Unsere Mission? Hochwertige Uhren zu erschwinglichen Preisen

Interview mit Niels Eggerding, Managing Director der Frederique Constant SA

Wirtschaftsforum: Herr Eggerding, Frederique Constant umschreibt seine Mission gerne mit dem Schlagwort ‘zugänglicher Luxus’. Ist Ihre Marke bereits mit dieser Zielsetzung entstanden?

Niels Eggerding: Frederique Constant wurde vor 34 Jahren von Aletta Bax und Peter Stas ins Leben gerufen, einem niederländischen Ehepaar, das damals in hochrangigen Positionen für zwei Weltkonzerne in Hong Kong tätig war. Im Zuge ihrer häufigen Urlaube in der Schweiz entwickelten sie eine immer intensivere Leidenschaft für Armbanduhren und waren fasziniert von den Designs von Jaeger-LeCoultre, Vacheron Constantin und ähnlichen Marken – eine Leidenschaft, die sie mit vielen Menschen teilen, die gleichermaßen nicht bereit sind, die entsprechend hohen Preise zu bezahlen. Mit der Idee, den hochwertigen Look und die luxuriöse DNA dieser Armbanduhren auch in Form von preisgünstigeren Modellen umzusetzen, kehrten sie schließlich nach Hong Kong zurück und machten sich an die Arbeit.

Wirtschaftsforum: Eine Erfolgsgeschichte ab der ersten Minute?

Niels Eggerding: So schnell ging es dann doch nicht. Mit ihren Zeichnungen und ersten Prototypen kontaktierten sie bald ein japanisches Vertriebsunternehmen, das sich für ihr Konzept interessierte. Trotzdem fingen sie natürlich ganz ohne etablierte Supply-Chains oder bestehende Produktionsanlagen an. Die Fertigstellung der ersten 300 Exemplare ihrer allerersten Armbanduhr nahm deshalb auch gut eineinhalb Jahre in Anspruch. Schon nach wenigen Wochen war das Produkt jedoch samt und sonders ausverkauft und ihr Vertriebspartner bestellte bei ihnen sofort 3.000 weitere Uhren nach. Bald folgten entsprechende Skalierungsschritte, um auch langfristig der großen Nachfrage Herr zu werden. Seit den frühen 2000er-Jahren stellt Frederique Constant zudem das eigentliche Uhrwerk selbst her, damit wir als Unternehmen nicht nur beim Design, sondern auch in unserer Technologie eine unbeschränkte Flexibilität genießen können.

Wirtschaftsforum: Mit dem Siegeszug der Smartwatch ist die Armbanduhr nicht mehr nur ästhetisches Schmuckstück, sondern auch ein vielseitiger funktionaler Alltagsgegenstand – eine Ambition, der sich auch Frederique Constant verpflichtet fühlt?

Niels Eggerding: Als wir vor sieben Jahren selbst in den Smartwatch-Markt eingestiegen sind, haben wir es bewusst nicht auf einen Wettbewerb mit Apple und vergleichbaren Brands angelegt – denn dieses spezifische Marktsegment wird für uns auch in Zukunft nur eine Nische in unserem Sortiment bleiben, sodass wir mit der Armee an Programmierern, die Apple für die Entwicklung seiner Programm-Updates und Sicherheitsfirmware abstellt, weder konkurrieren können noch wollen. Unsere Smartwatches ermöglichen ihren Benutzerinnen eine nahtlose Konnektivität, verbunden mit wichtigen Apps, die ihnen den Alltag erleichtern. Trotzdem dominiert auch bei diesem Produkt von Frederique Constant klar der hochwertige Design-Anspruch.

Wirtschaftsforum: Welche technologischen Innovationen sind für Ihr Unternehmen von größerer Bedeutung?

Niels Eggerding: Der permanente Innovationsdrang zeichnet uns sicherlich in besonderer Weise aus. Wir sind das einzige Unternehmen, das imstande ist, in großem Produktionsmaßstab Uhrwerke in Manufaktur-Qualität zu fertigen. Derzeit arbeiten wir an einer umfassenden Weitentwicklung der Uhrwerktechnologie, deren grundlegendes Funktionsprinzip seit 300 Jahren ohne wesentliche Veränderungen besteht: Die weit überwiegende Anzahl an Armbanduhren aus der Schweiz wird von einem mechanischen Uhrwerk angetrieben, das aus 26 essentiellen Komponenten besteht, zu denen unter anderem die Unruh und mehrere feingliedrige Federn zählen. Mit unserem sogenannten Hochfrequenz-Silizium-Oszillator stellen wir dieser Tradition eine fundamentale Neuentwicklung entgegen, die zehnmal schneller tickt als die meisten mechanischen Uhrwerke und zudem deutliche Vereinfachungen bei der Fertigung aufweist. Auch an dieser Stelle gilt natürlich die Devise, die Frederique Constant groß gemacht hat: eine luxuriöse, ansprechende Uhr, in die sich der Kunde auf den ersten Blick verlieben soll, mit einem technologisch hochwertigen Herz und einem erschwinglichen Preis.

Wirtschaftsforum: Mit diesem Unternehmenskonzept zielen Sie vornehmlich auf Kunden aus der gehobenen Mittelschicht ab, die sich von ihrem Einkommen hin und wieder etwas gönnen können. Im Zuge der hohen Inflationsraten sowie der sich anbahnenden Rezession dürften diese Konsummöglichkeiten jedoch abnehmen – ist das auch ein Problem für Frederique Constant?

Niels Eggerding: Als optimistischer CEO bin ich immer auf der Suche nach neuen Möglichkeiten. Aber natürlich bin ich auch Realist. Inflation, Rezession, die horrenden Energiepreise und die enorme Unsicherheit setzen gerade auch unser Kundensegment unter Druck. Der Anreiz für Konsumausgaben ist deutlich niedriger als im wirtschaftlichen Normalzustand. Für Frederique Constant tun sich hierbei mitunter neue Möglichkeiten im hochpreisigen Uhrensegment auf, die für uns durchaus interessant werden können. Gleichzeitig werden wir unsere Marktposition bei hochwertigen, aber erschwinglichen Armbanduhren niemals räumen. Denn früher oder später wird auch unser Kundensegment wieder größere Konsumausgaben tätigen können – und dann steht Frederique Constant bereit, um diese Bedürfnisse unverzüglich zu befriedigen.

Frederique Constant SA
Chemin du Champ-des-Filles 32
1228 Plan-les-Ouates
Schweiz
+41 22 8600440
contact@Frederique-constant.com
www.frederiqueconstant.com

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