„Wir müssen vom Experiment zum echten Nutzen kommen“

Interview mit Frank Wolfram, CEO der Syzygy AG

Wirtschaftsforum: Herr Wolfram, beginnen wir mit den Wurzeln: Wofür steht die Syzygy AG?

Frank Wolfram: Der Name kommt aus der Astronomie. Er beschreibt den Moment, wenn drei Himmelskörper in einer Linie stehen. Für uns bedeutet das: Businessverständnis, Technologie und Kreativität müssen zusammenkommen. Genau diese Balance versuchen wir seit unserer Gründung umzusetzen.

Wirtschaftsforum: Wie hat sich das Unternehmen entwickelt?

Frank Wolfram: Wir sind immer dann gewachsen, wenn es technologische Sprünge gab. Erst die ersten Websites, dann digitale Services wie Konfiguratoren, später Mobile, Cloud und Performance Marketing. Heute stehen wir wieder an so einem Punkt – mit KI. Das ist für uns die nächste große Welle.

Wirtschaftsforum: Wie groß ist Syzygy heute?

Frank Wolfram: Wir haben etwas mehr als 500 Mitarbeitende und erwirtschaften rund 60 Millionen EUR Umsatz. Der Schwerpunkt liegt klar in Deutschland, etwa 80% unseres Geschäfts.

Wirtschaftsforum: In einem intensiven Wettbewerbsumfeld – wo sehen Sie Ihre Position?

Frank Wolfram: Wir bewegen uns im Mittelfeld zwischen großen IT-Dienstleistern und klassischen Agenturen. Unser Vorteil ist dieser „Sweet Spot“: Wir verbinden Kreativität mit der Fähigkeit, geschäftskritische Systeme zu bauen.

Wirtschaftsforum: Die letzten Jahre waren von Unsicherheit geprägt. Was bedeutet das für Ihr Geschäft?

Frank Wolfram: Die Budgets werden kleinteiliger, Entscheidungen kurzfristiger. Gleichzeitig steigt der Beratungsbedarf. Kunden suchen Orientierung – nicht nur in einzelnen Disziplinen, sondern strategisch. Das ist ein spannendes Paradox: mehr Spezialisierung und gleichzeitig mehr Ganzheitlichkeit.

Wirtschaftsforum: Worauf basiert Ihr Geschäftsmodell heute?

Frank Wolfram: Wir haben zwei starke Säulen. Die eine ist Technologie – also geschäftskritische Systeme wie Plattformen oder CRM-Lösungen. Das sorgt für Stabilität. Die andere ist alles rund um digitale Erlebnisse: Beratung, Konzeption, Gestaltung.

Wirtschaftsforum: Können Sie ein Beispiel nennen?

Frank Wolfram: Die Zusammenarbeit mit Lufthansa ist ein gutes Beispiel. Dort gestalteten wir die gesamte digitale Nutzererfahrung – vom Ticketkauf bis zum Service danach. Das ist hochkomplex, weil viele Marken und Anforderungen zusammenkommen.

Wirtschaftsforum: Kommen wir zur KI. Was ist aus Ihrer Sicht entscheidend?

Frank Wolfram: Wir müssen weg von der Tool-Diskussion. Die zentrale Frage ist: Welches Problem lösen wir? Viele Unternehmen nutzen KI schon individuell, aber der große Hebel auf Unternehmensebene fehlt noch.

Wirtschaftsforum: Wie gehen Sie konkret vor?

Frank Wolfram: Sehr pragmatisch. Ein Beispiel ist skalierte Content-Produktion. Mit KI können wir Inhalte variabler und effizienter erstellen, ohne die Markenqualität zu verlieren. Wichtig ist: nicht nur effizienter, sondern auch effektiver werden.

Wirtschaftsforum: Warum entscheiden sich Kunden für Sie?

Frank Wolfram: Weil wir versuchen, die Stimme der Vernunft zu sein. Nicht der Hype, nicht die Dystopie. Sondern klar, Schritt für Schritt, partnerschaftlich. Wir nennen das „Sense Maker und Market Maker“.

Wirtschaftsforum: Was sind Ihre Ziele für 2026?

Frank Wolfram: „Transform while perform“ – wir müssen in unserem Kerngeschäft erfolgreich sein und gleichzeitig die Chancen von KI nutzen. Wir wollen die KI-Transformation aktiv mitgestalten.

Wirtschaftsforum: Und langfristig?

Frank Wolfram: Ich möchte, dass wir als Unternehmen wahrgenommen werden, das KI wirklich in Wertschöpfung übersetzt. Nicht als Schlagwort, sondern als funktionierende Lösung.

Wirtschaftsforum: Was treibt Sie persönlich an?

Frank Wolfram: Neugier. Dieser fast kindliche Blick auf neue Möglichkeiten. Fortschritt begeistert mich – aber immer mit der Frage: Was bedeutet das für Menschen und Unternehmen? Wenn man dann gemeinsam etwas baut und sieht, dass es funktioniert, dann ist das ein gutes Gefühl.

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