OMR26: Itzehoe, Def Jam und 42 Mitarbeitende – drei Plattformchefs, die unterschiedlicher nicht sein könnten

Hamburg – Das OMR Festival hat sein Speaker-Programm um drei Namen erweitert, die man in einem Satz selten gemeinsam liest: Nick Turley (ChatGPT), Lyor Cohen (YouTube) und Keily Blair (OnlyFans). Gemeinsam repräsentieren sie KI, Musik und die Creator Economy – also ziemlich genau die drei Kräfte, die das digitale Geschäft aktuell neu sortieren.

Von Itzehoe nach San Francisco – in zehn Tagen zur Weltformel

Nick Turley ist VP und Head of ChatGPT bei OpenAI und damit verantwortlich für ein Produkt, das pro Woche inzwischen über 800 Millionen Nutzer zählt. Die Pointe: Turley kommt aus Itzehoe in Schleswig-Holstein, studierte Informatik und Philosophie an der Brown University und landete über Stationen bei Dropbox und Instacart bei OpenAI. Dort gehörte er 2022 zum Hackathon-Team, das ChatGPT in nur zehn Tagen zusammenbaute – ursprünglich gedacht als Testlauf für einen Monat. Der Rest ist bekannt.
Bereits bei OMR25 stand Turley auf der Conference Stage und begrüßte das Publikum mit „Moin Moin“, bevor er auf Englisch über die Zukunft der KI sprach. Die KI-Branche dreht sich bekanntlich im Wochentakt. Was sich seit seinem letzten Auftritt verändert hat – ChatGPT als Betriebssystem, Apps von Drittanbietern, die Integration in den Arbeitsalltag –, dürfte in Hamburg zu den meistbeachteten Programmpunkten zählen.

Lyor Cohen: Vom Tourbus der Beastie Boys ins YouTube-Imperium

Kaum ein Lebenslauf in der Musikbranche liest sich filmreifer als der von Lyor Cohen. Anfang der Achtzigerjahre stieg er bei Russell Simmons‘ Rush Artist Management ein und wurde am ersten Tag als Ersatz-Tourmanager für Run-DMCs erste UK-Tour eingespannt. Danach tourte er mit den Beastie Boys, wurde Präsident von Def Jam Recordings, formte die Island Def Jam Music Group, leitete die Recorded-Music-Sparte von Warner Music Group und gründete mit 300 Entertainment sein eigenes Label, bevor er Ende 2016 als Global Head of Music zu YouTube wechselte.
Fast zehn Jahre später verantwortet Cohen eine Plattform, die zuletzt in einem Jahr über 8 Milliarden USD an die Musikindustrie ausschüttete. Sein Gespür für popkulturelle Strömungen hat er sich dabei offensichtlich bewahrt: In einem aktuellen Brief an Musikpartner schwärmt er darüber, wie Baby Keem mit einem Album-Rollout aus Doku-Content, exklusiven Listening-Events und Musikvideos den Prototyp für Fan-Engagement geschaffen habe. In Hamburg will Cohen auf der Conference Stage darüber sprechen, wie sich die Musikindustrie verändert hat – und woran er erkennt, ob Newcomer das Potenzial zum Superstar mitbringen.

Keily Blair: Von der Londoner Wirtschaftskanzlei an die Spitze von OnlyFans

Die wohl überraschendste Biografie der drei bringt Keily Blair mit. Die gebürtige Dublinerin ist Juristin, ausgebildet bei der Londoner „Magic Circle“-Kanzlei Allen & Overy, mit weiteren Stationen bei Morrison & Foerster, PwC und der US-Großkanzlei Orrick. Bei Letzterer war OnlyFans bereits ihre Mandantin – bis sie 2022 die Seiten wechselte und als Chief Strategy & Operations Officer zur Plattform ging. Seit Juli 2023 ist sie CEO.
Seitdem führt Blair ein Unternehmen, das mit rund 42 Vollzeitkräften etwa 7 Milliarden USD Jahresumsatz erwirtschaftet – was sie beim Web Summit in Lissabon lakonisch auf 37 Millionen USD pro Kopf umrechnete. Mittleres Management? Gibt es bei OnlyFans nicht, wie Blair in Interviews betont. Die Plattform, 2016 gegründet und lange primär mit Erwachseneninhalten assoziiert, hat sich unter Blairs Führung breiter aufgestellt: Sportler, Musiker und Filmschaffende nutzen das Abo-Modell inzwischen ebenfalls, und OnlyFans lizenzierte sogar eine Serie an Netflix. Gleichzeitig kennt Blair die Schattenseiten des Geschäfts aus eigener Erfahrung – eine Bank lehnte sie als Kundin ab, nachdem sie den CEO-Posten übernommen hatte.
Auf der Conference Stage will Blair erklären, worauf es beim Aufbau von Creator-Communitys ankommt.

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Drei völlig unterschiedliche Werdegänge, ein gemeinsamer Nenner: Sie definieren ganze Branchen in Echtzeit neu. Am 5. und 6. Mai bringt das OMR Festival in Hamburg diejenigen auf die Bühne, die den Wandel nicht kommentieren – sondern bauen. Festival Passes sind noch im Early-Bird-Preis für 559 Euro (netto) auf omr.com erhältlich.

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