Ausbildung im Umbruch: Warum klassische Steuerung heute nicht mehr reicht

Die duale Ausbildung gilt mit Fug und Recht seit vielen Jahrzehnten als tragende Säule der Nachwuchssicherung. Praxisnah, stabil, international respektiert. Gleichsam spüren viele Unternehmen nicht erst seit Kurzem, dass sich Ausbildung im Alltag zunehmend schwieriger steuern lässt. Konflikte entstehen früher, Erwartungen prallen schneller aufeinander, Abbrüche nehmen zu – 2025 mit 30 Prozent ein neuer Negativrekord. Dabei liegt das Problem selten an mangelndem Engagement, sondern häufig an Strukturen, die mit den veränderten Rahmenbedingungen nicht mehr Schritt halten; wobei oft nicht erkannt wird, dass es überhaupt strukturelle Probleme gibt.

Ausbildung heute: Wie die veränderten Rahmenbedingungen wirken

Zwischen Theorie und Praxis gibt es auch beim Thema Ausbildung einen breiten Graben:

Viele Leser dürften es kennen: In zahlreichen Branchen und Unternehmen stünden deutlich mehr Ausbildungsplätze zur Verfügung, als es Bewerber gibt – und nicht selten hört man Klagen über Qualifikation, Motivation und Arbeitsauffassung. Diese heutige Realität verändert die Dynamik auch innerhalb des jeweiligen Hauses nachhaltig.

Hinzu kommt: Heutige Azubis der Generation Alpha und der letzten Vertreter der Generation Z sind deutlich informierter, vernetzter und sensibler für Themen wie Arbeitszeit, Wertschätzung und Transparenz, als es frühere Generationen waren. In der Folge steigen die Erwartungen an Kommunikation und Feedback, während gleichzeitig die Akzeptanz klassisch-hierarchischer Ausbildungssteuerung sinkt. Ausbildung an sich wird dadurch für Unternehmen schwieriger, weniger planbar und erklärungsbedürftiger.

Hinweis: Die häufig zu hörenden Klagen, wonach frühere Azubi-Generationen „besser" gewesen seien, lassen sich keinesfalls pauschal auf alle gestrigen und heutigen Auszubildenden übertragen. Was stimmt, ist, dass heutige junge Menschen deutlich anders sozialisiert sind. Zusammen mit veränderten Rahmenbedingungen, mehr Heterogenität und Erwartungshaltungen fühlt sich das oft bloß „schlechter" an.

Wenn die klassische Steuerungslogik an ihre Grenzen stößt

Die Reaktion vieler Betriebe auf diese „neue Generation" von Azubis ist oft eine Kombination aus mehr Regeln, mehr Kontrolle oder engerer Führung.

Grundgedanke: Werden Abläufe klarer definiert und enger gesteuert, lassen sich Unsicherheiten und daraus resultierende Konflikte besser beherrschen. In der Praxis führt aber just dieses Vorgehen häufig zum Gegenteil des Gewünschten. Erkennen lässt sich dies an einigen typischen Symptomen:

Jedoch: Die Ursache dafür liegt weniger in fehlender Kompetenz als in fehlenden oder unklaren Schnittstellen. Ausbildung ist kein isolierter Prozess mehr, sondern ein Zusammenspiel aus Ausbildung, Fachbereich, Personalabteilung und betrieblichen Interessenvertretungen.

Typische Bruchstellen im Ausbildungsalltag

Dabei lässt sich eines ganz klar feststellen: Viele Konflikte in der Ausbildung wiederholen sich, unabhängig von Branche oder Unternehmensgröße. Häufig geht es um dieselben Themen:

Häufige Konfliktthemen

  • Abgrenzung von Ausbildungs- und Facharbeit
  • Arbeits- und Berufsschulzeiten
  • Verantwortlichkeiten in Fachabteilungen
  • Einfinden in eine völlig neue Alltagsstruktur
  • Fehlendes oder widersprüchliches Feedback
  • Unsicherheit im Umgang mit Regelverstößen

Solche Bruchstellen entstehen selten aus Absicht. Meist sind sie Folge von Zeitdruck, wechselnden Ansprechpartnern oder fehlender Abstimmung – nicht besser wird es, wenn ein junger Mensch aus rein biologischen Gründen noch in der Entwicklung steckt und deshalb schlichtweg anders denkt und handelt als Kollegen, die nur wenige Jahre älter sind.

