„Der kleine Amazon der Energiebranche“

Interview mit Dipl.-Ing. Stephan Waerdt, Geschäftsführer der ONERGYS GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Waerdt, ONERGYS bewegt sich in einem sehr speziellen Markt. Was genau macht Ihr Unternehmen?

Dipl.-Ing. Stephan Waerdt: Wir kommen ursprünglich aus dem Energieanlagenbau und haben irgendwann festgestellt, dass es für dezentrale Energieanlagen praktisch keinen freien Ersatzteilmarkt gab. Wer eine Anlage betrieben hat, war vollständig vom jeweiligen Hersteller abhängig. Genau da sind wir 2013 eingesprungen. Heute betreiben wir einen B2B-Webshop für Verschleiß- und Ersatzteile rund um Energieanlagen, von Blockheizkraftwerken bis zu Biogasanlagen. Und zwar herstellerübergreifend.

Wirtschaftsforum: Das klingt nach einem Markt mit einigen Widerständen.

Dipl.-Ing. Stephan Waerdt: Die gab es definitiv. Wir hatten Boykottaufrufe, Lieferanten wurden unter Druck gesetzt, Lieferketten plötzlich gekappt. Das lief selten schriftlich, aber die Botschaft war klar: Wer ONERGYS belieferte, riskierte den Ausschluss aus dem Partnernetzwerk. Das war schon ein harter Markt. Gleichzeitig wussten wir aber, dass der Bedarf da ist. Denn die Hersteller verdienen ihr Geld oft weniger mit der Anlage selbst als später im Servicegeschäft.

Wirtschaftsforum: Trotzdem haben Sie sich durchgesetzt.

Dipl.-Ing. Stephan Waerdt: Ja, weil sich freie Märkte auf Dauer kaum verhindern lassen. Heute haben wir mit einigen Herstellern sogar direkte Lieferverträge. Irgendwann kam eben die Erkenntnis: Verhindern lässt sich ONERGYS ohnehin nicht mehr.

Wirtschaftsforum: Wo liegt heute Ihr größter Vorteil für Kunden?

Dipl.-Ing. Stephan Waerdt: Geschwindigkeit, Breite und Datenqualität. Unsere Kunden bekommen bei uns nicht nur ein einzelnes Teil, sondern komplette Lösungen. Oft auch vorkonfektionierte Sets für bestimmte Reparaturen. Dazu kommt: Wir liefern inzwischen in mehr als 100 Länder. Wenn irgendwo eine Anlage stillsteht, zählt jede Stunde. Dann braucht man das richtige Teil schnell am richtigen Ort.

Wirtschaftsforum: Sie haben einmal gesagt, ONERGYS sei „der kleine Amazon der Branche“.

Dipl.-Ing. Stephan Waerdt: Ja, das stimmt schon ein Stück weit. Wir haben inzwischen ein sehr breites Sortiment aufgebaut. Teilweise schauen selbst Hersteller bei uns nach Informationen oder Preisen. Das zeigt, wie stark sich die Plattform entwickelt hat.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt die aktuelle Energiewende für Ihr Wachstum?

Dipl.-Ing. Stephan Waerdt: Eine große. Durch Wind- und Solarenergie braucht man flexible Backup-Lösungen. Gleichzeitig treiben Datencenter und KI-Anwendungen den Strombedarf massiv nach oben. Große Kraftwerke brauchen oft Jahre bis zur Inbetriebnahme. Dezentrale Anlagen lassen sich deutlich schneller realisieren, manchmal innerhalb weniger Monate. Genau dort bewegen wir uns.

Wirtschaftsforum: ONERGYS wächst stark. Wie verändert das das Unternehmen?

Dipl.-Ing. Stephan Waerdt: Wir verlassen gerade endgültig die Start-up-Phase. Im vergangenen Jahr sind wir um 23% gewachsen, aktuell liegen wir wieder deutlich im Plus. Gleichzeitig wachsen die Anforderungen an Prozesse, Strukturen und Personal. Wir haben kürzlich unsere Geschäftsleitung erweitert und sind in eine neue Firmenzentrale mit eigenem Logistikzentrum eingezogen. Das ist schon ein großer Schritt gewesen.

Wirtschaftsforum: Und persönlich, was motiviert Sie heute noch am meisten?

Dipl.-Ing. Stephan Waerdt: Dass ich mich inzwischen stärker um strategische Themen kümmern kann. Früher war ich tief im Tagesgeschäft drin. Heute habe ich das Glück, ein sehr gutes Team zu haben. Das gibt mir die Möglichkeit, an der Weiterentwicklung des Unternehmens zu arbeiten. Und ehrlich gesagt: Genau das macht mir am meisten Spaß.

Wirtschaftsforum: Welche Themen liegen Ihnen besonders am Herzen?

Dipl.-Ing. Stephan Waerdt: Dass die Energiewende vielfältig gedacht wird. Es gibt nicht nur den einen richtigen Weg. Wir brauchen auch dezentrale Lösungen, Biogas, kommunale Strukturen und mittelständisches Engagement. Wir sind nicht die ganz Großen der Branche, aber genau diese mittelständischen Strukturen machen Systeme oft robuster. Das wird aus meiner Sicht manchmal unterschätzt.

Wirtschaftsforum: Was wünschen Sie sich für die kommenden Jahre?

Dipl.-Ing. Stephan Waerdt: Dass wir gesund weiter wachsen, ohne unsere Kultur zu verlieren. Wir sind ein Familienunternehmen, nicht kapitalmarktgetrieben. Der Spaß an der Arbeit muss erhalten bleiben. Dafür investieren wir viel: in Weiterbildung, flexible Arbeitsmodelle oder einfach gute Rahmenbedingungen. Wachstum allein ist kein Ziel. Es muss auch menschlich funktionieren.

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