„Wir wollen der Industriestandard für die Wasseraufbereitung werden!“

Interview mit Dr. Christian Göbbert, Managing Director der Nanostone Water GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Dr. Göbbert, Nanostone Water will die Zukunft der Wassersicherheit und -nachhaltigkeit maßgeblich mitgestalten – welcher Ansatz steht dabei im Zentrum Ihres Unternehmens? 

Dr. Christian Göbbert: Grundsätzlich gibt es viele Möglichkeiten, Wasser zu recyceln. Das Ziel besteht dabei stets darin, grobe Verschmutzungen zu entfernen – beziehungsweise in unserem Fall auch Mikroorganismen, also Viren und Bakterien. Dazu setzen wir ein besonderes Filtrationsmedium in Form einer Keramik ein – die dieser Lösung zugrundeliegenden physikalischen Prozesse kannten schon die alten Römer, die damit Hefe aus ihrem Wein herausfilterten. Unsere spezielle Keramik ist natürlich deutlich diffiziler und kann dank einer Porengröße von 30 nm auch eine verlässliche Entfernung von kleinsten Verunreinigungen und Mikroorganismen gewährleisten. 

Wirtschaftsforum: Wo kann Ihre Membran eingesetzt werden? 

Dr. Christian Göbbert: Grundsätzlich immer dort, wo sauberes Wasser gebraucht wird, sofern (im Falle unserer kleinsten Anlage) ein Durchfluss von mindestens 5.000 l pro Stunde gewährleistet ist. Angefangen haben wir mit der Aufbereitung von Industriewasser in China, nachdem der Staat dort vor einigen Jahren strenge Auflagen gegen Luft- und Wasserverschmutzung erlassen hatte. In diesem Zuge ist unser Produkt inzwischen in der Halbleiterindustrie, im Bergbau und im Kraftwerkssegment stark vertreten – Anwendungsfelder, für die es im Vergleich zu herkömmlichen Kunststoffmembranen nicht zuletzt dank seines robusten Materials hervorragend geeignet ist und wo es nun verlässlich dafür sorgt, das Industriewasser als wertvolle Ressource so aufzubereiten, dass es wieder in den Prozess zurückgeführt werden kann. 

Wirtschaftsforum: Ursprünglich hatten Sie mit Ihrer Lösung jedoch die Trinkwasserherstellung ins Auge gefasst. 

Dr. Christian Göbbert: Auch dort kommt unsere Technologie inzwischen zum Einsatz, unter anderem in großen Aufbereitungsanlagen in den USA und auf den Philippinen. In beiden Märkten werden wir demnächst noch weitere Projekte umsetzen. Darüber hinaus wird unsere Keramikmembran mittlerweile auch zur Vorfiltration für die Meerwasserentsalzung im Nahen Osten angewendet – und auch in der kommunalen Abwasseraufbereitung sehen wir ein starkes Einsatzfeld, insbesondere vor dem Hintergrund der verpflichtenden Einführung einer vierten Reinigungsstufe. Gerade in Deutschland ist dieser Markt jedoch bisweilen sehr konservativ geprägt, wobei im Rahmen der Pilotierung oftmals eine Versuchsanlage ein ganzes Jahr lang im Nebenstrom betrieben wird, um zu jeder Jahreszeit die Leistung zu erfassen, bevor dann über eine Investition entschieden wird – angesichts der begrenzten Verfügbarkeit von Pilotcontainern bindet das leider viele Ressourcen. 

Wirtschaftsforum: Mit welchen Innovationen beschäftigt sich Nanostone Water derzeit? 

Dr. Christian Göbbert: Inzwischen ist es uns gelungen, ein neues Produkt zu entwickeln, das bei gleichen äußeren Ausmaßen und chemischen Zusammensetzungen mindestens 40% mehr Leistung erbringt als unsere bestehende Lösung und dabei noch kompakter verbaut werden kann. Nachdem wir Ende 2024 erste Prototypen in den realen Umgebungen unserer Kundenanwendungen verifizieren und validieren konnten, werden wir ab Anfang 2026 mit den ersten Verkäufen beginnen können. Darüber hinaus haben wir uns bereits während der Coronapandemie intensiv Gedanken über die weitere Skalierung unserer Produktionskapazitäten gemacht und in diesem Zuge einen Plan für ein Werk mit fünffach höherer Leistung und einer vollständigen Automatisierung entworfen, wo wir bei gleichbleibendem Qualitätsstandard deutlich größere Mengen unserer Produkte zu einem günstigeren Preis herstellen können werden. Zukünftig blicken wir damit außerordentlich starken Wachstumsmöglichkeiten entgegen. 

Wirtschaftsforum: Welche Ziele haben Sie für die nächsten Jahre ins Auge gefasst? 

Dr. Christian Göbbert: Wir wollen weltweit der Industriestandard für die Wasseraufbereitung werden – das ist ambitioniert, aber erreichbar. Natürlich möchten wir auf diesem Wege auch unseren eigenen produktionsbedingten Carbon Footprint weiter senken – bis 2030 etwa um weitere 10% – und perspektivisch auch ein Recyclingsystem für unsere Produkte etablieren, wenn sie nach Jahrzehnten einmal das Ende ihrer Lebensdauer erreicht haben werden. Mit Acuriant Technologies, Inc. gehört Nanostone Water inzwischen einem amerikanischen Investor an, übrigens zusammen mit Solecta, einem Hersteller von Polymembranen zur Wasserfiltration, mit dem wir uns gut ergänzen. Perspektivisch hoffen wir auf den Markteintritt weiterer Unternehmen, die vergleichbare Technologien wie unsere anbieten – nicht nur weil Konkurrenz das Geschäft belebt, sondern weil ein Unternehmen allein die Herausforderungen bei der nachhaltigen Wasseraufbereitung nicht wird stemmen können.

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