„Bullshit-Bingo bringt niemanden weiter“

Interview mit Eric Seitz, Geschäftsführer der PARTNERSEITZ GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Seitz, PARTNERSEITZ bezeichnet sich als Agentur für Patient Partnership. Was steckt dahinter?

Eric Seitz:Wir bringen Menschen zusammen, die früher oft übereinander statt miteinander gesprochen haben. Unternehmen entwickeln Produkte oder Services für Betroffene – aber viele Entscheidungen wurden lange ohne die Betroffenen getroffen. Genau da setzen wir an. Wir schaffen Räume, in denen Unternehmen, Patientencommunities, Ärzte und Institutionen auf Augenhöhe zusammenarbeiten können. Das klingt erstmal selbstverständlich, war und ist es aber nicht.

Wirtschaftsforum: Warum ist diese Perspektive so wichtig?

Eric Seitz: Weil man sonst an den eigentlichen Bedürfnissen vorbeientwickelt. Ich komme selbst aus der Unternehmensberatung. Da saßen dann zehn Leute im Raum – Pharma, Kreativagentur, Berater –, alle hochprofessionell. Aber niemand hatte jemals mit einem Betroffenen gesprochen. Das war früher normal. Heute wissen wir: Wenn du Lösungen entwickeln willst, musst du die Menschen einbeziehen, die später damit leben.

Wirtschaftsforum: Wo zeigt sich das konkret?

Eric Seitz: Zum Beispiel in der Sprache. Pharmaunternehmen sprechen oft davon, dass Menschen „an einer Erkrankung leiden“. Viele Betroffene sagen aber: „Ich leide nicht, ich lebe damit.“ Das verändert alles. Oder nehmen wir die Onkologie: Ärzte priorisieren bei Therapien oft ausschließlich die Wirksamkeit. Betroffene sagen dagegen manchmal ganz klar: „Mit massivem Haarausfall mache ich diese Therapie nicht.“ Da geht es um Identität, Selbstbild, Alltag. Genau diese Perspektiven müssen sichtbar werden.

Wirtschaftsforum: Das Unternehmen wächst seit Jahren stark. Warum gewinnt das Thema gerade jetzt an Bedeutung?

Eric Seitz: Weil Patienteneinbindung kein Nice-to-have mehr ist. Unternehmen merken, dass bessere Lösungen entstehen, wenn man Betroffene früh einbindet. Und auch die Communities selbst werden lauter, stärker und professioneller. Früher gab es klassische Selbsthilfeorganisationen. Heute entstehen zusätzliche große Communities wie „YesWeCancer“ oder „LOUDRARE“, die Themen öffentlich machen und Druck erzeugen. Das verändert den gesamten Markt.

Wirtschaftsforum: Sie setzen dabei bewusst auf einen anderen Stil als viele klassische Healthcare-Agenturen.

Eric Seitz: Absolut. Wir sind laut, direkt und manchmal auch rotzig. Wir duzen uns alle – egal ob Geschäftsführer, Arzt oder Betroffene. Dieses ganze Chichi und Bullshit-Bingo hilft doch niemandem weiter. Wir wollen echte Gespräche führen. Vielleicht ist das auch der Punkrock in mir. Ich spiele selbst in einer Punkrockband. Diese Haltung prägt schon auch unsere Arbeit: ehrlich, direkt, laut aber immer konstruktiv.

Wirtschaftsforum: Welche Themen treiben Sie aktuell besonders um?

Eric Seitz: Wir arbeiten gerade stark an Standards für gute Patienteneinbindung. Viele Unternehmen wollen mit Betroffenen arbeiten, haben aber Berührungsängste. Deshalb entwickeln wir Handlungsempfehlungen für Co-Creation und Patient Partnership. Es geht um Transparenz, Vergütung, Barrierefreiheit und respektvolle Zusammenarbeit. Im Grunde sagen wir: Macht es offen, ehrlich und partnerschaftlich. Dann entsteht Vertrauen.

Wirtschaftsforum: Was motiviert Sie persönlich nach über zwölf Jahren noch immer?

Eric Seitz: Ich liebe meinen Job. Ich sehe Probleme – und ich sehe, dass wir sie lösen können. Dafür haben wir ein großartiges Team, starke Netzwerke und die richtigen Skills. Natürlich wollen wir wirtschaftlich erfolgreich sein. Aber gleichzeitig wollen wir Dinge verändern. Vielleicht ist das tatsächlich so ein bisschen wie bei Robin Hood: Wir holen das Geld von den Pharmaunternehmen, um gute Sachen für die Betroffenen-Communities damit zu machen.

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