Zwischen Verbrenner-Aus und Technologieoffenheit

Interview mit Rudolf Becker, Geschäftsführer und Marvin Becker, Betriebsleiter der IVP IAVF-Volke Prüfzentrum für Antriebssysteme GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Becker, Ihr Unternehmen blickt auf eine lange Entwicklung zurück. Wie hat sich das IVP Prüfzentrum seit der Gründung entwickelt?

Rudolf Becker: Wir haben das Unternehmen offiziell zum 1. Januar 2000 gegründet und sind zunächst mit Prüfständen für Verbrennungsmotoren gestartet. Schon im ersten Jahr haben wir mehrere Anlagen aufgebaut. In den Folgejahren konnten wir unser Portfolio kontinuierlich erweitern. Ein wichtiger Meilenstein war die Zusammenarbeit mit Bugatti, für die wir seit Beginn sämtliche Prüfstandsentwicklungen im Motorenbereich begleiten. Später kamen Großmotoren sowie Funktionsentwicklungen hinzu, sodass wir zeitweise bis zu 29 Motorenprüfstände betrieben haben. Auf dieser gewachsenen Basis ist mit meinem Sohn Marvin bereits die nächste Generation im Unternehmen vertreten.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielen neue Technologien heute in Ihrem Portfolio?

Marvin Becker: Ein entscheidender Schritt war die Einführung von Abgas- und Rollenprüfständen, die seit 2018 im Einsatz sind. Diese können nicht nur klassische Emissionen messen, sondern auch Hybrid- und Elektrofahrzeuge abbilden. Aktuell erweitern wir unser Angebot um Prüfverfahren für Bremsenemissionen im Zuge der EU-7-Regularien. Damit reagieren wir gezielt auf neue gesetzliche Anforderungen und schaffen zusätzliche Geschäftsfelder.

Wirtschaftsforum: Aus welchen Branchen kommen Ihre wichtigsten Kunden?

Marvin Becker: Unsere Hauptkunden sind Automobilhersteller und Nutzfahrzeugproduzenten. Dazu zählen auch Off-Highway-Anwendungen wie Baumaschinen oder Traktoren. Rund 80% unseres Geschäfts machen wir direkt mit OEMs, der Rest entfällt auf Zulieferer, die bestimmte Entwicklungsleistungen auslagern.

Wirtschaftsforum: Wie schätzen Sie die aktuelle Marktsituation ein?

Rudolf Becker: Die größte He­rausforderung ist derzeit die Unsicherheit. Viele Entscheidungen hängen von politischen Rahmenbedingungen ab. Unternehmen warten ab, bevor sie investieren, was dazu führt, dass Projekte verzögert anlaufen oder zunächst zurückgestellt werden. Das erschwert die Planbarkeit erheblich. Gleichzeitig sehen wir aber auch Chancen, etwa durch neue Emissionsvorgaben wie EU 7, bei denen externe Prüfdienstleister stärker gefragt sein werden. Gerade in solchen Phasen zeigt sich, dass flexible und spezialisierte Anbieter eine wichtige Rolle spielen.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielen Digitalisierung und KI in Ihrem Alltag?

Marvin Becker: Die Systeme werden immer komplexer – wir sprechen heute von riesigen Datenmengen mit zehntausenden Parametern. Ohne Automatisierung und KI wäre das kaum noch zu bewältigen. KI hilft uns dabei, Prüfprogramme schneller zu erstellen und auszuwerten. Gleichzeitig versuchen viele Hersteller, mehr Simulationen durchzuführen, um reale Tests zu reduzieren.

Wirtschaftsforum: Über welche Kanäle kommen Sie mit Ihren Kunden in Kontakt?

Rudolf Becker: Klassische Messen spielen für uns kaum noch eine Rolle, da viele OEMs aus Kosten- oder Vorgabengründen nicht mehr reisen und die Entscheider dort oft fehlen. Unser Geschäft basiert deshalb vor allem auf bestehenden Netzwerken und Folgeaufträgen. Häufig kommen Projekte auch indirekt über Zulieferer zustande, die Entwicklungskapazitäten auslagern. Heute geht es vor allem darum, Kontakte gezielt zu pflegen.

Wirtschaftsforum: Was sind aus Ihrer Sicht die zentralen Herausforderungen für die Branche?

Rudolf Becker: Neben der politischen Unsicherheit ist es vor allem die Frage, welche Technologien sich langfristig durchsetzen. Wir plädieren klar für Technologieoffenheit. Entscheidend sollten die Emissionsziele sein – nicht der Weg dorthin. Ob diese durch Verbrenner, Hybridlösungen oder alternative Kraftstoffe erreicht werden, sollte offen bleiben. Nur so lassen sich wirtschaftliche und technologische Entwicklungen sinnvoll miteinander in Einklang bringen.

Wirtschaftsforum: Wie sehen Sie die Zukunft der Mobilität?

Rudolf Becker: Ich glaube nicht an eine einseitige Lösung. Die bestehende Fahrzeugflotte ist zu groß, um sie kurzfristig komplett zu ersetzen. Alternativen wie Biodiesel oder synthetische Kraftstoffe werden daher eine wichtige Rolle spielen, um bestehende Systeme weiter sinnvoll zu nutzen. Gleichzeitig sehe ich kritisch, dass moderne Fahrzeuge immer stärker von Software abhängig sind und dadurch an Nachhaltigkeit verlieren. Früher konnte ein Auto über Jahrzehnte hinweg genutzt und repariert werden – das wird zunehmend schwieriger. Diese Entwicklung muss man aus meiner Sicht durchaus hinterfragen.

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