Repowering als Schlüssel für eine erfolgreiche Energiewende

Interview mit Prof. Dr. Werner Süss, CEO der NeXtWind Management GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Prof. Dr. Süss, Sie sind Mitgründer und Co-CEO der NeXtWind Management GmbH. Wie kam es zur Gründung des Unternehmens und welchen Hintergrund bringen Sie persönlich mit?

Prof. Dr. Werner Süss: Ich bin Jurist und seit über 25 Jahren in der deutschen Energiewirtschaft tätig. Unter anderem habe ich den Vertrieb von Vattenfall in Deutschland und Mitteleuropa geleitet. Später bin ich in den Private Equity-Bereich gewechselt und habe gemeinsam mit meinen Mitgründern NeXtWind aufgebaut. Heute beschäftigen wir rund 120 Mitarbeitende am Standort Berlin. Unsere Idee war es, ältere Windparks zu übernehmen und durch moderne Anlagen zu ersetzen.

Wirtschaftsforum: Ihr Geschäftsmodell basiert auf dem sogenannten Repowering. Was bedeutet das konkret?

Prof. Dr. Werner Süss: Viele der ersten Windräder in Deutschland stammen aus den 1990er-Jahren und erreichen nach etwa 20 bis 25 Jahren das Ende ihres Lebenszyklus. Sie gehören häufig Privatpersonen, Bürgerwindparks oder kleineren Projektentwicklern. Wir kaufen solche Anlagen, betreiben sie zunächst weiter und entwickeln anschließend neue Windparks mit moderner Technologie. Dabei entstehen größere und effizientere Anlagen, die deutlich mehr Strom erzeugen.

Wirtschaftsforum: Welche Vorteile bietet dieses Modell?

Prof. Dr. Werner Süss: Repowering hat mehrere Vorteile: Es gibt historische Winddaten, oft eine vorhandene Netzinfrastruktur und meist auch Akzeptanz vor Ort. Politisch wird Repowering häufig bevorzugt, weil bestehende Standorte genutzt werden und der Widerstand geringer ist als bei neuen Projekten. Dennoch müssen wir alle Genehmigungsverfahren neu durchlaufen. Sollte ein Projekt einmal nicht umgesetzt werden können, lässt sich der bestehende Windpark weiter betreiben.

Wirtschaftsforum: Wie weit ist NeXtWind mit dieser Strategie?

Prof. Dr. Werner Süss: Wir haben rund 235 ältere Turbinen an etwa 40 Standorten übernommen. Viele Projekte befinden sich im Genehmigungsverfahren oder im Bau. Insgesamt arbeiten wir derzeit an knapp 300 neuen Anlagen – durch Repowering bestehender Parks und durch neue Greenfield-Standorte. Die ersten repowerten Anlagen sind bereits am Netz.

Wirtschaftsforum: Der Ausbau erneuerbarer Energien erfordert hohe Investitionen. Wie ist Ihr Unternehmen finanziert – und wie wird der erzeugte Strom vermarktet?

Prof. Dr. Werner Süss: NeXtWind ist ein Private Equity-finanziertes Unternehmen. Wir haben rund 750 Millionen USD Eigenkapital eingesammelt und verfügen zusätzlich über eine Finanzierungslinie von etwa 1,8 Milliarden EUR durch ein Konsortium aus 15 internationalen Banken. Diese Kapitalbasis ermöglicht uns den Erwerb bestehender Windparks und den Ausbau neuer Projekte. Der erzeugte Strom wird in der Regel nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz eingespeist; die Vergütung wird über ein Auktionsverfahren festgelegt und gilt derzeit etwa 20 Jahre. Zunehmend entstehen auch direkte Stromabnahmeverträge mit Industriekunden, sogenannte Power Purchase ­Agreements.

Wirtschaftsforum: Welche Per­spektiven sehen Sie für Ihr Unternehmen und die Branche?

Prof. Dr. Werner Süss: Onshore-Wind ist heute mit rund 40% Marktanteil die größte Stromerzeugungsquelle in Deutschland. Neben dem Klimaschutz gewinnt vor allem die Versorgungssicherheit an Bedeutung, weil erneuerbare Energien die Abhängigkeit von Energieimporten verringern. Gleichzeitig stärken sie die dezentrale Stromversorgung. Für uns bedeutet das weiterhin Wachstumspotenzial. Wir konzentrieren uns klar auf Windenergie in Deutschland und wollen unsere Projekte weiter ausbauen.

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