Wenn der Bundespräsident kommt: Die Games-Branche ist im Maschinenraum der Wirtschaft angekommen

Es gab Minister. Es gab Staatssekretäre, Landeschefs, Empfänge mit Sektgläsern und Fototerminen am Messestand. Was es in 17 Jahren gamescom nie gab: einen Bundespräsidenten. Am 27. August 2026 ändert sich das. Frank-Walter Steinmeier eröffnet den gamescom congress mit einer Keynote und nimmt anschließend an einer Podiumsdiskussion über die Rolle von Games in der Demokratie teil — als erstes deutsches Staatsoberhaupt, das die gamescom überhaupt besucht. Danach geht er über das Messegelände in Köln, im direkten Austausch mit Entwicklerinnen, Entwicklern und Community. Man kann das als Symbolpolitik abtun. Das wäre ein Fehler. Wenn das höchste Staatsamt der Bundesrepublik zum ersten Mal überhaupt auf einer Branchenmesse erscheint, sagt das weniger über die Messe aus als über den Reifegrad der Branche, die sie abbildet. Games sind in Deutschland keine Nische mehr, die man Ministerien für Digitales überlässt. Sie sind Wirtschaftsfaktor — und das Kanzleramt hat das offenbar verstanden, bevor es viele Industrieunternehmen getan haben.

Der eigentliche Adressat sind nicht die Gamer

Der gamescom congress richtet sich ausdrücklich nicht an die spielende Masse, sondern an Entscheider aus Kultur, Bildung, Politik, Wissenschaft und Medien — und an Vertreter aus Wirtschaftssektoren, die wissen wollen, wie sie von der Innovationskraft der Branche profitieren. Genau hier liegt der Hebel, der für den Mittelstand interessant ist.

Der Kongress bündelt das 2026 unter einem Begriff, der ungewöhnlich präzise ist: „Der Games-Effekt“. Gemeint sind nicht die Spiele selbst, sondern das, was aus ihnen herausstrahlt. Echtzeit-3D-Engines, die heute Fabrikhallen und Bauprojekte als digitale Zwillinge abbilden. Simulationsumgebungen, die in der Medizin Operationen trainieren. Gamification-Mechaniken, die in der Personalentwicklung und im Handwerk Lernkurven verkürzen. Und KI-Verfahren, die in Games seit Jahren erprobt werden, bevor sie in der industriellen Anwendung ankommen. Die Games-Branche ist, nüchtern betrachtet, ein Reallabor für Methoden, die anderswo erst Jahre später als Innovation gefeiert werden — von der Industrie über das Handwerk und den Dienstleistungssektor bis in die öffentliche Verwaltung.
Für ein B2B-Unternehmen ist das die relevante Lesart: Games sind kein fremder Markt nebenan. Sie sind ein Methodenlieferant.

Demokratie als zweites Spielfeld

Der zweite Programmschwerpunkt heißt „Spielfeld Demokratie“ und beschäftigt sich mit dem positiven Einfluss von Computer- und Videospielen auf die politische Bildung, auf Partizipation und gesellschaftliche Resilienz. Dass ausgerechnet der Bundespräsident — der die Demokratiebildung zu einem Schwerpunkt seiner Amtszeit gemacht hat — diese Klammer setzt, ist kein Zufall. Es ist eine bewusste Verschiebung der Erzählung: weg vom alten Reflex „Spiele machen aggressiv“, hin zur Frage, was interaktive Medien zur demokratischen Mündigkeit beitragen können.

Die Zahlen, die die Geste tragen

Der Auftritt steht auf einem soliden Fundament. Die gamescom 2025 zählte rund 357.000 Besucher aus 128 Ländern; der gamescom congress empfing über 1.000 Gäste und 180 internationale Expertinnen und Experten. Die gamescom 2026 läuft vom 26. bis 30. August in Köln, eröffnet wird sie am Vorabend, dem 25. August, durch die Opening Night Live; den Auftakt der Messewoche macht bereits am 24. August die Entwicklerkonferenz gamescom dev. Als reine Business-Plattform versammelt die gamescom Aussteller, Publisher, Fachbesucher und Millionen Fans — physisch in Köln und digital weltweit. Veranstaltet wird der Kongress von der Koelnmesse und dem game — Verband der deutschen Games-Branche, gefördert vom Land Nordrhein-Westfalen.

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