Menschen im Mittelpunkt der Digitalisierung

Interview mit Felix Westphal, Gründer und Geschäftsführer der Pflegia GmbH

Digitale Vermittlung mit persönlicher Nähe

Als Felix Westphal gemeinsam mit Lennart Steuer und Masoud Shahryari 2019 Pflegia ins Leben rief, stand ein anderes Geschäftsmodell im Fokus. Fortbildungen für Pflegekräfte waren zunächst die Idee. Schnell wurde im Austausch mit Einrichtungen und Fachkräften deutlich: Es fehlte an einer spezialisierten Plattform, die Arbeitgeber und Pflegekräfte effizient zusammenführt. Aus dieser Erkenntnis entwickelte sich das heutige Unternehmen. „Eine Pflegekraft und eine Einrichtung zusammenzubringen und langfristig ein nachhaltiges Match herzustellen, das ist bis heute unsere Grundidee“, sagt Felix Westphal. Heute zählt Pflegia rund 900.000 registrierte Pflegekräfte und 10.000 Partnerunternehmen. Täglich organisiert das Unternehmen etwa 500 Vorstellungsgespräche und begleitet monatlich rund 1.100 erfolgreiche Einstellungen. Rund 250 Mitarbeitende arbeiten für das Berliner Unternehmen. Pflegekräfte erstellen auf der Plattform ein Profil und geben ihre Wünsche an. Ein lernender Algorithmus gleicht diese Informationen mit den Anforderungen der Arbeitgeber ab. Ergänzt wird der Prozess durch kostenfreie Karriereberater, die Bewerber bis zur Vertragsunterschrift begleiten. Die Verbindung aus Technologie und persönlicher Betreuung hebt Pflegia von allgemeinen Jobportalen ab. Das Unternehmen konzentriert sich vollständig auf die Pflege und arbeitet dadurch spezifischer.

KI schafft Freiräume für den Menschen

Auch künstliche Intelligenz spielt für Pflegia eine wichtigere Rolle. Sie verbessert den Matching-Prozess, verarbeitet mehr Kriterien als klassische Suchalgorithmen und unterstützt interne Arbeitsabläufe. Gleichzeitig sieht Felix Westphal die Grenzen der Technologie klar. „In der Pflege geht es um die Menschen“, betont er. KI könne Pflegekräfte nicht ersetzen, wohl aber Dokumentation, Kommunikation und organisatorische Prozesse erheblich vereinfachen. Dadurch bleibe mehr Zeit für Patienten. Darüber hinaus erkennt Westphal Potenzial, von sprachgestützter Pflegedokumentation bis zur intelligenten Tourenplanung ambulanter Dienste. Der demografische Wandel bleibt die zentrale Herausforderung. Deshalb setzt Pflegia auf digitale Innovationen, langfristige Mitarbeiterbindung, die Rückgewinnung ehemaliger Pflegekräfte und perspektivisch auf internationales Wachstum. Mit der Tochtergesellschaft Praxia überträgt das Unternehmen sein Vermittlungskonzept auf weitere Gesundheitsberufe. Der nächste Schritt ist die Expansion nach Frankreich. Für Felix Westphal bleibt das Ziel: Menschen zusammenzubringen und damit einen nachhaltigen Beitrag zur Zukunft der Gesundheitsversorgung zu leisten zu.

 

Kontaktdaten
Pflegia GmbH
Chausseestraße 19
10115 Berlin
Deutschland
+49 162 479 13 64
kontakt@pflegia.de
www.pflegia.de

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Aktuellste news

Eurozone und Staatsschulden: Warum Deutschland anders investieren könnte

Eurozone und Staatsschulden: Warum Deutschland anders investieren könnte

Frankreichs Schuldenprobleme werfen eine grundsätzliche Frage auf: Sollte Deutschland seine vergleichsweise hohe Kreditwürdigkeit ausschließlich zur Begrenzung der Staatsverschuldung nutzen? Ein ungewöhnlicher Vorschlag sieht vor, mit zusätzlichen Krediten produktive Vermögenswerte im…

Japans Zinswende: Warum steigende Zinsen die Weltbörsen belasten könnten

Japans Zinswende: Warum steigende Zinsen die Weltbörsen belasten könnten

Japan hebt seinen Leitzins auf den höchsten Stand seit 31 Jahren. Was zunächst wie eine nationale geldpolitische Entscheidung aussieht, könnte internationale Folgen haben. Denn über Jahrzehnte haben Investoren günstige Yen-Kredite…

Mentale Gesundheit für Executives: Die unsichtbare Krise erkennen

Mentale Gesundheit für Executives: Die unsichtbare Krise erkennen

Sie treffen Entscheidungen, die das Leben vieler Menschen berühren. Sie tragen Druck, den andere kaum sehen. Über das, was dieser Druck mit ihnen macht, sprechen sie selten. Bei Führungskräften zeigt…

Aktuellste Interviews

Software für den Praxisalltag

Interview mit Fabian Gundlach, Geschäftsführer der ergosoft GmbH

Software für den Praxisalltag

Aus einer Abrechnungssoftware für Psychotherapeuten ist bei ergosoft über drei Jahrzehnte eine umfassende Lösung für den Praxisalltag entstanden. Geschäftsführer Fabian Gundlach setzt auf Spezialisierung, engen Kundenkontakt und neue Technologien wie…

Schnell reagieren können

Interview mit Steven Herpichböhm, CTO der Gramß GmbH Kunststoffverarbeitung

Schnell reagieren können

Wie wird aus einem kleinen Familienbetrieb ein hochmoderner Kunststoffspezialist mit 150 Maschinen? Steven ­Herpichböhm, CTO der Gramß GmbH in Spechtsbrunn bei Sonneberg, kennt die Antwort. Im Interview spricht er über…

„Die ESA sagte uns, was wir machen, sei unmöglich!“

Interview mit Tom Segert, Mitgründer und CEO der Berlin Space Technologies GmbH

„Die ESA sagte uns, was wir machen, sei unmöglich!“

Kaum ein Unternehmen dürfte derart komplex zu gründen und zu skalieren sein wie ein Satellitenhersteller: Tom Segert und seine Partner haben es dennoch getan – mit beachtlichen Erfolgen, die sich…

TOP