Fokus statt Wachstum um jeden Preis

Interview mit Daniel Szkutnik, geschäftsführender Gesellschafter der trio-group I.AM communication & marketing gmbh

Wirtschaftsforum: Herr Szkutnik, die trio-group blickt auf rund 30 Jahre Unternehmensgeschichte zurück. Wo liegen die Wurzeln der Agentur?

Daniel Szkutnik: Die Gründung geht auf das Jahr 1996 zurück. Ursprünglich war die Agentur stark im Agrar- und Foodbereich verankert. Einer der Gründer war promovierter Agrarwissenschaftler, der andere kam aus dem PR-Journalismus. Diese Kombination hat die Ausrichtung stark geprägt. Von dort aus hat sich die Agentur Schritt für Schritt geöffnet – zunächst in angrenzende Branchen, später auch in andere Industrien. In der Spitze arbeiteten einmal rund 120 Mitarbeiter in der Gruppe. Heute sind wir bewusst fokussierter unterwegs.

Wirtschaftsforum: Was hat sich in den vergangenen Jahren strukturell verändert?

Daniel Szkutnik: Seit 2019 haben wir die gesamte Unternehmensstruktur neu geordnet. Früher gab es viele einzelne Gesellschaften – für PR, Digital oder verschiedene Standorte. Wir haben uns einen klaren Fünfjahresplan gegeben und die Aktivitäten sukzessive in einer Organisation gebündelt. Diese Konsolidierung war wichtig. Sie hat uns gezwungen, genau zu definieren: Wo sind wir wirklich stark und welche Leistungen gehören zu unserem Kern.

Wirtschaftsforum: In welchen Märkten ist die trio-group heute besonders aktiv?

Daniel Szkutnik: Unsere größten Kompetenzen liegen weiterhin im Agrarbereich und im Energiesektor. Gerade für Stadtwerke und Energieversorger arbeiten wir sehr intensiv. Gleichzeitig betreuen wir viele Projekte der öffentlichen Hand – etwa Kampagnen für Ministerien, Hochschulen oder gesellschaftliche Themen. Das reicht von Employer-Branding-Kampagnen bis hin zu Informationskampagnen zu sozialen Themen.

Wirtschaftsforum: Wie würden Sie Ihr Leistungsprofil beschreiben?

Daniel Szkutnik: Ich nenne uns gern einen Marketing- und Kommunikationsgeneralisten mit sehr starker Marken- und Digitalexpertise. Wir entwickeln Strategien, Kampagnen und Kommunikationskonzepte. Gleichzeitig haben wir gelernt, nicht alles selbst machen zu wollen. Für Spezialthemen – etwa Paid Social, Search oder Marketingautomation – arbeiten wir mit Partnern zusammen. So können wir unseren Kunden ein sehr breites Spektrum bieten, ohne uns zu verzetteln.

Wirtschaftsforum: Wie hat sich der Markt in den vergangenen Jahren entwickelt?

Daniel Szkutnik: Wachstum ist deutlich schwieriger geworden. Für uns bedeutet das vor allem, Stabilität zu sichern. Wir beschäftigen aktuell 38 Mitarbeiter und erwirtschaften einen Jahresumsatz von rund 6 bis 6,5 Millionen EUR. Entscheidend ist heute weniger schnelles Wachstum als eine solide Aufstellung.

Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie die trio-group im Wettbewerbsumfeld?

Daniel Szkutnik: Wir treten nicht gegen die großen internationalen Netzwerke an – das wäre vermessen. Unser Spielfeld ist der gehobene Mittelstand. Unternehmen mit etwa 500 Mitarbeitern oder große Stadtwerke sind genau unsere Zielgruppe. Dort können wir unsere Erfahrung und unsere Branchenkenntnis am besten einbringen.

Wirtschaftsforum: Welche Themen beschäftigen Sie derzeit besonders?

