Handeln – nicht erst, wenn‘s brennt!

Interview mit Christian Kühn (li.), Geschäftsführer und Marius Schanz, Prokurist der Schlentzek & Kühn GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Kühn, Herr Schanz, die Firma Schlentzek & Kühn gibt es seit 1995. Wie kam es zur Gründung?

Christian Kühn: Die 1990er-Jahre waren eine spannende Zeit. Der anlagentechnische Brandschutz steckte noch in den Kinderschuhen, vieles war freiwillig, wenig war standardisiert. Mein Partner Frank Schlentzek und ich hatten zuvor in einem Unternehmen gearbeitet, das schon Mitte der 1980er-Jahre in diesem Bereich aktiv war. Aus dieser Erfahrung heraus entstand die Idee, gemeinsam mit Herstellern eigene Lösungen für sehr unterschiedliche Anforderungen und Gebäudearten zu entwickeln. Das war echte Pionierarbeit. 

Wirtschaftsforum: Herr Schanz, wie kamen Sie dazu?

Marius Schanz: Ich bin 2012 als Techniker eingestiegen. Über Projektleitung und Vertrieb habe ich viele Bereiche im Unternehmen durchlaufen und bin 2024 Prokurist geworden. Bald werde ich auch in die Geschäftsleitung eintreten. Das Unternehmen lebt davon, dass Wissen aufgebaut und weitergegeben wird. Viel Erfahrung entsteht im Objekt, nicht im Lehrbuch.

Wirtschaftsforum: Sie sprachen die Besonderheiten an. Was macht Ihren Markt so anspruchsvoll?

Christian Kühn: Im Brandschutz ist kaum ein Projekt wie das andere. Ein Flughafen stellt andere Anforderungen als eine Mülldeponie oder eine Schule. Die Sensorik muss mit Temperatur, Staub, chemischen Belastungen oder klimatischen Unterschieden zurechtkommen. Produkte gibt es zwar viele, aber die Kunst liegt in ihrer Kombination und der Bewertung der Risiken. Wir schaffen individuelle Lösungen, die auch von Prüfsachverständigen bewertet werden. Brandschutz ist ein stabiles Segment, denn er wird immer gebraucht.

Wirtschaftsforum: Wer sind Ihre Kunden?

Marius Schanz: Hauptsächlich Betreiber von Gewerbe- und Industriegebäuden sowie öffentliche Auftraggeber. Vieles läuft über Vertrauen und Weiterempfehlung, aber auch über Messen und digitale Kanäle. Unsere Einsatzgebiete reichen vom Gewerbe-, Wohnungs- und Industriebau bis hin zu Sonderbauten wie Schulungsstätten, Einkaufszentren oder Stadien. Früher waren wir stärker im Neubau tätig, heute gibt es viel Nachfrage bei Bestandsgebäuden. Das ist oft aufwendig, vor allem, wenn keine Dokumentation vorhanden ist.

Wirtschaftsforum: Nachhaltigkeit ist für alle ein Thema. Welche Rolle spielt sie bei Ihnen?

Christian Kühn: Eine große. Moderne elektronische Systeme ersetzen in manchen Fällen bauliche Maßnahmen und sparen damit CO2-intensiven Beton. Zudem ist unsere Anlagentechnik sehr langlebig und kann am Ende überarbeitet und wieder in den Kreislauf gebracht werden. Europäische Vorgaben verlangen künftig von jedem Produkt einen Nachhaltigkeitsnachweis. Wir haben bereits unseren CO2-Fußabdruck ermitteln lassen und optimieren laufend Prozesse und Materialien.

Wirtschaftsforum: Und die Digitalisierung?

Marius Schanz: Smart Home ist simpel, Smart Building hochkomplex. Es gibt Sicherheitsbarrieren, Datenschutzanforderungen und strikte Normen. Wir nutzen deshalb spezialisierte Cloud-Anbieter und nicht etwa Standardlösungen wie Microsoft. Die Möglichkeiten wachsen enorm, und auch KI wird künftig eine Rolle spielen, in Form intelligenter Algorithmen, nicht als Spielerei.

Wirtschaftsforum: Wie begegnen Sie dem Fachkräftemangel?

Christian Kühn: Den gibt es bei uns schon seit den 1990er-Jahren – weil es unseren Beruf schlicht nicht gibt. Wir stellen Menschen mit technischen Grundlagen ein, schulen sie und entwickeln sie weiter. Gemeinsam mit Herstellern und der IHK haben wir Zusatzqualifikationen geschaffen, etwa die Juniorfachkraft für anlagentechnischen Brandschutz (IHK). Unsere Azubis durchlaufen diese Programme parallel zur Ausbildung.

Wirtschaftsforum: Wohin entwickelt sich Ihr Unternehmen in den kommenden Jahren?

Marius Schanz: Die Themen werden integrativer, die Gebäude komplexer, die Anforderungen dynamischer. Digitalisierung und KI bringen neue Chancen, sowohl technisch als auch für Mitarbeitende, die künftig digitale Assistenten an ihrer Seite haben. Gleichzeitig steigt das Nutzungsspektrum von Gebäuden. Das macht den Markt spannender, aber auch herausfordernder.

Christian Kühn: Unsere Aufgabe wird sein, Technologien sinnvoll einzusetzen, Risiken zu erklären und Lösungen zu schaffen, die zwischen minimalem Standard und Hochtechnologie funktionieren. Sicherheit wird politisch und gesellschaftlich immer wichtiger. Das eröffnet uns eine stabile und zugleich sehr innovative Zukunft.

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