Dabei gilt jedoch unabhängig von den Ursachen eine Grundregel: Je früher diese Bruchstellen adressiert werden, desto geringer ist der Aufwand zu ihrer Klärung und desto kleiner das Risiko für „richtige" Eskalation. Damit einher geht eine Notwendigkeit:

Früherkennung statt Spätreaktion

Berufsausbildung ist aus dreierlei Gründen ein komplexes Problem:

Im Gegensatz zu Problemen bei bzw. mit fertig ausgebildeten Arbeitnehmern gelten hier (etwas) andere Regeln. Vor allem ist es entscheidend, Probleme frühzeitig zu erkennen und zu reagieren. Andernfalls können sich kleine Unstimmigkeiten schnell zu grundsätzlichen Vertrauensfragen entwickeln.

Informelle Gespräche reichen dafür oft nicht mehr aus – vor allem in größeren Organisationen oder bei wechselnden Ansprechpartnern. Moderne Ausbildungssteuerung setzt deshalb stärker auf strukturierte Beteiligung und klar definierte Rollen. Ziel ist jedoch keinesfalls Kontrolle, sondern Übersetzung. Namentlich zwischen Erwartungen der Auszubildenden und betrieblichen Anforderungen.

Jugend- und Auszubildendenvertretung als Teil moderner Ausbildungssteuerung

In diesem Zusammenhang bekommt auch die Jungend- und Auszubildendenvertretung (JAV) eine erweiterte Rolle. Denn nicht nur ist sie rechtlich sowieso vorgesehen und organisatorisch bereits verankert, sondern sie ist in den meisten Häusern diejenige Stelle, die am nächsten an den Auszubildenden „dran" ist. Richtig eingebunden kann sie deshalb eine stabilisierende Rolle als vermittelnde Instanz einnehmen – nicht nur als Gegenpol zum Unternehmen:

Voraussetzung dafür ist jedoch ein klares Rollenverständnis und ausreichende Qualifikation. Ohne Wissen über Rechte, Pflichten und Grenzen und eine zeitgenössische Herangehensweise besteht die Gefahr von Inakzeptanz, Unsicherheit oder Reibung. Dementsprechend setzen viele Unternehmen darauf, dass JAV-Mitglieder gezielt und professionell geschult werden. Nicht nur in klassischen JAV-Themen, sondern ebenso rund um das praktische Know-how im täglichen Umgang mit Azubis und Führungskräften – etwa durch die bekannten JAV-Seminare des renommierten Anbieters Poko.

Qualifikation schafft Ordnung im System Ausbildung

Der Umgang mit Ausbildung ist heute zweifelsohne komplexer als früher. Neben fachlichen Anforderungen spielen rechtliche Aspekte, Kommunikation und Erwartungsmanagement eine größere Rolle. Unklare Zuständigkeiten führen dabei schnell zu Konflikten und diese wiederum zu unnötigen Kosten und weiteren Problemen. Qualifikation aller Beteiligten wirkt hier als eine Art Ordnungsfaktor. Denn sie schafft…

Das gilt nicht nur für Ausbilder und Führungskräfte, sondern für alle Akteure im Ausbildungssystem. Schulung ist damit weniger eine Pflichtübung als vielmehr eine Investition in Prozessstabilität.

Fazit: Ausbildung erfolgreich steuern und Probleme meistern

Ausbildung ist und bleibt ein zentraler Hebel zur Sicherung des Fachkräftebedarfs. Gleichsam erfordert sie heute andere Steuerungsmechanismen als noch vor einigen Jahren. Beteiligung, Kommunikation und Qualifikation sind dabei keine weichen Faktoren mehr, sondern harte betriebswirtschaftlich relevante Stellschrauben.

Unternehmen, die ihre Ausbildungsstrukturen anpassen, profitieren mehrfach: Von geringeren Abbruchquoten, stabileren Prozessen und einer höheren Bindung junger Fachkräfte – im Idealfall weit über die Ausbildung hinaus. Klassische Steuerung wird dadurch nicht ersetzt, sondern ergänzt durch Strukturen, die dem heutigen Ausbildungsalltag und den Auszubildenden einfach besser gerecht werden.

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