Daniel Szkutnik: Digitalisierung und Künstliche Intelligenz spielen eine immer größere Rolle. Wir unterstützen Kunden aktuell dabei, KI-basierte Assistenten in ihre Marketingprozesse einzubauen. Gleichzeitig verändern wir auch unsere eigenen Strukturen. Wir werden unsere großen Büroräume aufgeben und künftig stärker auf flexible Arbeitsmodelle und Coworking setzen.

Wirtschaftsforum: Mit welchem Blick gehen Sie persönlich ins laufende Jahr?

Daniel Szkutnik: Grundsätzlich optimistisch. Unternehmertum funktioniert nur mit Zuversicht. Natürlich bleibt der Markt volatil, aber wir haben unsere Hausaufgaben gemacht: Prozesse digitalisiert, Strukturen verschlankt und uns auf unsere Stärken konzentriert. Genau das ist heute entscheidend – nicht alles zu können, sondern genau zu wissen, worin man wirklich gut ist.

trio-group I.AM communication & marketing gmbh
Carl-Reuther-Straße 1
68305 Mannheim
Deutschland
Tel.: +49 621 338400
info@trio-group.de
www.trio-group.de

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Aktuellste news

Eurozone und Staatsschulden: Warum Deutschland anders investieren könnte

Eurozone und Staatsschulden: Warum Deutschland anders investieren könnte

Frankreichs Schuldenprobleme werfen eine grundsätzliche Frage auf: Sollte Deutschland seine vergleichsweise hohe Kreditwürdigkeit ausschließlich zur Begrenzung der Staatsverschuldung nutzen? Ein ungewöhnlicher Vorschlag sieht vor, mit zusätzlichen Krediten produktive Vermögenswerte im…

Japans Zinswende: Warum steigende Zinsen die Weltbörsen belasten könnten

Japans Zinswende: Warum steigende Zinsen die Weltbörsen belasten könnten

Japan hebt seinen Leitzins auf den höchsten Stand seit 31 Jahren. Was zunächst wie eine nationale geldpolitische Entscheidung aussieht, könnte internationale Folgen haben. Denn über Jahrzehnte haben Investoren günstige Yen-Kredite…

Mentale Gesundheit für Executives: Die unsichtbare Krise erkennen

Mentale Gesundheit für Executives: Die unsichtbare Krise erkennen

Sie treffen Entscheidungen, die das Leben vieler Menschen berühren. Sie tragen Druck, den andere kaum sehen. Über das, was dieser Druck mit ihnen macht, sprechen sie selten. Bei Führungskräften zeigt…

Aktuellste Interviews

Software für den Praxisalltag

Interview mit Fabian Gundlach, Geschäftsführer der ergosoft GmbH

Software für den Praxisalltag

Aus einer Abrechnungssoftware für Psychotherapeuten ist bei ergosoft über drei Jahrzehnte eine umfassende Lösung für den Praxisalltag entstanden. Geschäftsführer Fabian Gundlach setzt auf Spezialisierung, engen Kundenkontakt und neue Technologien wie…

Schnell reagieren können

Interview mit Steven Herpichböhm, CTO der Gramß GmbH Kunststoffverarbeitung

Schnell reagieren können

Wie wird aus einem kleinen Familienbetrieb ein hochmoderner Kunststoffspezialist mit 150 Maschinen? Steven ­Herpichböhm, CTO der Gramß GmbH in Spechtsbrunn bei Sonneberg, kennt die Antwort. Im Interview spricht er über…

„Die ESA sagte uns, was wir machen, sei unmöglich!“

Interview mit Tom Segert, Mitgründer und CEO der Berlin Space Technologies GmbH

„Die ESA sagte uns, was wir machen, sei unmöglich!“

Kaum ein Unternehmen dürfte derart komplex zu gründen und zu skalieren sein wie ein Satellitenhersteller: Tom Segert und seine Partner haben es dennoch getan – mit beachtlichen Erfolgen, die sich…

TOP