsführer Fabian Gundlach setzt auf Spezialisierung, engen Kundenkontakt und neue Technologien wie…

Schnell reagieren können

Interview mit Steven Herpichböhm, CTO der Gramß GmbH Kunststoffverarbeitung

Schnell reagieren können

Wie wird aus einem kleinen Familienbetrieb ein hochmoderner Kunststoffspezialist mit 150 Maschinen? Steven ­Herpichböhm, CTO der Gramß GmbH in Spechtsbrunn bei Sonneberg, kennt die Antwort. Im Interview spricht er über…

Der Airbag für Lithium-Ionen-Batterien

Interview mit Philipp Helmle, Geschäftsführer der LogBATT GmbH

Der Airbag für Lithium-Ionen-Batterien

Die Sicherheitsanforderungen an den Transport von Batterien für die Elektromobilität und ähnliche Anwendungsfelder sind immens: Seit 2017 entwickelt LogBATT aus dem Neckartal hierfür zielgerichtete Produkte für den gesamten Batterie­lebenszyklus von…

Spannendes aus der Region Main-Kinzig-Kreis

Weil weniger so viel mehr ist

Interview mit Markus Müller, Geschäftsführer der Re-uz Germany GmbH

Weil weniger so viel mehr ist

Rund 1.800 Festivals gibt es derzeit in Deutschland – und ihre Zahl wächst. Sie sind Kulturorte und Wirtschaftsmotor – und herausfordernd. Große Mengen an Müll, vor allem durch Einweggeschirr und…

Wenn gutes Essen Schule macht

Interview mit Michael Roder, Geschäftsführer OPAL Catering GmbH

Wenn gutes Essen Schule macht

Jeden Tag landen unzählige frisch zubereitete Mahlzeiten auf den Tellern von Kindern in Schulen und Kitas im Großraum Frankfurt. Hinter diesem täglichen Einsatz steht die OPAL Catering GmbH, ein regional…

Raum für Veränderung

Interview mit Benjamin von Schretter, Geschäftsführer, und Gabriele Tertilt, Head of Marketing der Adapteo GmbH

Raum für Veränderung

Schulen, Kitas, Industrieunternehmen und große Infrastrukturprojekte brauchen Räume, die schnell verfügbar sind und sich veränderten Anforderungen anpassen können. Genau hier setzt die Adapteo GmbH mit modularen Gebäudelösungen an. Geschäftsführer Benjamin…

Das könnte Sie auch interessieren

Weinkultur mit Weitblick

Interview mit Jürgen Lergenmüller, Geschäftsführer der Weinhaus Lergenmüller GmbH

Weinkultur mit Weitblick

Weniger Weinkonsum im Inland, veränderte Vorlieben jüngerer Zielgruppen und neue Chancen im Export setzen die Branche in Bewegung. Lergenmüller reagiert darauf mit leichteren Produkten, mehr Bioanbau und einer stärkeren internationalen…

Nahrhaft, schmackhaft, convenient

Interview mit Toma Marcinkeviciute, Geschäftsführerin

Nahrhaft, schmackhaft, convenient

Seit 2010 vertreibt die VG Handel GmbH die Produkte der litauischen VIČI-Gruppe in Deutschland. Insbesondere Surimi möchte das Unternehmen in nächster Zeit noch deutlich bekannter machen und als nahr- wie…

Spirituosen im Wandel

Interview mit Carola Scivetti, Trade Marketing Manager der Fratelli Francoli S.p.A.

Spirituosen im Wandel

Traditionelle Brennkunst, internationale Märkte und ein wachsender Fokus auf Nachhaltigkeit: Die italienische Destillerie Fratelli Francoli gehört zu den etablierten Familienunternehmen der Branche. Seit über einem Jahrhundert prägt sie die Produktion…

TOP