Partitur und Depot: Wie ein Dirigent den DAC Trading-Award gewann

05.01.2016
Otis Klöber steht in der Regel vor einem Orchester. Anfang Januar erhielt er eine goldene Statuette und einen Scheck über 50.000 Euro. Der Deutsche Anleger Club (DAC) hat ihn zum besten Trader seines Wettbewerbes gekürt. Börsenhändler ist der Berliner nicht, er ist Dirigent.
Eine Laufbahn in der Musik
Klöber wurde in einer Musikerfamilie geboren und erhielt früh Unterricht in Gesang, Fagott und Klavier. Das Fagott studierte er bei Klaus Thunemann in Hannover und Berlin, später spielte er als Solofagottist im Netherlands Symphony Orchestra unter Jaap van Zweden und als Gast unter anderem beim London Symphony Orchestra und beim Mahler Chamber Orchestra.
2010 gab er das Spielen ganz auf und widmete sich nun nur noch dem Dirigieren. Meisterkurse besuchte er bei Jorma Panula, Kurt Masur und Bernard Haitink. Er war Chefdirigent der Deutsch-Niederländischen KammerPhilharmonie. Er ist seit 2012 als Chefdirigent und künstlerischer Leiter des Philharmonic Orchestra of Europe tätig.
Der Verlust als Ausgangspunkt
Lange Zeit kümmerten sich andere um sein Geld. Kurz vor der Finanzkrise legte Klöber einen sechsstelligen Betrag in einem breit gestreuten Fondsdepot an, die Krise nahm dem Depot den größten Teil seines Wertes.
Zypern gab ihm nach eigener Schilderung den letzten Anstoß. Im März 2013 griff das Land zur Rettung seiner beiden größten Banken auf Guthaben über 100.000 Euro zu. Für Klöber war damit klar: Sein Vermögen nimmt er selbst in die Hand. Bei Zinsen nahe null spricht auch wenig für das Sparbuch.
„Ich wollte nie wieder eine Entscheidung über mein Geld abgeben, die ich selbst nicht verstehe.“
Anderthalb Jahre im Wettbewerb
Gelernt hat Klöber dabei unter anderem im Deutschen Anleger Club. Dieser wurde von dem britischen Trading-Trainer Marcus de Maria und Marc Schippke im Oktober 2013 gegründet und bietet Kurse, Webinare und Workshops für Privatanleger an. Im Mai 2014 wurden dort 50.000 Euro für das erfolgreichste Mitglied vergeben.
Der Wettbewerb währte etwa anderthalb Jahre mit rund 400 Teilnehmern. Still war diese Zeit nicht: Der Ölpreis fiel, und auch die Sorge um die Konjunktur in China ließ im August 2015 den DAX binnen weniger Tage deutlich fallen. Am Schluss hatte Klöber die Nase deutlich vorn.
Was ein Dirigent an der Börse mitbringt
Ein Musiker als bester Trader, das ist schon eine Überraschung. Aber so weit, wie es scheint, liegen die beiden Welten dann doch nicht auseinander. Wer ein Orchester leitet, bereitet jede Probe bis ins letzte Detail vor und plant Konzerte inklusive Budget, Gagen und Risiken mehrere Monate im Voraus. Und ein eigenes Orchester will finanziert sein, auch das war ihm nach eigenen Worten ein Grund, sich ernsthaft mit Geldanlage zu befassen.
„Im Konzert improvisiere ich nicht, und an der Börse auch nicht.“





