Infrastruktur als Klimafaktor

Interview mit Timon Pott, Geschäftsführer und Gesellschafter der HanseGrand Klimabaustoffe GmbH & Co. KG

Wirtschaftsforum: Städte heizen sich auf, Starkregen wird zum Risiko, Versiegelung zum Problem. Vieles, was lange als Fortschritt galt, wird heute kritisch hinterfragt. Rücken die Lösungen von HanseGrand damit stärker in den Fokus?

Timon Pott: Ja, absolut. Unsere Themen sind heute relevanter denn je. Wir beschäftigen uns seit vielen Jahren mit der Frage, wie sich Infrastruktur so gestalten lässt, dass sie nicht nur funktioniert, sondern gleichzeitig Klima, Wasserhaushalt und Lebensqualität verbessert. Was heute unter Begriffen wie Schwammstadt oder klimaangepasstes Bauen diskutiert wird, gehört im Kern schon lange zu unserem Selbstverständnis. Insofern erleben wir gerade, dass ein früher eher spezielles Thema in der Mitte der gesellschaftlichen Debatte angekommen ist.

Wirtschaftsforum: HanseGrand versteht sich als Anbieter für die blau-grüne Infrastruktur. Was genau bedeutet das?

Timon Pott: Blau-grüne Infrastruktur heißt, Wasser, Vegetation und gebaute Flächen gemeinsam zu denken. Es geht darum, Außenräume so zu gestalten, dass sie Regenwasser aufnehmen, speichern und über Verdunstung wieder wirksam machen können. Unsere Lösungen kommen vor allem bei Radwegen, Parkanlagen, Plätzen oder kommunalen Flächen zum Einsatz – also überall dort, wo man bewusst nicht maximal versiegelt bauen muss. Ich nenne das gern sanfte Infrastruktur: funktional, aber gleichzeitig klimaadaptiv.

Wirtschaftsforum: Worin liegt das Besondere an Ihrem Ansatz?

Timon Pott: Wir sind technischer Lösungspartner, nicht einfach Baustofflieferant. Wir sprechen häufig schon 18 bis 24 Monate vor einer Ausschreibung mit Kommunen, Planern oder Landschaftsarchitekten über die richtige Bauweise, technische Details und die langfristige Funktion einer Fläche. Gerade bei wassergebundenen oder halbgebundenen Systemen ist viel Know-how gefragt. Viele Auftraggeber suchen nachhaltige Lösungen, brauchen dafür aber einen Partner, der sie technisch begleitet – genau diese Rolle übernehmen wir. Ein zentraler Vorteil unserer Systeme ist die Entsiegelung. Unsere Oberflächen sind wasser- und luftdurchlässig, sodass Regenwasser vor Ort gespeichert wird, statt sofort abzufließen. Das hilft, Bäume zu erhalten, verbessert das Mikroklima und reduziert Hitzeinseln. Gerade bei Baumstandorten ist das entscheidend, da typische Wurzelaufbrüche, wie sie bei Asphaltflächen auftreten, vermieden werden. Gleichzeitig entsteht ein wirtschaftlicher Effekt: Im Wohnungsbau können entsiegelte Flächen dazu beitragen, Grundstücke effizienter zu nutzen. Sie werden oft weniger stark auf die zulässige Versiegelung angerechnet und schaffen so zusätzlichen baurechtlichen Spielraum.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt dabei Innovation?

Timon Pott: Eine sehr große. HanseGrand wurde 2003 gegründet und war von Anfang an stark innovationsgetrieben. Zu unserem Selbstverständnis gehört es, mit natürlichen, regionalen Rohstoffen nachhaltige Lösungen zu entwickeln – möglichst ohne Zement, Bitumen oder Chemie und mit entsprechend nachweisbarer Ökobilanz. Ein aktuelles Beispiel ist unsere Hydrotragschicht. Sie kann deutlich mehr Wasser speichern als klassische Systeme und es später wieder nach oben abgeben. Damit lässt sich Wasser lokal halten und zur Kühlung der Umgebung nutzen – ein wichtiger Baustein für klimaangepasstes Bauen.

Wirtschaftsforum: Was macht dieses Thema heute so relevant für unsere Lebensräume?

Timon Pott: Die Bedeutung ist enorm, weil es hier nicht nur um technische Fragen geht, sondern ganz unmittelbar um Lebensqualität. Wir sprechen über Hitze in Städten, über den Umgang mit Starkregen, über den Erhalt von Bäumen und Grünflächen – also über Themen, die jeden betreffen und den Alltag in unseren Lebensräumen direkt beeinflussen. Infrastruktur muss heute mehr leisten als früher: Sie soll funktionieren, aber gleichzeitig Wasser aufnehmen, speichern und zur Kühlung beitragen. Damit wird sie zu einem aktiven Bestandteil klimaangepasster Stadtentwicklung. Genau dort setzen unsere Lösungen an. Was lange eher ein Randthema war, entwickelt sich zunehmend zu einer zentralen gesellschaftlichen Aufgabe – und das spüren wir sehr deutlich in der Nachfrage und in den Gesprächen mit Kommunen und Planern.

Wirtschaftsforum: Wie sehen Sie die weitere Entwicklung von HanseGrand?

Timon Pott: Wir werden unser Produktportfolio gezielt ausbauen, um noch mehr Lösungen für klimaangepasstes Bauen, Wassermanagement und Entsiegelung anbieten zu können. Gleichzeitig treiben wir die Internationalisierung voran, denn die Herausforderungen sind längst nicht mehr regional, sondern global. Für mich persönlich ist entscheidend, dass wir an Lösungen arbeiten, von denen wir überzeugt sind. Wir führen viele Gespräche, die durchweg positiv verlaufen, weil es um gesellschaftlich relevante Zukunftsthemen geht. Diese Verbindung aus Sinnhaftigkeit und unternehmerischer Gestaltungsmöglichkeit ist für mich der zentrale Antrieb. 

HanseGrand Klimabaustoffe GmbH & Co. KG
Haaßeler Kamp 3
27446 Selsingen
Deutschland
Tel.: +49 4284 926850
mail@hansegrand.com
www.hansegrand.com

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