Schaf, Ziege, Pflanze

Interview mit Nichole Duttine, Geschäftsführerin der Leeb Biomilch GmbH

Wirtschaftsforum: Frau Duttine, Leeb Biomilch gibt es seit über 30 Jahren. Was haben die Gründer damals richtig gemacht?

Nichole Duttine: Die ursprünglichen Gründer haben sehr früh erkannt, dass Menschen mit Kuhmilch-Unverträglichkeiten Alternativen brauchen. Sie begannen mit Ziege, dann kam Schaf dazu. Wir nennen das intern ‘SchaZi’. Später erkannten sie das Potenzial pflanzlicher Alternativen. Sie setzten konsequent auf Bio und Regionalität. Also Themen, die heute extrem relevant sind. Diese vorausschauende Haltung war außergewöhnlich für einen mittelständischen Betrieb mitten in Oberösterreich. 

Wirtschaftsforum: Wie ist das Unternehmen heute aufgestellt?

Nichole Duttine: Wir sind eine 100%ige Tochtergesellschaft der Emmi mit Sitz in Luzern, arbeiten aber sehr dezentral. Alles wird hier in Wartberg produziert, von hier aus bedienen wir ganz Europa.

Deutschland ist unser größter Markt, aber wir sind auch in Österreich, Italien, Slowenien und Kroatien aktiv. Etwa 30% unseres Umsatzes machen wir in Österreich, den Rest hauptsächlich in Deutschland. 

Wirtschaftsforum: Wie hat sich das Geschäft in den letzten Jahren entwickelt?

Nichole Duttine: Im Großen und Ganzen konstant, aber wir sehen eine deutliche Verschiebung. Unser SchaZi-Geschäft wächst zweistellig. Der Bio-Schaf-Ziege-Bereich boomt in Deutschland, Österreich und Italien. Bei pflanzlichen Produkten sind die Jahre des explosiven Wachstums vorbei. Jemand sagte mir: Die Plant-based-Kategorie ist wie ein Teenager, der erwachsen wird. Diesen holprigen Übergang erleben wir gerade.

Wirtschaftsforum: Welche Impulse setzen Sie bei Produktinnovationen?

Nichole Duttine: Gesunde, nachhaltige Ernährung steht im Mittelpunkt. Wir forschen an besseren Kinderprodukten, Active Aging, Longevity – alles auf Bio-Basis, nicht mit künstlichen Vitaminpaketen. Wir entwickeln auch in Richtung Protein, Darmgesundheit, Ballaststoffe. Die Produktentwicklung ist bei uns im Haus. Wir fragen uns: Was ist die gesunde Ernährung von morgen? Wie bedienen wir unterschiedliche Bedürfnisse besser?
 

Wirtschaftsforum: Welche Produkte sind heute besonders wichtig?

Nichole Duttine: Joghurts machen den größten Teil unseres Geschäfts aus. Kokos ist unsere größte Basis, gefolgt von Schaf und Ziege. Diese Vielfalt macht eine gesunde Ernährung aus, die auch gut für die Umwelt ist. Wir haben dieses Jahr einen High-Protein-Ziegenjoghurt auf den Markt gebracht. Spannend sind die A2-Proteine in Ziegen- und Schafmilch, die besonders gut verträglich sind. Ziegenmilch kommt übrigens der Muttermilch am nächsten. Anfang nächsten Jahres kommt ein Schaf-Protein-Joghurt. Wir arbeiten auch an Kefir-Konzepten, sowohl pflanzlich als auch mit Schaf, weil Kefir heute überall auf Kuhmilch-Basis hergestellt wird und die wenigen Alternativen nicht schmecken. 
 

Wirtschaftsforum: Was sind die wesentlichen Erfolgsfaktoren?

Nichole Duttine: Das frühe Erkennen von Themen, die in der Zukunft wichtig werden, ist unsere DNA. Jetzt gilt es, denselben Unternehmergeist wieder umzusetzen und auf die nächste Stufe zu bringen. Wir müssen kommunizieren: Warum ist Bio wichtig? Wenn wir Konsumenten fragen, was Bio bedeutet, wissen sie es oft nicht genau. Warum soll man mehr für etwas bezahlen, das man nicht versteht? Innovation und Kommunikation sind das A und O. Wir können hier agiler sein als große Unternehmen.
 

Wirtschaftsforum: Was ist Ihre persönliche Vision für Leeb Biomilch?

Nichole Duttine: Als ich zu Emmi kam, sagte ich: Ich möchte das Business in fünf Jahren verdoppeln. Wir wollen profitables Wachstum, viel mehr Richtung Marken, viel mehr Co-Manufacturing mit anderen Marken. Dann können wir die Kommunikation übernehmen, die Aufklärung betreiben, die Produkte für unsere Konsumentenbasis anbieten. Wir wollen das Emmi-Netzwerk nutzen. Gemeinsam mit meinen Counterparts in anderen Ländern zu sagen: „Ihr braucht Plant-based genauso in eurem Land. Lasst uns zusammenarbeiten.“ Das finde ich total spannend.

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